Die Stadt pflegt 152 Mitgliedschaften – in manchen Vereinen ist sie gar mehrfach vertreten. Kosten: fast zwei Millionen Euro.

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Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht die zahlreichen Mitgliedschaften der Stadt kritisch.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht die zahlreichen Mitgliedschaften der Stadt kritisch.

Bernd Nanninga

Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht die zahlreichen Mitgliedschaften der Stadt kritisch.

Düsseldorf. In der Rangfolge der größten Klischees über Deutsche steht auf Platz sieben: "Deutsche sind Mitglieder in Vereinen" - das behauptet die Internetseite Rankaholics. Ob’s stimmt? Sicher ist, dass die Stadt kräftig mitmischt bei der Vereinsmeierei. In einer aktuellen Auflistung sind sage und schreibe 152 Vereins- und Verbandsmitgliedschaften verzeichnet - von A wie "Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren" bis W wie "World Union of Wholesale Markets" (Weltunion der Großmärkte). Die Mitgliedsbeiträge summieren sich auf immerhin 1,94 Millionen Euro jährlich.

Von Kleinsäuger-Arbeitsgruppe bis zur Sepp-Herberger-Stiftung

Darunter sind große Beträge, die zweifellos sinnvoll angelegt sind, etwa die 286 500 Euro für den Deutschen Städtetag. Aber auch Mitgliedschaften, die auf den ersten Blick kurios erscheinen - etwa in der Bundesarbeitsgruppe Kleinsäuger (90 Euro), im Fahrlehrerverband Nordrhein (132 Euro), bei den Freunden der Nationalmannschaft des DFB (200 Euro) oder bei der Sepp-Herberger-Stiftung (770 Euro). "Warum muss die Stadt da drin sein", fragt sich FDP-Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. "Ich glaube, dass viele dieser Mitgliedschaften irgendwann mal beschlossen - und seitdem nicht mehr hinterfragt wurden." Ihre Forderung deshalb: "Alles sollte auf den Prüfstand."

Dabei geht es ihr nicht nur darum, die Beiträge einzusparen, sondern auch um den Personaleinsatz. Theoretisch ist es so, dass bei Vereinsmitgliedschaften der Stadt deren oberster Repräsentant - also OB Dirk Elbers - deren Interessen vertreten müsste. Weil sich Elbers aber nicht vervielfachen kann, werden die Aufgaben an Vertreter delegiert. Wobei es passieren kann, dass in bestimmten Runden gleich mehrere Vertreter der Stadt sitzen - weil sie in einigen Vereinen mehrfach Mitglied ist. Im Verband Rheinischer Museen etwa gleich vier Mal. Theater-, Film-, Hetjens- und Löbbecke-Museum sind vertreten. "Das hat seine Richtigkeit. Je nach Art des Museums ist es üblich, dass die Institute ihre Interessen selbst wahren", sagt Harald Müller von der Kämmerei.

Strack-Zimmermann überzeugt das nicht. Schließlich beanspruche die mehrfache Mitgliedschaft auch einen mehrfachen Personaleinsatz. Zumal es Doppelbesetzungen auch jenseits der Museen gibt: Im Verein Digitale Stadt etwa sind Hauptamt und Wirtschaftsförderung dabei. Zu den Förderern des Jugendtheaters gehören das Kulturamt und das OB-Büro.

Mitgliedschaft Nr. 153 ist derweil schon auf den Weg gebracht: Am Donnerstag soll der Stadtrat den Beitritt zum Verein Anna Maria Luisa de’ Medici beschließen. Die Liberalen werden dagegen stimmen. Strack-Zimmermann: "Wenn die Stadt mit dem Verein - der übrigens gute Arbeit leistet - ein Projekt auf die Beine stellen will, finde ich das gut. Aber eine Dauermitgliedschaft halte ich schlicht für überflüssig."

Der Verein Anna Maria de’ Medici widmet sich laut Stadt "der Förderung der Integration von zeitgenössischer, klassischer und experimenteller bildender Kunst im Marketing". Die Mitgliedschaft kostet 75 Euro im Jahr.

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