Wie sicher sind die Patientenzimmer in den Düsseldorfer Krankenhäusern? Der WZ-Test.

Diebe können im hektischen Krankenhausalltag schnelle Beute machen.
Diebe können im hektischen Krankenhausalltag schnelle Beute machen.

Diebe können im hektischen Krankenhausalltag schnelle Beute machen.

Dieter Alsleben

Diebe können im hektischen Krankenhausalltag schnelle Beute machen.

Düsseldorf. Schlafende Patienten, lange Besuchszeiten und Pflegepersonal, das viel zu tun hat - sind Krankenhäuser ein idealer Ort für Langfinger, um unbemerkt auf Diebestour zu gehen? Nachdem ein Unbekannter am Wochenende eine Patientin im Marien-Hospital ausraubte und eine Krankenschwester zu Boden schlug, stellen sich viele diese Frage. Die WZ testete, wie einfach es ist, sich Zugang zu den Stationszimmern zu verschaffen.

"Ein Krankenhaus ist kein Sicherheitstrakt."

Rolf  Willhardt, Uni-Klinik

Montagmittag, gegen 14 Uhr: Auf der Chirurgie-Station im Marien-Hospital ist Schichtübergabe, Schwestern und Pfleger sitzen im Personalraum. Auf dem Gang gähnende Leere. Das ist die Chance, heimlich in die Zimmer zu gelangen. Im ersten schläft ein Patient, das Handy und seine Armbanduhr liegen auf dem Tisch - leichte und schnelle Beute.

Im zweiten und dritten spielen zwei Männer Schach. "Entschuldigung, falscher Raum." Hier kann man gerade nichts holen. In Zimmer vier dann wieder ein Volltreffer: Kein Patient zu sehen, dafür aber eine Brille auf dem Nachttisch. Klauen ginge hier also wesentlich leichter als gedacht.

Was sagt Martin Schicht, Pressesprecher vom Verbund katholischer Kliniken Düsseldorf (VKKD), zu dem das Marien-Hospital gehört, dazu? "Schmuck und Handys gehören nicht ans Krankenbett. Darauf machen wir bei der Aufnahme und in Info-Broschüren aufmerksam. Man sollte nur ein wenig Bargeld in der Tasche haben", sagt er.

Ein Krankenhaus sei schließlich ein öffentliches Gebäude und für jeden zugänglich. Wer dennoch nicht auf Wertgegenstände im Krankenhaus verzichten will, könne kostenlose Tresore nutzen. "Wenn die Sachen offen im Zimmer oder in den leicht zu knackenden Kleiderschränken liegen, haftet das Krankenhaus nicht", erklärt Schicht.

Eine halbe Stunde später geht der Test im Evangelischen Krankenhaus an der Kirchfeldstraße weiter. Ein Laptop liegt auf dem Bett, vom Patienten keine Spur. Nebenan schläft eine Frau, ihr MP3-Player liegt zum Greifen nahe neben dem Kopfkissen. Die Schwestern schöpfen keinen Verdacht, lächeln freundlich, wenn "Besucher" sich offenbar zum dritten Mal nacheinander im Zimmer irren. Auch hier hätten Ganoven also ein leichtes Spiel.

"Unser Personal hält die Augen - so gut es geht - offen. Besucher müssen sich nicht an der Pforte anmelden, es wäre aber nett, wenn sie es tun würden", erklärt Dagmar Rosenstein, Pressereferentin in der Klinik.

Test Nummer drei, um 15 Uhr in der Frauenabteilung der Uni-Klinik. Hier herrscht reger Betrieb, ein Fremder, der in die Zimmer geht, fällt nicht auf. Diebstähle wären schnell und einfach möglich. Und das, obwohl ein Sicherheitsdienst regelmäßige Rundgänge macht, wie Rolf Willhardt, Pressesprecher der Universität, erläutert. "Trotzdem: Ein Krankenhaus ist kein Hochsicherheitstrakt", sagt er. Mehr Sicherheit könnten verschlossene Stationen bieten. Die seien jedoch im Klinikalltag nicht praktikabel.

In allen drei Krankenhäusern sei es übrigens laut Angaben des Pressesprechers bislang nur selten zu Diebstählen gekommen.

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