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Ein Kommentar von Sema Kouschkerian.

Ein Kommentar von Sema Kouschkerian.

Arend, Stefan (sta)

Ein Kommentar von Sema Kouschkerian.

Die Stadt zahlt 23 Millionen Euro jährlich für die Oper, zwölf Millionen für das Schauspielhaus. Den Chefs privatwirtschaftlicher Theater wird angesichts solcher Subventionen schwindelig. Beim Theatergipfel der WZ kritisieren die Direktoren von sechs Spielstätten die für sie undurchsichtige Vergabe der städtischen Zuschüsse und reihen sich damit in die große Gruppe derjenigen ein, die das Kulturleben in Düsseldorf zwar maßgeblich mitgestalten, ihr Mitspracherecht jedoch stark eingeschränkt sehen. Ob Proberaum suchende Musiker, junge Künstler ohne Atelier oder bürgerliche Theatermacher – so unterschiedlich ihre Arbeit auch sein mag: Sie eint der Vorwurf, in Kulturdezernat und Kulturausschuss dominiere ein konservativer Kulturbegriff. Und wer einmal erlebt hat, wie Anfragen aus der bunten alternativen Szene oder der Boulevard-Sparte abgebügelt werden, wird ihnen Recht geben.

Dabei hat ausgerechnet die Rathausspitze vorgemacht, wie gut sie es versteht, sich die Argumentation um öffentliche Gelder nach ihrer Facon zurechtzubiegen: Bereitwillig wurden Hochkultur und leichte Muse auf eine Bedeutungsebene gehoben, als es darum ging, den jährlichen Millionen-Zuschuss für die Arena zu rechtfertigen. Damals argumentierte Oberbürgermeister Dirk Elbers, schließlich gebe man ja auch ‘zig Millionen für die Oper aus. Beide Einrichtungen, so der OB, würden von Menschen besucht, die sich unterhalten lassen wollen.

Es ist das Nebeneinander der unterschiedlichen Angebote, die den Reichtum eines städtischen Kulturlebens ausmachen. Dazu gehört das kleine Stadtteiltheater, aber unbedingt auch Oper und Schauspielhaus. Denn natürlich muss es ehrgeizige Produktionen geben, deren Wirkung über ein kurzweiliges „Das war jetzt aber ein netter Abend“ hinausreichen. Inszenierungen, die nicht nur das persönliche Alltagserleben hätscheln, sondern neue Welten eröffnen, für die es sich lohnt, seinen Geist anzustrengen. Ballettchef Martin Schläpfer und Schauspielhaus-Regisseur Falk Richter sind darin spitze, ihre Arbeit jeden städtischen Cent wert.

Die Notwendigkeit solcher Formen stellen die Chefs der privaten Theater bei aller Unzufriedenheit nicht in Frage. Zu Recht jedoch empören sie sich darüber, dass die Kulturmanager der Stadt vor lauter Begeisterung über so viel Niveau der freien Szene die kalte Schulter zeigen und ihre Arbeit nicht wertschätzen. Die privaten Theater, deren Besucher zur Hälfte aus der ganzen Region oder, wie im Fall des Kom(m)ödchens, aus ganz Deutschland kommen, sind wichtige und vor allem dauerhafte Werbeträger für die Stadt. Der ESC war eine Eintagsfliege, wurde jedoch gefeiert, als sei’s die größte Errungenschaft seit Verleihung der Stadtrechte. Höchste Zeit, dass solche Unverhältnismäßigkeiten zurecht gerückt werden.

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