Häufig müssen die Aufbauten erst abgeschraubt werden, damit „Big Willi“ sie transportieren kann.

Häufig müssen die Aufbauten erst abgeschraubt werden, damit „Big Willi“ sie transportieren kann.
Die 36 Tonnen schwere Yacht Sunseeker wird von „Big Willi“ auf den Schwertransporter gehievt. Der rollt nur noch wenige Meter weiter, dann steht das Boot in der Halle.

Die 36 Tonnen schwere Yacht Sunseeker wird von „Big Willi“ auf den Schwertransporter gehievt. Der rollt nur noch wenige Meter weiter, dann steht das Boot in der Halle.

Melanie Zanin

Die 36 Tonnen schwere Yacht Sunseeker wird von „Big Willi“ auf den Schwertransporter gehievt. Der rollt nur noch wenige Meter weiter, dann steht das Boot in der Halle.

Düsseldorf. Für den 84 Tonnen schweren fahrbaren Kran Big Willi ist es kein Problem, die großen Yachten aus dem kalten Wasser des Rheins zu holen. Insgesamt 25 Boote muss der bekannte Schiffslift mit seinen starken Armen für die boot Düsseldorf vom Rhein auf den Tieflader hieven. An diesem Morgen ist es eine 36 Tonnen schwere Sunseeker, knapp 22 Meter lang und fünf Meter breit, die Zentimeter um Zentimeter aus dem Wasser in die Höhe gehoben wird. Es ist vier Grad kalt, windig und bewölkt.

Denis Gerlach, verantwortlicher Niederlassungsleiter der Spedition Kühne & Nagel, ist dennoch sehr zufrieden mit dem Wetter: „Sonst haben wir meist mit Regen-, Schnee- und Graupelschauern zu kämpfen und wenn die betonierte Rampe vereist ist, kann der Kran nicht problemlos ins Wasser rollen, dann müssen wir mit einem Brenner zunächst die Rampe vom Eis befreien.“

Der fast 40 Jahre alte Big Willi hebt alle Boote bis zu einem Gewicht von 100 Tonnen, bis zu 5000 Euro kostet die Verkranung pro Boot. Sieben große Luxusyachten von Sunseeker, Princess und Drettmann, die jeweils mehr als 100 Tonnen wiegen, reisen gemeinsam auf einem riesigen Ponton von Rotterdam bis nach Düsseldorf und werden an der Natorampe angeliefert. Etwa eine Stunde dauert es an diesem Morgen, bis die schnittige Sunseeker endlich auf dem Tieflader steht. Bis zu 60 km/h schnell kann die millionenteure Luxusyacht im Wasser sein, deutlich langsamer geht es jetzt für sie auf dem Tieflader vom Rheinufer auf das gegenüber liegende Messegelände.

Norbert Pilarski lenkt seit 24 Jahren als Fahrer den großen Spezialkran: „Das Auskranen ist und bleibt spannend, auch nach all den Jahren.“ Immer wieder sehen sich die versierten Fachleute mit neuen Problemen konfrontiert: So bereiten Pilarski und seinem Team in diesem Jahr die immer höher werdenden Aufbauten auf den Yachten zusätzliche Arbeit: „Die Radartürme sind teilweise über zehn Meter hoch und da der Kran nur maximal 6,48 Meter Höhe aufnehmen kann, müssen die Aufbauten erst runter. Das kann den Zeitplan etwas durcheinander bringen.“

Vor Jahren krachte eine Yacht aus zwei Metern auf den Boden

Das bislang schlimmste Unglück beim Auskranen ereignete sich 1999, als die 18-Millionen-Yacht Golden Eye aus zwei Metern Höhe auf den Boden krachte. „Der Bug des Schiffes rammte sich tief in den Fahrradweg, nachdem ein Kranseil gerissen war.“

Die Unglücksbilanz 2016 ist da vergleichsweise eher harmlos: „Nur Big Willi selbst fiel für kurze Zeit aus“, gesteht Pilarski. Die Hydraulik blockierte wegen eines Elektronik-Problems.“

Obwohl die boot ihre Pforten erst in vier Tagen öffnet, steht schon fest, dass eine der großen Yachten erst in Düsseldorf eintreffen wird, wenn die Messe längst begonnen hat: „Sie konnte nicht rechtzeitig fertig gebaut werden.“ In der Messehalle kann der Nachzügler dann keinen Platz mehr finden: Für solche Fälle hat die Messe vorgesorgt und Außenplätze zur Präsentation auf dem Gelände reserviert.

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