Der Markt in Europa schwächelt, der VW-Crafter läuft aus, doch Daimler setzt auf den Standort.

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Monteure schrauben im Mercedes-Werk an einem Sprinter. 725 Wagen laufen zurzeit täglich vom Band.

Monteure schrauben im Mercedes-Werk an einem Sprinter. 725 Wagen laufen zurzeit täglich vom Band.

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Monteure schrauben im Mercedes-Werk an einem Sprinter. 725 Wagen laufen zurzeit täglich vom Band.

Düsseldorf. Der Absatzmarkt für den Sprinter in Europa, insbesondere Südeuropa schwächelt. Martin Kelterer, Chef des Düsseldorfer Mercedes-Werks, sprach am Donnerstag während eines Bilanzgesprächs am Derendorfer Standort von einem Rückgang in Höhe von fünf Prozent. Gleichzeitig steigen die Absatzzahlen des Multifahrzeugs in Lateinamerika. „Das ist ein sensationeller Markt“, schwärmte Kelterer. Signale für das Düsseldorfer Werk als Auslaufmodell?

„Wir müssen hinaus in die Märkte“, erklärte Kelterer. „Wir dürfen aber nicht den Fehler machen und Europa für tot erklären.“ Hier habe Mercedes die Wurzeln – und auch Zukunft, „vielleicht sogar in NRW“, sagte der Mercedes-Chef und sprach dabei insbesondere von Know-how. Unter anderem Steuerung, Beratung und die Ideengebung seien jene Bereiche, die auch morgen aus dem heutigen „Leitwerk“ im Produktionsverbund nicht wegzudenken seien.

Eine Gefahr für die Auslastung des größten Transporterwerks der Daimler AG sehe er auch nicht durch den Wegfall der Fertigung des VW Crafter Ende 2016. „Wir glauben, dass wir die Auslastung unserer Werke auch ohne VW hinkriegen.“ Zudem verhandele Daimler mit anderen Herstellern über künftige Kooperationen. „Wir führen mit Renault Gespräche, wir führen aber auch mit vielen anderen Gespräche.“ Erste Kooperationspläne zur Herstellung eines gemeinsamen Fahrzeugs mit Renault waren im Frühjahr bekanntgeworden.

Die Produktion kann in diesem Jahr sogar noch gesteigert werden

Zurzeit deuten auch die aktuellen Produktionszahlen keine negative Entwicklung im Sprinter-Werk an. Im Gegenteil: Insbesondere im November sei „gepowert“ worden, sagte Kelterer. 725 Sprinter seien täglich vom Band gelaufen, eine Spitzenauslastung, die nur durch Verlängerung von Schichten erreicht worden sei. „Das ist auszubauen in den kommenden Jahren“, meinte der Werkschef auch mit Blick auf den neuen Sprinter, der im Juli im Düsseldorfer Werk zum ersten Mal vom Band lief. Die Weiterentwicklung des Transporters beschere volle Auftragsbücher. „Die Düsseldorfer Mannschaft meistert das hohe Produktionsprogramm sehr gut und wir blicken zuversichtlich in das neue Jahr.“

149 000 Fahrzeuge hatten im vergangenen Jahr das Werk verlassen, etwas mehr werden es nach Schätzungen von Kelterer in diesem Jahr sein. 6500 Menschen sind zurzeit beim größten Düsseldorfer Arbeitgeber beschäftigt.

Im Düsseldorfer Werk läuft zurzeit ein Projekt zur papierlosen Produktion in der Cockpit-Vormontage. Bislang erfahren Arbeiter ihre Arbeitsschritte per Anweisung über Papier. Mit einem Stempel müssen sie jeden Schritt als erledigt dokumentieren. Berge von Papier müssen sortiert und zehn Jahre aufbewahrt werden, um nachvollziehen zu können, wer wann welche Schraube festgezogen hat.

Künftig laufen die Anweisungen über einen Bildschirm. Dort können die Mitarbeiter dann auch per „digitalem Kugelschreiber“ ihren Arbeitsschritt als erledigt eingeben. Rückschlüsse auf das persönliche Arbeitspensum seien nicht möglich.

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