Spaziergänger im Flughafen werden häufiger kontrolliert.

Die Polizei kämpft gegen Gepäckdiebe am Flughafen

Nanninga, Bernd (bn)

Düsseldorf. Altan Ari ist am Flughafen spazieren gegangen – das ist heutzutage hochverdächtig. Diesen Eindruck zumindest hat der Mann gewonnen, als er dort jetzt durch das Terminal streifte und auf einen Bekannten wartete, mit dem er sich treffen wollte. Gleich zwei Mal innerhalb kürzester Zeit wurden seine Personalien kontrolliert – ein Mal von der Landes- und ein Mal von der Bundespolizei. „Mir wurde gesagt, dass die Koffer- und Taschendiebstähle drastisch zugenommen hätten“, sagt Ari.

„Wir haben immer Probleme mit Dieben am Flughafen“, bestätigt Polizeisprecherin Susanna Heusgen. „Die Fallzahlen bewegen sich auf einem hohen Niveau.“ 2011 gab es allein am Flughafen 900 Diebstahlsfälle, im vergangenen Jahr sogar 1000. Aus Flughafenkreisen heißt es nun zudem, dass es rund um die Osterfeiertage eine auffällige Häufung von Gepäck- und Taschendiebstählen gegeben habe. Die Täter wollten offenbar den Reiseverkehr in den Ferien nutzen, um Beute zu machen.

Dass ein scheinbar ziellos umherspazierender Mann wie Altan Ari gleich mehrfach kontrolliert ist, bewertet Susanna Heusgen als Erfolg: „Wenn jemand ziellos herumläuft, Menschen beobachtet, ist das auffällig für uns. Denn das ist der Modus Operandi der Täter.“ Sie spähen aus, bewegen sich viel durch das Terminal oder auch den Fernbahnhof, setzen sich neben Reisende, versuchen, Taschen zu sich heranzuziehen.

Die einzige Hoffnung, die Diebe zu fassen, ist für die Polizei, sie bei diesem Ausspähen oder auf frischer Tat zu erwischen. Denn der Täterkreis ist sehr international. Oft handelt es sich um Gruppen aus Osteuropa, Täter reisen aber auch aus Südamerika ein, erklärt Heusgen.

„Deshalb sind wir am Flughafen mit besonderen Einsatzkonzepten unterwegs“, sagt die Polizeisprecherin. Besonders Zivilteams werden zur unauffälligen Beobachtung der Menschenströme eingesetzt. „Unsere Kooperation mit Flughafen und Bundespolizei ist sehr gut“, so Heusgen.

Aufmerksam sein

Der einfachste und wirkungsvollste Tipp ist natürlich, das eigene Gepäck stets im Auge zu haben. Auch Taschen, die in der Ablage des Gepäcktrolleys liegen, werden von Dieben unbemerkt entwendet. Gefährlich ist es auch, Gepäck neben sich auf einer Bank abzustellen.


Skeptisch bleiben

Skepsis im Zusammenhang mit Taschendieben ist immer geboten. Wenn plötzlich Gedränge auf einer Rolltreppe entsteht, kann das die Ablenkungsmasche einer Diebesbande sein. Auch Fragen nach dem Weg etc. benutzen Täter, um Komplizen den Weg zur Tasche eines Opfers zu ebnen.


Auf andere achten

Laut Bundespolizei gibt es gerade am Hauptbahnhof und am Flughafen oft Reisende aus Ländern, in denen die Diebstahlsproblematik weniger stark ausgeprägt ist. Deutsche Reisende sollten auch diese im Zweifelsfall ansprechen und dazu anhalten, gut auf ihr Gepäck zu achten.
 

So gelangen der Polizei in der jüngeren Vergangenheit etliche Festnahmen am Airport. Mitte März erregte ein 17-Jähriger den Verdacht von Zivilpolizisten, weil er sich offensichtlich für das Gepäck von Fluggästen in Terminal B interessierte. Als er sich neben einen 61-Jährigen setzte und versuchte, dessen Handgepäck zu sich heranzuziehen, schlugen die Beamten zu und nahmen den bereits wegen ähnlicher Taten bekannten Dieb fest.

Zuvor konnte ein 41-Jähriger gefasst werden, der eine Frau mit der Frage nach Feuer ablenkte und ihren Trolley stahl. Ende Februar wurde ein wohnungsloser 17-Jähriger auf frischer Tat von Zivilkräften ertappt und auf der Flucht gestellt. Im Januar fassten Beamte ein Duo (18 und 31 Jahre), nachdem dies einer Frau die Handtasche mit 4000 Euro Bargeld gestohlen hatt, und zwei weitere Männer (39 und 40 Jahre), die einem Reisenden aus Dubai die Aktentasche gestohlen hatten.

„Wir hoffen“, sagt Polizeisprecherin Heusgen, „dass diese Festnahmen andere Täter abschrecken.“ Die Botschaft ist klar: Auch im Gewühl am Flughafen sollen sich Straftäter nicht sicher fühlen können.

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