Das Justizministerium startet eine Kampagne zur Aufklärung: Man sollte sein Glas immer im Auge behalten.

K.-o.-Tropfen sind farb- und geruchslos und betäuben ihre Opfer.
K.-o.-Tropfen sind farb- und geruchslos und betäuben ihre Opfer.

K.-o.-Tropfen sind farb- und geruchslos und betäuben ihre Opfer.

dpa

K.-o.-Tropfen sind farb- und geruchslos und betäuben ihre Opfer.

Düsseldorf. Musik dröhnt aus den Boxen. Es ist Samstagnacht. Unbewacht stehen drei Gläser Sekt auf einem Tisch im Kuhstall an der Bolkerstraße. Ihre Besitzerinnen tanzen gerade: "Ich habe gerade keine Hand frei," ruft Sarah (19), Lisa (18) sagt: "Aber wir gucken öfter zu unserem Tisch ’rüber." Überall an der Partymeile Bolkerstraße das gleiche Bild: im Oberbayern, Peter Pam, Ballermann 6. Unbewacht? Das kann auch gefährlich werden: Immer wieder werden K.-o.-Tropfen in unbeobachtete Getränke geträufelt, um Opfer willenlos zu machen.

Tückisch: Die Tropfen sind farb- und geruchslos. Sie schmecken leicht salzig oder seifig, können allerdings in Getränken nur sehr schwer herausgeschmeckt werden. "Außerdem kann die Droge lediglich eine kurze Zeitspanne von etwa zwölf Stunden im Blut nachgewiesen werden", erklärt Susanna Heusgen, Sprecherin der Düsseldorfer Polizei. Die körperlichen Auswirkungen der Tropfen sind denen von Alkohol ähnlich. Heusgen: "Black-Out, Schwindel, Übelkeit, Filmriss oder ein Gefühl wie von Watte umgeben, eine Art Dämmerzustand - das alles kann auf K.O.-Tropfen hinweisen."

Die Auswirkungen gehen aber noch weiter: "Es ist schlimm für die betroffenen Frauen, wenn sie sich nicht genau erinnern können, was passiert ist", sagt Etta Hallenga von der Düsseldorfer Frauenberatungsstelle. Besonders wenn die K.-o.-Tropfen in Zusammenhang mit Vergewaltigung stehen. "In solchen Fällen sind der Fantasie Tür und Tor geöffnet, die Opfer malen sich das Schlimmste aus."

Sie arbeitet seit 18 Jahren bei der Frauenberatungsstelle und kennt viele Beispiele. Hallenga spricht von etwa 20 Verdachtsfällen im Jahr, wobei die Dunkelziffer höher sein dürfte. "Denn hier spielt Scham eine große Rolle, die Frauen können nicht rekonstruieren, was passiert ist", sagt Hallenga. "Sie warten lieber ab, hoffen auf eine Erinnerung, anstatt möglichst schnell Polizei, Arzt oder Frauenberatungsstelle aufzusuchen."

Zusammen kommen und gehen - aufeinander achten kann schützen

Das ist auch deswegen so, weil die Problematik vielfach noch unbekannt ist. Hallenga klärt seit langem bei Vorträgen auf, weist auf das Faltblatt des Justizministeriums NRW hin: "Lass Dich nicht K.-o.-Tropfen!". Beim Weggehen und Feiern, aber auch bei Privatpartys können Frauen ein paar Verhaltensregeln beachten, um sich zu schützen: "Zusammen kommen und zusammen gehen: Wer aufeinander aufpasst, ist auf der sicheren Seite", sagt Hallenga.

Als K.-o.-Tropfen gelten beispielsweise GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) oder GBL (Gamma-Butyrolacton). Der Besitz von GHB ist verboten. Der Verkauf von GBL an Privatleute unterliegt erheblichen Beschränkungen.

Am Donnerstag stellt das Justizministerium NRW eine Aufklärungskampagne vor. Der Dehoga verteilt 100.000 Bierdeckel mit dem Aufdruck "Lass Dich nicht K.-o.-Tropfen!" in den Gaststätten.

Mitte Januar haben mehr als 1500 Polizisten unter Federführung der Staatsanwaltschaft Nürnberg/Fürth 342 Wohnungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Slowenien nach GBL durchsucht. In Deutschland fanden sie 139 Liter GBL, in Düsseldorf wurden fünf Liter sichergestellt.

Außerdem sollte man seine Getränke nicht aus den Augen lassen. Wenn sich jemand auffällig benimmt, sollte man nachfragen. Misstrauen ist angebracht, vermeintlich freundliche Helfer könnten Täter sein. "Man kann sich ruhig etwas ausgeben lassen, aber dann sollte man zusammen zur Bar gehen und bestellen", empfiehlt auch Heusgen.

Das Krisentelefon der Frauenberatungsstelle ist täglich von 10 bis 22 Uhr unter der Rufnummer 0211/686854 erreichbar.

 

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