Nicht nur die Menschen leiden unter der Krise – soziale Institutionen in Düsseldorf spüren, dass weniger gespendet wird.

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Für die krebskranke Vera gingen nur rund 2000 Euro Spenden ein.

Für die krebskranke Vera gingen nur rund 2000 Euro Spenden ein.

Judith Michaelis

Für die krebskranke Vera gingen nur rund 2000 Euro Spenden ein.

Düsseldorf. Weihnachten ist nicht nur die Zeit der Besinnlichkeit, auch die Spendenbereitschaft der Menschen hat Saison. Doch drängt sich diesmal ein Thema in den Mittelpunkt, das viele schon zu Beginn des Jahres am meisten beschäftigt hat: die Krise. Die bemerken nicht zuletzt die Organisationen, die auf Spenden angewiesen sind. Und obgleich viele Menschen in diesen Tagen ihr Weihnachtsgeld bekommen haben, rechnet in den sozialen Einrichtungen dieser Stadt niemand so recht mit einem Monat, in dem alle großzügig ihr Geld auf verschiedene Säckchen verteilen.

Eine dramatische Abnahme der Spendenbereitschaft verzeichnet etwa die Elterninitiative Kinderkrebsklinik. Selbst konkrete Spendenaufrufe für krebskranke Kinder haben zuletzt kaum Wirkung gezeigt. Für die Behandlung der 17-jährigen Vera aus der Ukraine, die an Leukämie leidet, würden zum Beispiel 200 000 Euro gebraucht, was auch öffentlich bekannt gegeben wurde. "Es sind aber nur rund 2000 Euro an Spenden bei uns eingegangen", sagt die Vereinsvorsitzende Ursula Zappey.

Glück im Unglück: Die ukrainische Regierung ist mit 160 000 Euro eingesprungen. Doch das allgemeine Spendenvolumen ist eingebrochen: "Wir spüren im Vergleich zum Vorjahr deutlich, dass die Menschen nicht mehr so viel Geld übrig haben." Der Verein brauche mindestens zwei Millionen Euro jährlich, um seine Arbeit in der Form leisten zu können wie bisher. Zappey hofft, dass das Geld auch künftig zusammenkommt, auch wenn die Tendenz in Sachen Spendenbereitschaft derzeit fallend ist.

"Die Situation ist dramatisch", sagt auch Hubert Ostendorf, Chef von Fifty-Fifty. Er kämpft mit einem starken Rückgang beim Kunstverkauf, der der Obdachlosenhilfe zugute kommt. "Die Menschen haben weniger und geben daher weniger aus", meint er. Gleichzeitig würden Spenden aber immer wichtiger, da soziale Einrichtungen Lücken kompensieren müssten, die der Staat durch Kürzungen hinterlasse.

Immer mehr Menschen sind auf Spenden angewiesen

"Soziale Institutionen sammeln in der Weihnachtszeit normalerweise 40 Prozent all ihrer Spenden", sagt Ostendorf. Doch er geht von einem Einbruch aus: "Im Jahr 2008 haben wir rund eine Million Euro Spenden gesammelt, bislang liegen wir noch deutlich darunter." Zwar hofft er auf die Wirkung des Weihnachtsbriefs, der an 12 000 Spender geschickt wird. "Aber ich gehe nicht davon aus, dass wir die Summe des Vorjahres wieder erreichen. Sie war 2008 auch schon um 15 Prozent geringer als 2007, und die Krise hat meiner Meinung nach ihren Höhepunkt noch nicht erreicht." Projekte wie Underdog oder die Unterstützung der Armenspeisung seien derzeit Sorgenkinder. "Was wir nicht einnehmen, können wir auch nicht ausgeben", so Ostendorf.

Die Diakonie bietet die Möglichkeit, Spenden zu verschenken. Das kann Reittherapie für ein krankes Kind oder ein Fußball für ein Heim sein.

Ein immer kleiner werdender Kuchen verteile sich auf immer mehr Menschen. Er glaubt, dass weniger gespendet werde, gleichzeitig aber mehr Menschen auf Hilfe angewiesen seien. Dadurch werde die Problematik rückläufiger Volumina noch verstärkt.

Doch die Spendierhosen wurden anscheinend noch nicht überall ausgezogen. Die kirchennahe Caritas sieht ihre Projekte, deren Finanzierung von Spenden abhängig ist, jedenfalls noch nicht in Gefahr. "Das Konsumverhalten ist zwar insgesamt rückläufig, aber wir merken davon zum Glück noch nichts", sagt Sprecherin Cordula Spangenberg. Viele Menschen würden projekt- und zweckgebunden Geld geben und dies auch regelmäßig tun. "Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich die Menschen für ein Projekt entscheiden und dann auch langfristig dahinter stehen."

Auch die noch junge Bürgerstiftung macht sich keine akuten Sorgen. "Wir haben sogar schon jetzt mehr Spenden eingenommen als im gesamten letzten Jahr", sagt Britta Schröder.

Das allerdings dürfte ein schwacher Trost für Menschen wie Zappey und Ostendorf sein. Denn ihr Stück vom Kuchen ist in diesem Jahr deutlich geschrumpft. Sie hoffen nun, dass vielleicht doch noch manchem auffällt, dass "etwas" immer noch mehr ist als "nichts".

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