Erste Anklage in der Bordell-Affäre: Wie Monder T. und seine Komplizen die Freier betäubt und Konten abgeräumt haben sollen.

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Das ehemalige „La Viva“ an der Worringer Straße steht leer.

Das ehemalige „La Viva“ an der Worringer Straße steht leer.

David Young

Das ehemalige „La Viva“ an der Worringer Straße steht leer.

Düsseldorf. Seit November sitzt Monder T., ehemaliger Geschäftsführer des Erotik-Clubs „La Viva“ an der Worringer Straße, auf der Anklagebank. Ursprünglich ging es nur darum, dass der 29-Jährige in dem Bordell Kokain an die Freier verkauft haben soll.

Doch im Laufe des Verfahrens stellte sich heraus, dass Rauschgift auch eine Rolle bei den Cocktails gespielt haben soll, mit denen Gäste angeblich betäubt und um viel Geld betrogen worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft legte am Dienstag eine 310 Seiten lange Anklageschrift vor. Darin werden erstmals Details genannt, wie Monder T. und seine Komplizen die Opfer ausgeraubt haben sollen.

Drahtzieher sei Thomas M. gewesen, dem auch die Betriebe an der Rethelstraße gehörten. Er habe an der „Spitze der Organisation“ gestanden, die sich Ende 2007 zu einer Bande zusammengeschlossen habe.

Monder T. habe dazugehört. Von Anfang an sei es Ziel gewesen, Gäste durch Rauschgift und Medikamente in den „Zustand der Willenlosigkeit“ zu versetzen, um dann mit Kredit- und EC-Karten Geld abzuheben. Teilweise mussten die angeschlagenen Opfer auch Schuldscheine unterschreiben.

Der 29-Jährige soll an acht Fällen beteiligt gewesen sein. So suchte am 17. Dezember 2011 ein Professor (71) aus Skandinavien im Club Zerstreuung. Ihm soll ein Mix aus Kokain, Alkohol, Schmerz- und Beruhigungsmitteln verabreicht worden. Während der Professor schlief, wurden mit seiner Kreditkarte 4500 Euro vom Konto abgebucht.

Britischer Geschäftsmann verlor mehr als 23 000 Euro

Bei einer Großrazzia in fünf Bordellbetrieben an der Rethelstraße und an der Worringer Straße werden elf Verdächtige festgenommen, darunter Thomas M., Monder T. und Bert Wollersheim. Zunächst geht die Staatsanwaltschaft von 17 Fällen aus, in denen Freier betäubt und ausgeraubt wurden. Die Clubs werden geschlossen.

Nach und nach melden sich immer mehr mutmaßliche Opfer der Rotlicht-Mafia. Inzwischen gehen die Ermittler von mindestens 50 Fällen aus.

Nach Haftbeschwerden werden die Verdächtigen nach und nach auf freien Fuß gesetzt. Auch Berti Wollersheim, der von Zeugen entlastet worden ist. Er soll nicht mehr dringend tatverdächtig sein. Aber er und Thomas M. dürfen ihr Gewerbe nicht mehr betreiben.

Das Oberlandesgericht erlässt auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft erneut Haftbefehl gegen Thomas M, weil Fluchtgefahr bestehe.

Ebenfalls im Dezember vor zwei Jahren wurden einem britischen Geschäftsmann nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft K.o.-Tropfen ins Glas gemischt. Er hatte in seiner Geldbörse auch einen Zettel mit den Pin-Nummern zu seinen Konten. 22 600 Euro und 700 Euro Bargeld soll die Bande erbeutet haben. Der Brite, der unter Schüttelkrämpfen litt und sich übergeben musste, unterschrieb auch noch einen Schuldschein über 5000 Euro, als er morgens das Bordell verließ.

Die anderen Fälle liefen ähnlich ab. Hatten die Kunden kein Bargeld mehr, fuhren die Prostitierten mit ihnen zur nächsten Bank. Die Liebesdamen sollen gewusst haben, was mit den Freiern passiert. „Mercedes“, „Sanella“ oder „Natalie“ waren angeblich mit 50 Prozent an dem Geschäft beteiligt. Monder T. soll zehn Prozent des Gesamtumsatzes bekommen haben.

Am 20. Februar wird ein namhafter Professor als Zeuge die Wechselwirkung zwischen Kokain und den anderen chemischen Substanzen erklären.

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