Die Aufgabe Inklusion ist ungleich verteilt. Einzelne Schulen sind überlastet, es gibt Kritik am System.

Eine Inklusionsklasse an der Bernburger Straße in Eller: Förderlehrer Sakaria Benamar mit Angelina und Kevin.
Eine Inklusionsklasse an der Bernburger Straße in Eller: Förderlehrer Sakaria Benamar mit Angelina und Kevin.

Eine Inklusionsklasse an der Bernburger Straße in Eller: Förderlehrer Sakaria Benamar mit Angelina und Kevin.

Melanie Zanin

Eine Inklusionsklasse an der Bernburger Straße in Eller: Förderlehrer Sakaria Benamar mit Angelina und Kevin.

Düsseldorf. Es war in einer der letzten Sitzungen des Schulausschusses, als CDU-Mann Pavle Madzirov ein Loblied auf die Hauptschulen anstimmte: „Es ist toll, was dort für die Inklusion geleistet wird“, sagte er auch mit Blick auf die Zahlen fürs kommende Schuljahr. Denn tatsächlich findet Inklusion vor allem dort statt, rund 20 Prozent der angemeldeten Kinder fürs kommende Schuljahr haben einen Förderbedarf. Ist die Hauptschule die neue Förderschule?

Die Inklusion hat auch in Düsseldorf eine starke Dynamik entwickelt. Immer mehr Eltern melden Kinder mit Behinderung, Entwicklungs- oder Lernproblemen an den Regelschulen an. Vor kurzem legte die Stadt ihre Schließungspläne für mehrere Förderschulen vor.

Thema des Tages: Schule im Wandel

Doch die Verteilung der Kinder verläuft einseitig. Laut ersten Zahlen nach dem Anmeldeverfahren für das kommende Schuljahr hatten sich an den Hauptschulen 238 Kinder angemeldet, davon 58 mit attestiertem Förderbedarf. Zum Vergleich: Die Gymnasien hatten 2043 Anmeldungen, darunter sechs Kinder mit Förderbedarf, die entsprechenden Zahlen der Realschulen: 1177 und 26.

An den Hauptschulen wird das Thema mit einem gewissen Sarkasmus kommentiert: „Inklusion kann man in einem mehrgliedrigen System gar nicht umsetzen“, sagt etwa Klaus-Peter Vogel, Leiter der Hauptschule Bernburger Straße und Sprecher der Schulform. Schon lange kämen Kinder mit Förderbedarf verstärkt an die Hauptschulen. Die Wahlfreiheit gebe es zwar auf dem Papier: „Aber wir sind die Schulform, die niemanden ablehnen kann.“

Viele Jahre Erfahrung mit Förderkindern hat auch die Hauptschule St. Benedikt in Stadtmitte, gilt als Vorzeigeschule. Leiterin Gabriele Westerwelle spricht von steigenden Zahlen an ihrer Schule. Dazu kämen Kinder, die Förderung brauchten, ohne dass dies offiziell attestiert sei. „Wenn der Anteil dieser Kinder die 50 Prozent übersteigt, funktioniert der Unterricht irgendwann nicht mehr.“

Westerwelle hält zwar wenig davon, lernbehinderte Schüler aufs Gymnasium zu schicken. Aber um Kinder mit dem Förderbedarf „soziale und emotionale Entwicklung“ könnten sich genauso gut Realschulen oder Gymnasien kümmern. Stattdessen habe sie eher das Gefühl: Die Förderschulen werden aufgelöst, die Hauptschulen nehmen die Kinder.

Zuweisung durchs Amt statt Wahlfreiheit für Eltern

Dafür hat Svenja Kruse-Glitza von der Elternschaft Düsseldorfer Schulen (EDS) zwar in gewisser Hinsicht Verständnis; die Hauptschulen hätten schließlich die meiste Erfahrung. Allerdings bemängelt sie, dass die Wahlfreiheit für die Eltern stark eingeschränkt sei: „Am Ende werden die Plätze oft vom Schulamt zugewiesen.“

Probleme sieht Svenja Kruse-Glitza nicht nur darin, dass die Gymnasien sich bislang „aus der Verantwortung stehlen“. Generell würden sich viele Schulen noch nicht der Inklusion stellen. Von der Schulverwaltung wünsche sich die EDS einen Inklusionsplan, der Ziele und einen Fahrplan formuliere.

Eine Frage, die Klaus-Peter Vogel angesichts der sinkenden Zahl von Hauptschulen stellt, könnte darin vielleicht auch beantwortet werden: „Wenn die Hauptschulen irgendwann nicht mehr da sind, wer übernimmt dann diese Aufgabe?“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer