Vier junge Profi-Täter sitzen nach wochenlanger Observation in Untersuchungshaft.

Vier junge Profi-Täter sitzen nach wochenlanger Observation in Untersuchungshaft.
Heinrich Quehl vom Kfz-Kommissariat (r.) und Zivilfahnder Tim Herbring mit den Beutestücken aus den Autoaufbrüchen.

Heinrich Quehl vom Kfz-Kommissariat (r.) und Zivilfahnder Tim Herbring mit den Beutestücken aus den Autoaufbrüchen.

Judith Michaelis

Heinrich Quehl vom Kfz-Kommissariat (r.) und Zivilfahnder Tim Herbring mit den Beutestücken aus den Autoaufbrüchen.

Düsseldorf. Auf dem Tisch im Konferenzraum der Polizeidienststelle an der Karl-Rudolf-Straße liegen zwei Porsche-Scheinwerfer, ein komplettes BMW-Lenkrad, jede Menge Navis, Steuereinheiten – daneben Werkzeug und Funkgeräte. Es sind Beute und Arbeitsutensilien einer Bande von Autoaufbrechern, welche die Polizei jetzt nach monatelanger Ermittlungsarbeit hochgenommen hat. Die Täter sind sehr jung, sehr gut ausgebildet, eiskalt im Umgang mit der Polizei. Jetzt sitzen sie hinter Gittern – und nach 20 Autoaufbrüchen binnen weniger Wochen im Linksrheinischen gibt es plötzlich nicht eine einzige Tat mehr.

Die Kriminellen waren in Zweiterteams unterwegs, ein 16- und ein 18-Jähriger sowie ein 17- und ein 21-Jähriger gemeinsam. Sie nutzten die Nacht sowie Fahrräder und waren somit schwierig zu verfolgen. Ihrer Beute entledigten sie sich nach den Taten rasch – legten so genannte „Erdbunker“ an. Doch am Ende half es nichts: Alle vier sitzen seit dieser Woche in Untersuchungshaft.

Seit Anfang September hatten sich speziell zwischen Nieder-, Oberkassel und Heerdt, aber auch im Norden der Stadt die Navi-Diebstähle aus Autos gehäuft. Mitte Oktober fanden Polizisten in Golzheim einen der Bunker mit Beute – und konnten zwei junge Männer beobachten, die sich ihm nähern wollten. Doch sie schienen die Ermittler förmlich zu riechen und zogen ab. Kurz darauf fand auch der Einsatztrupp der Inspektion Mitte im Linksrheinischen einen Beutebunker – und in der Nähe wurde das erste Team der Gruppe durch Zufall kontrolliert. Die Fahnder aus dem Norden erkannten die Männer als jenes Duo wieder, das in Golzheim getürmt war.

Einsatzkräfte und Hunde finden vier „Erdbunker“ mit Beutestücken

„Jetzt hatten wir zum ersten Mal Gesichter“, erklärt Zivilfahnder Tim Herbring vom Einsatztrupp Mitte. Es folgten Wochen, in denen die Polizei versuchte, den gewieften Verbrechern bei ihren Beutezügen auf den Fersen zu bleiben. Eine „sehr anspruchsvolle und schwierige Observation“ sei es gewesen, betont Herbring. Sie führte zunächst zum zweiten Team der Bande – und schließlich dazu, dass der 16- und der 18-Jährige mit einem gestohlenen Navi erwischt wurden. Am Tag danach wurde auch das zweite Team festgenommen. Einsatzkräfte und Diensthunde durchkämmten mehrere Stadtteile links des Rheins und spürten dort insgesamt vier Erdbunker auf.

Der Schaden, den die Diebe angerichtet haben, dürfte deutlich sechsstellig sein. Sie selbst aber, so erklärt Heinrich Quehl vom Kfz-Kommissariat, haben wohl kleine Beträge für ihre Beute erhalten; waren sie doch nur die „Sammler“, die von den Drahtziehern aus ihrer Heimat Litauen – alle vier Männer kommen aus einer Stadt – für den Einsatz fit gemacht und dann nach Düsseldorf geschickt wurden.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die erfolgreiche Arbeit des Kfz-Kommissariats. 2007 hatte es noch über 12 000 Diebstähle aus Autos gegeben – nur drei Prozent der Taten waren aufgeklärt worden. Ende 2016 liege der Stand bei knapp 5000 Taten, die Aufklärungsquote stieg auf sieben Prozent.

© WhatsBroadcast

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