Initiative Pro Gaslicht bekommt Oberwasser, die Politik will die Bürger entscheiden lassen.

wza_1500x1000_786168.jpeg
Bis 2015 sollen 1.400 der insgesamt gut 16.000 Gaslaternen von Stromleuchten ersetzt werden. (Archiv

Bis 2015 sollen 1.400 der insgesamt gut 16.000 Gaslaternen von Stromleuchten ersetzt werden. (Archiv

Arend

Bis 2015 sollen 1.400 der insgesamt gut 16.000 Gaslaternen von Stromleuchten ersetzt werden. (Archiv

Düsseldorf. 1.400 Gasleuchten sollen bis 2015 vor allem an Hauptverkehrsstraßen und in Gewerbegebieten von elektrischen Natriumdampf-Lampen ersetzt werden, Kosten: 5,6 Millionen Euro. Das wird der Stadtrat wohl am Donnerstag im Grundsatz entscheiden. Offenbar heißt das aber nicht zwingend, dass an den 63 vorgesehenen Straßen die historischen Laternen tatsächlich verschwinden.

Denn die Politik scheint plötzlich kalte Füße zu bekommen. Nach den Grünen fordert nun auch FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus, die Bürger bei der Entscheidung viel mehr einzubinden: "Das muss vor Ort im Einzelfall entschieden werden", sagt er, "wir können nicht vom Rathaus aus bestimmen, welches Licht die Anlieger in Benrath oder Grafenberg haben wollen", sagt er.

Hintergrund: Viele Bürger könnten dann Sturm laufen, wenn bei ihnen plötzlich die funktionstüchtigen Gaslaternen abmontiert, durch Stromleuchten ersetzt werden und sie dafür auch noch bezahlen müssen. Denn Anlieger müssen in Wohnstraßen 50 Prozent der Umrüstungskosten von mindestens 4.000 Euro pro Laterne tragen (siehe Kasten). Laut Stadt sollen das in der Regel keine 500 Euro sein, die Gaslicht-Befürworter indes halten das für untertrieben.

Gaslicht-Verteidiger wollen notfalls ein Bürgerbegehren starten

Sie breiteten am Freitag noch einmal alle Argumente für den Erhalt der Gaslaternen aus. In keiner Stadt der Welt prägten die Lampen mit dem warmen Licht so sehr das Stadtbild, gar ein "Weltkulturerbe" sieht der Industriehistoriker Horst A. Wessel von "Pro Gaslicht" in Gefahr. Dessen Vorsitzender Georg Schumacher verweist vor allem aufs Geld: "Ein Austausch ist reine Verschwendung, ein Fall für den Bund der Steuerzahler." Die Stromlampen amortisierten sich auch auf lange Sicht nicht, glaubt er.

Und während die Stadt auf die fast 50-fach höhere Effizienz der Stromlampen verweist, sehen Umweltaktivisten den ökologischen Vorteil nur als marginal an: "Wir sollten die Laterne im Dorf lassen", sagt Dirk Jansen vom Klimabündnis "Astrhein": "Natürlich sind Stromlampen viel klimafreundlicher als Gas. Aber wir haben einen CO2-Ausstoß von 5,7 Millionen Tonnen in der Stadt, davon machen die Gaslaternen keine 0,3 Prozent aus."

Stimmen Sie ab! Sind Sie für den Erhalt der Gaslaternen? Sagen Sie Ihre Meinung unter www.wz-duesseldorf.de

Das Kommunalabgabengesetz sieht eine Beitragspflicht der Anlieger bei der Sanierung der Gasleuchten vor: Je nach Straßenkategorie sind das 10, 30 oder 50% (Wohnstraße) der Kosten.

Und was passiert, wenn die Stadt die Umrüstung doch voll durchzieht? "Dann werden wir wohl ein Bürgerbegehren initiieren", sagt Schumacher.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer