Auf der Messe für Modellspielzeug wird geschätzt und gefeilscht, gestaunt und geredet und manchmal auch gespielt.

Auf der Messe für Modellspielzeug wird geschätzt und gefeilscht, gestaunt und geredet und manchmal auch gespielt.
Marcel und sein Vater Bernhard Düllberg sind auf der Suche nach Modellautos.

Marcel und sein Vater Bernhard Düllberg sind auf der Suche nach Modellautos.

Melanie Zanin

Marcel und sein Vater Bernhard Düllberg sind auf der Suche nach Modellautos.

Düsseldorf-Vennhausen. Nostalgie, Leidenschaft und ein bisschen Geschäftssinn. Das ist die Mischung, die viele Besucher am Sonntag auf die Messe für Modelspielzeug im Boston Club in Vennhausen getrieben hat. Der durchschnittliche Besucher gehörte vermutlich schon zur Zielgruppe der Spielzeugfabrikanten, als die alten Schätzchen vor 40, 50 oder 60 Jahren auf den Markt gekommen sind, die jetzt zum Teil zu einem Vielfachen des ursprünglichen Preises angeboten werden.

Als Händler ist Udo Knoll Stammgast auf solchen Messen. Der 71-Jährige betreibt seit 1972 sein Spielzeuggeschäft auf der Roßstraße. Viel Umsatz macht er im Laden selbst nicht mehr, dafür fährt er zu Börsen, den Internethandel meidet er. „Da kann man die Sachen nicht anfassen und muss darauf vertrauen, dass die sie wirklich in dem beschriebenen Zustand sind. Außerdem fehlt das persönliche Gespräch.“ Denn Knoll ist nicht nur Händler, sondern selbst leidenschaftlicher Sammler. „Auf 20 Quadratmetern habe ich Zuhause eine riesige Spielzeugsammlung.“

Die ist unverkäuflich, wird aber von Zeit zu Zeit erweitert. Um dieses Hobby auch gewerblich zu betreiben, gehöre aber „sehr, sehr viel Herzblut.“ Auf den Märkten verkauft er nicht nur. Wer möchte, kann seine Autos und Loks bei ihm schätzen lassen – auch wenn manche danach enttäuscht sind. „Oh, der ist aber schon stark bespielt“, sagt Knoll, als er sich das kleine rote Spielzeugauto eines Kunden ansieht, „dafür bekommen sie noch 70 bis 90 Euro.“ 300 Mark hat der Mann dafür einmal gezahlt. „Das war zu viel. Unbespielt und im Originalkarton gäbe es dafür aber 250 Euro.“

Trotz Nostalgie-Faktor gehen die Besucherzahlen stetig zurück

Je besser der Zustand und je vollständiger die Verpackung, desto seltener und wertvoller das Auto oder der Zug. Knoll hat sogar alte Porsche-Modelle, in denen noch originalverpackt die Pralinen liegen, die darin verkauft wurden. „Mancher Karton kostet mehr als der eigentliche Inhalt“, erklärt Knoll. Organisiert wird der Markt von der Firma Adler, die seit 35 Jahren solche Börsen in ganz NRW auf die Beine stellt. „Ende der 80er Jahre waren die Märkte noch ein Selbstläufer. Da haben sich erwachsene Männer das Spielzeug gekauft, das sie als Kinder immer haben wollten, aber nie bekommen haben“, sagt Geschäftsführer Jürgen Hörner.

Seit vielen Jahren gehen die Besucherzahlen aber zurück, erklärt er. Rund 250 Menschen kommen regelmäßig in den Boston Club, um die Ware von 30 Händlern auf gut 450 Quadratmetern Fläche zu begutachten. Nicht nur Altes wird dabei unter die Lupe genommen, auch neue oder neuwertige Spielsachen, vor allem Modelleisenbahnen werden gehandelt. Ihre Funktion kann direkt vor Ort auf einer kleinen „Teststrecke“ überprüft werden.

Die Auswahl ist groß und trotzdem suchen manche nach der einen Lok, dem einen Auto oder dem einen Karton jahrelang auf verschiedenen Märkten, weiß Hörner. „Vorhin erst hat jemand eine Märklin-Eisenbahn aus den 30er Jahren gekauft, die er schon ewig gesucht hatte. Solche Leute sind dann auch bereit, dafür 700 Euro auszugeben.“

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