Ein Hotelmanager log über seinen Alkoholkonsum vor dem Bordell-Besuch – der Richter ermittelte selbst.

Der Hauptverdächtige Thomas M. (Mitte) mit seinem Verteidiger Benedikt Pauka (r.) beim Prozess.  Archiv
Der Hauptverdächtige Thomas M. (Mitte) mit seinem Verteidiger Benedikt Pauka (r.) beim Prozess. Archiv

Der Hauptverdächtige Thomas M. (Mitte) mit seinem Verteidiger Benedikt Pauka (r.) beim Prozess. Archiv

JM

Der Hauptverdächtige Thomas M. (Mitte) mit seinem Verteidiger Benedikt Pauka (r.) beim Prozess. Archiv

Düsseldorf. Seit Juli vergangenen Jahres versucht das Landgericht zu klären, ob Freier in den Bordellen an der Rethelstraße und an der Worringer Straße systematisch mit Alkohol, Kokain und Medikamenten außer Gefecht gesetzt wurden, um dann deren Konten per Kreditkarte abzuräumen. Besonders weit gekommen ist man dabei noch nicht. Der Hauptangeklagte Thomas M. (49) kam in dem Verfahren bislang praktisch nicht vor. Stattdessen gerät die Staatsanwaltschaft zunehmend unter Druck. Denn bereits der dritte Zeuge wurde von der Verteidigung regelrecht auseinandergenommen und musste zugeben, dass er die Unwahrheit gesagt hat.

Der Hotelmanager gab in seiner ersten Aussage an, dass er zum Abendessen nicht mehr als 0,6 Liter Wein getrunken hatte, bevor er sich zur Rethelstraße aufmachte, und dem Gericht eine Rechnung von 60 Euro vorgelegte. Benedikt Pauka, der Thomas M. vertritt, hatte daraufhin in dem Hotel nachgefragt und erfahren, dass der Zeuge noch eine zweite Rechnung über 25 Euro gemacht hatte. Drei Gläser Wein und ein Weizenbier verschwieg der Mann dem Gericht.

Das hatte den Vorsitzenden Richter Markus Fuchs veranlasst, selbst im Hotel anzurufen und die Angaben zu überprüfen. Dort bestätigte man ihm nicht nur die Recherche des Rechtsanwalts. Die Hotelmanagerin berichtete ihm auch, dass der Gast noch morgens gelallt und sich „unmöglich benommen“ habe. So unmöglich, dass sich das Hotel bei seinem Chef beschwerte.

Schon zwei andere Zeugen fielen vor Gericht durch

„Dann wird das wohl so gewesen sein“, musste der Hotelmanager seine Lüge eingestehen, als Fuchs ihm von seinem Telefonanruf berichtete. Der Mann war sichtlich überrascht, dass die zweite Rechnung aufgetaucht war. Er räumte ein, er habe für seine Verhältnisse schon „eine Menge“ getrunken .

Ähnliches erlebte die Staatsanwaltschaft schon mit zwei weiteren Zeugen. Ein Programmierer hatte angegeben, „stocknüchtern“ morgens in der Rethelstraße angekommen zu sein. Zu seiner zweiten Vernehmung erschien der Mann völlig betrunken im Gericht, hatte noch mittags über 3,6 Promille im Blut. Außerdem legte er ein Attest über seine Alkoholkrankheit vor. Dass der Computerexperte tatsächlich nüchtern in dem Bordell ankam, daran dürfte das Gericht seitdem große Zweifel hegen.

Peinlich war auch der Auftritt eines Geschäftsmanns aus dem Norden, der angegeben hatte, noch nie Kokain konsumiert zu haben. Ein nachträglicher Haartest ergab, dass der Zeuge auch nach seinem Bordell-Besuch in Düsseldorf noch Rauschgift genommen hatte. Inzwischen möchte er sich zu dem Thema nicht mehr äußern. Denn ihm könnte ebenso wie dem Hotelmanager eine Anklage wegen Falschaussage drohen.

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