Stadt hat Einstellung ad acta gelegt und erstellt neue Kriterien fürs ÖPNV-Netz. Politik will die Linie dauerhaft erhalten.

Stadt hat Einstellung ad acta gelegt und erstellt neue Kriterien fürs ÖPNV-Netz. Politik will die Linie dauerhaft erhalten.
Die Linie 708, hier zu sehen in einer älteren Aufnahme am Schillersplatz, bleibt wohl dauerhaft erhalten. Archiv

Die Linie 708, hier zu sehen in einer älteren Aufnahme am Schillersplatz, bleibt wohl dauerhaft erhalten. Archiv

J. Michaelis

Die Linie 708, hier zu sehen in einer älteren Aufnahme am Schillersplatz, bleibt wohl dauerhaft erhalten. Archiv

Was sich schon länger andeutete, ist jetzt Fakt: Die Straßenbahnlinie 708 wird nicht eingestellt, sondern verkehrt weiterhin zwischen Mörsenbroich und dem Polizeipräsidium in Unterbilk. Offiziell ist die Linie zunächst einmal nur bis Anfang 2019 gesichert: „Der Verkehrsausschuss hat uns ja mit der Erstellung neuer Kriterien in Form eines integrierten Mobilitätskonzeptes beauftragt, in dem geht es nicht mehr um eine Linie und um reine Fahrgastzahlen, sondern um das Gesamtsystem ÖPNV“, sagt Holger Odenthal, der stellvertretende Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement. Da aber mittlerweile alle Fraktionen mehr Bus und Bahn für Düsseldorf verlangen, ist die Einstellung einer etablierten Verbindung kaum noch vorstellbar.

„Ein Riesenerfolg für die Bürger, die so für die 708 gekämpft haben“

Das sah 2012 noch anders aus. Eine große Mehrheit im Stadtrat und die Rheinbahn wollten die 708 entsorgen, weil sie mit dem Start der Wehrhahnlinie (hier: der U 71) überflüssig werde und ohnehin zu wenig Fahrgäste aufweise. Jetzt heißt es bei der Stadt, die angekündigten Fahrgastzählungen habe es nie gegeben. Wahrscheinlicher freilich ist, dass der Politikwechsel im Rathaus hin zu mehr ÖPNV zur Kehrtwende geführt hat. Annelies Böcker (CDU), Ratsfrau und stellvertretende Bezirksvorsteherin in Düsseltal-Flingern, ist froh: „Natürlich ist die 708 jetzt dauerhaft gesichert, denn sie wird in Zukunft völlig gleichberechtigt mit allen anderen Bahnlinien behandelt – und in einer wachsenden Stadt stellt man keine ein. Das ist ein Riesenerfolg für die Bürger, die sich so sehr dafür eingesetzt haben.“ In Mörsenbroich und Düsseltal rauften sich von Anfang an viele Bürger die Haare über den Plan, dicht bevölkerten Stadtteilen die direkte Verbindung zum Hauptbahnhof zu nehmen. Zu den einflussreichen Anwälten der Linie 708 zählten dann mit Manfred Neuenhaus und Norbert Czerwinski früh die Verkehrsexperten von FDP und Grünen, diesen Kurs übernahm schließlich das gesamte Ampel-Bündnis im Rat. Und in der CDU steht Annelies Böcker auch nicht mehr allein auf weiter Flur für die 708.

Aus Rheinbahnkreisen ist zwar zu hören, so richtig überzeugt sei man von der Linie immer noch nicht, doch die Stadt müsse wissen, welche Angebote sie wolle – und die dann auch bezahlen. Klar ist, dass die 708 seit Jahren stiefmütterlich ausstaffiert wird – mit einem 20-Minuten-Takt, der auch noch zu dicht vor oder hinter der U 71 herzockelt und nur an Werktagen gilt.

Für die Stadt kündigt Odenthal Gespräche mit der Rheinbahn darüber an, ob die 708 ab 2019 möglicherweise auch samstags und sonntags wieder fährt. Böcker würde das ebenso begrüßen wie Uwe Wagner (SPD), der Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk 2 (Flingern, Düsseltal): „Natürlich waren wir in der Bezirksvertretung von Anfang an gegen die Abschaffung dieser Bahnlinie. Jetzt werden wir in der nächsten Sitzung beantragen, dass die 708 auch am Wochenende wieder verkehrt, – in welchem Takt, das muss die Rheinbahn klären“, kündigt Wagner an.

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