Die Sympathien vieler Tabakfreunde hat Friedhelm Adolfs (77) auf seiner Seite. Seit drei Jahren wehrt sich der inzwischen bundesweit bekannte Raucher gegen den Rauswurf aus seiner Mietwohnung. Nun muss er erneut vor Gericht.

Die Sympathien vieler Raucher hat Friedhelm Adolfs (77) auf seiner Seite. Nun muss er am 11. Januar erneut vor Gericht.
Friedhelm Adolfs blickt aus seiner Wohnung in Düsseldorf.

Friedhelm Adolfs blickt aus seiner Wohnung in Düsseldorf.

dpa

Friedhelm Adolfs blickt aus seiner Wohnung in Düsseldorf.

Düsseldorf (dpa) - Der spektakuläre Streit um die Mietwohnung von Raucher Friedhelm Adolfs (77) geht in die finale Phase. An diesem Montag hat das Düsseldorfer Landgericht zur großen Beweisaufnahme geladen. Zwölf Zeugen wollen die Richter hören, um dann an einem späteren Termin zu entscheiden, ob der Raucher seine Nachbarn in einem Mehrparteienhaus mit Zigarettenqualm unzumutbar belästigt hat. Sollte dies der Fall sein, wird der 77-Jährige seinen Rauswurf kaum noch verhindern können.

Beim letzten Verhandlungstag lag Adolfs nach einem Schlaganfall im Krankenhaus, doch diesmal hat das Gericht sein Erscheinen angeordnet. Die Vermieterin darf der Verhandlung dagegen weiter aus gesundheitlichen Gründen fernbleiben.

Adolfs' Anwalt hatte vor einigen Tagen eine Karte aus dem Ärmel gezogen, die die Position der Vermieterin erschüttern soll. Der Zeuge, der Adolfs mündlich abgemahnt haben will, stehe in einer deutlich engeren Beziehung zur Vermieterin, als er vor Gericht ausgesagt habe. Er habe deswegen Strafanzeige erstattet, sagt Rechtsanwalt Martin Lauppe-Assmann.

Außerdem gebe es weitere Hinweise, die die Glaubwürdigkeit des Zeugen beträfen. Der Anwalt hält die Aussage des Mannes für unglaubwürdig: „Kein professioneller Vermieter spricht eine Abmahnung mündlich aus“, sagt Lauppe-Assmann. Ohne vorherige Abmahnung wäre die Kündigung aber unwirksam.

Die Vermieterin muss zudem nachweisen, dass die Belästigung durch den Qualm so stark war, dass die Gesundheit der übrigen Menschen im Haus gefährdet wurde. Dies könnte zum entscheidenden Problem werden.

„Rauchen darf er. Gewisse Beeinträchtigungen sind hinnehmbar“, hatte Richter Rolf Maurer in einem ersten Termin bereits gesagt. Eine kurzzeitige Geruchsbelästigung im Treppenhaus reiche für eine Kündigung nicht aus.

Der Fall beschäftigt die Justiz bereits seit 2013: Zunächst hatte das Amtsgericht den fristlosen Rauswurf des Rentners aus seiner Mietwohnung bestätigt. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit der Nachbarn habe Vorrang vor dem Recht auf freie persönliche Entfaltung des Rauchers, hieß es zur Begründung. Im Juni 2014 musste Adolfs die nächste Schlappe verdauen: Auch das Landgericht schlug sich auf die Seite der Vermieterin und wies seine Berufung zurück.

Im Februar 2015 dann die Wende: Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und ordnete eine Neuauflage an. Die Vorinstanzen hätten sich nicht um eine umfangreiche Beweisaufnahme drücken dürfen. Doch die Vermieterin betreibt weiterhin die Zwangsräumung der Wohnung, die Adolfs mit Hilfe der Justiz im März schließlich abwenden konnte.

Nun sollen die übrigen Mieter im Haus zur Belästigung durch den Rauch Stellung nehmen. Witwer Adolfs hat seinerseits Zeugen aufgeboten, die ihn in der fraglichen Zeit in seiner Wohnung besucht hatten. Der 77-Jährige hat inzwischen gute Chancen, seine Sieges-Zigarre doch noch anzünden zu können - wenn auch zum ausdrücklichen Missfallen seiner Ärzte.

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