Georg Hapig und Dina Pohl vertonen in ihrem Studio in Flingern internationale Spielfilme und Serien für Kino und Fernsehen.

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Arbeitsplatz Computer: Dina Pohl und Georg Hapig besprechen die Sequenzen der synchronisierten Szenen.

Arbeitsplatz Computer: Dina Pohl und Georg Hapig besprechen die Sequenzen der synchronisierten Szenen.

Melanie Zanin

Arbeitsplatz Computer: Dina Pohl und Georg Hapig besprechen die Sequenzen der synchronisierten Szenen.

Düsseldorf. Wenn Dina Pohl in den Supermarkt geht, Möhren und Kohlköpfe kauft, dann weiß die Verkäuferin Bescheid. Es werden wieder Köpfe rollen und einige Leute werden Brüche an den Fingern erleiden. Doch keine Angst, das passiert alles nur im Film und es wird kein Mensch zu Schaden kommen.

Georg Hapig ist seit fast 30 Jahren Geräuschemacher und Mitarbeiterin Dina Pohl Diplom-Tonmeisterin. In ihren Studios auf der Flurstraße in Flingern werden internationale Spielfilme und Serien vertont. Unter anderem sind hier die Geräusche für bekannte Serien wie Law & Order oder für die Columbo-Filme entstanden – die Kult-Serie mit Peter Falk im beigefarbenen Trench-Coat. Dafür hat der gebürtige Engländer verschiedene Studios eingerichtet.

In einem davon ist so ziemlich die komplette Palette an Bodenbelägen verbaut. Bürgersteig, Parkett-, Wohnzimmer-, oder Waldboden und auch der Boden eines Linienbusses darf nicht fehlen. Alles etwa einen Quadratmeter groß. Und das Ganze für verschiedene Länder. „In England haben die Häuser meistens keinen Keller. Da muss sich das Geräusch viel hohler als in einem deutschen Haus anhören“, erklärt der 59-Jährige. So simuliert er das Stapfen im Schnee, indem er eine Teppichfliese auf Kieselsteine legt und darauf läuft. Für frisch gefallenen Schnee wird Maismehl oder Watte verwendet.

Die sogenannte „Muffbude“ ist ganz klein und komplett mit Teppichboden verhängt, damit es keine Schallreflexionen gibt. „Hier werden Szenen in Flugzeugen produziert“, erklärt Hapig, der im Keller auch einen 6500 Liter-Pool für Unterwasseraufnahmen stehen hat. Kilometerweise Kabel wurden verlegt, etliche Mikros hängen an der Decke.

Georg Hapig hat ein komplettes Waffenarsenal im Studio

Auch ein komplettes Waffenarsenal hat Hapig. Eine Pumpgun, eine Kalaschnikow oder verschiedene Pistolen. „So ein Mord muss ja auch vom Ton her gut hörbar sein im Kino. Aber die Waffen sind alle unbrauchbar“, sagt Hapig, „sonst hätte ich immer die Polizei auf der Matte stehen.“ Ihm geht es vor allem um das metallische Klicken beim Nachladen der Waffen. „Wenn wir wirklich schießen wollen, dann ist das sehr aufwendig. Dafür braucht man etliche Genehmigungen, das geht nicht in Düsseldorf. Daher ist das Geräusch archiviert, weil man dafür sonst jede Menge Technik transportieren müsste“, sagt Hapig.

Wer Diplom-Tonmeister werden will, benötigt Geduld: Mindestens fünf Jahre dauert das Studium. Doch niemand wird als Tonmeister zwangsläufig Geräuschemacher, da dies kein Ausbildungsberuf ist. Wer mitmischen will, benötigt vor allen Dingen viel Fantasie und eine gute akustische Wahrnehmung.

Dass er überwiegend für internationale Produktionen arbeitet, hat einen simplen Grund: „Im Ausland wird viel besser bezahlt als hier in Deutschland.“ Zehn Tage dauert es, einen 120-minütigen Spielfilm zu vertonen. Während Hapig die Geräusche produziert, mischt Dina Pohl im Studio den Ton passend zum Bild. „Ich muss vor allem auf die Kameraschnitte achten. Manchmal steht eine Person weiter weg. Die Stimmen müssen dann etwas mehr im Raum klingen und etwas leiser sein.“

Bis auf etwa 80 Millisekunden genau treffen die beiden die Töne zum Bild. „Das sind genau zwei Bilder, um die man anschließend die Tonspur verlegen muss“, sagt die 31-Jährige. Ein Film hat pro Sekunde 24 Bilder.

Als Geräuschemacher brauche man vor allem viel Fantasie. „Man muss sich komplett von der Originalszene lösen, die auf dem Bildschirm läuft, und nur das Geräusch im Kopf haben.“ Im U-Boot-Drama „Lanconia“ wurde ein Hai aufgeschlitzt. „Ich habe einen nassen Baumwolllappen ausgequetscht, das war perfekt“, meint Hapig, der einige Anekdoten zu erzählen hat. Einmal hat er 20 Präservative gekauft, die er für Unterwasseraufnahmen über ein Mikrofon gestülpt hat. „Das Mikro war aber aus Draht und ich hab alle Gummis beim Überziehen kaputt gemacht. Als ich dann später wieder in das Geschäft gegangen bin, um noch einmal 100 Stück zu kaufen, da hat die Verkäuferin äußerst komisch geschaut.“

Bei Schlägereien zieht Hapig einen speziellen Handschuh an und haut sich auf den Bauch. „Früher hab ich mich selber auf den Boden geschmissen, wenn ich einen fallenden Körper simulieren wollte, aber dafür bin ich inzwischen zu alt, das Geräusch kann man auch mit den Füßen machen.“ Ein billiger italienischer Herrenschuh macht übrigens die besten Damenschuh-Geräusche.

Doch wie wird man eigentlich Geräuschemacher? „Das ist kein Ausbildungsberuf. Ich habe auch Tonmeister gelernt und bin dann zufällig zu diesem Job gekommen.“ Und was zeichnet einen guten Geräuschemacher aus? „Der läuft nicht mit offenen Augen, sondern mit offenen Ohren durch die Gegend.“

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