Immer mehr Frauen sind von Armut bedroht. Die Öffentlichkeit nimmt davon kaum Notiz.

Für Pfarrerin und Superintendentin des Kirchenkreises, Henrike Tetz, ist Frauenarmut allzu oft ein strukturell bedingtes Problem.  Archiv
Für Pfarrerin und Superintendentin des Kirchenkreises, Henrike Tetz, ist Frauenarmut allzu oft ein strukturell bedingtes Problem. Archiv

Für Pfarrerin und Superintendentin des Kirchenkreises, Henrike Tetz, ist Frauenarmut allzu oft ein strukturell bedingtes Problem. Archiv

Diakoniepfarrer Thorsten Nolting fordert, die Anlaufpunkte für Frauen in Not in der Stadt auszubauen.

Stefan Arend, Bild 1 von 2

Für Pfarrerin und Superintendentin des Kirchenkreises, Henrike Tetz, ist Frauenarmut allzu oft ein strukturell bedingtes Problem. Archiv

Düsseldorf. „Man kann nicht über alles reden, man schämt sich zu sehr. Man versucht, alles selber zu regeln und bloß nicht nach Hilfe zu fragen.“ Bis zu 15 Stunden am Tag hat sie gearbeitet, bis sie körperlich und psychisch nicht mehr konnte. Mit der Verringerung der Zahl der Arbeitsstunden sank auch der Lohn der ausgebildeten Rechtsanwaltsgehilfin, die Wohnung wurde nach der Trennung vom Partner zu teuer, und auf einmal stand Tanja D. ohne Wohnung da.

Eineinhalb Jahre kam sie immer wieder bei Bekannten unter, bis sie auf die Frauenwohnprojekte der Diakonie aufmerksam wurde. Heute lebt sie in der Frauenwohneinrichtung Icklack.

Die Diakonie widmet der steigenden Frauenarmut ihr Jahresthema. Mit einiger Berechtigung: Zwischen 1998 und 2005 ist das Armutsrisiko für Frauen deutschlandweit von 13 auf 21 Prozent gestiegen. 2012 bezogen allein in Düsseldorf 31 000 Frauen Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung. „Es deutet viel darauf hin, das hinter der Frauenarmut ein System steht“, sagt die Pfarrerin und Superintendentin des Kirchenkreises, Henrike Tetz.

Frauenarmut findet in öffentlicher Wahrnehmung nicht statt

Speziell die Doppelrolle als Hausfrau und Mutter sowie alleinerziehende Mütter tragen ein großes Armutsrisiko. „Es geht uns aber nicht nur um Verteilungsgerechtigkeit, sondern auch um Teilhabegerechtigkeit“, sagt Tetz. Denn wer arm ist, ist oft auch vom sozialen Leben abgeschnitten.

„Deshalb wollen wir auch auf die Demütigungen und Ungerechtigkeiten neben der strukturellen Ungerechtigkeit hinweisen“, sagt sie. Hinzu kommt: Frauenarmut findet in der öffentlichen Wahrnehmung kaum statt: „Es klingt nach einem Klischee, aber Männer leiden viel lauter als Frauen. Frauenarmut ist sehr versteckt“, sagt Diakoniepfarrer Thorsten Nolting.

Das Jahresthema Frauenarmut der Diakonie richtet mit mehreren Aktionen den Fokus auf diesen wenig beachteten Teil eines gesellschaftlichen Problems. Und es will nicht nur neue Aufmerksamkeit für arme Frauen, sondern auch Geld für Angebote wie die „Ariadne-Notaufnahme für Frauen “ oder das Wohnprojekt Icklack sammeln. Nolting: „Wir sind froh, dass die Stadt mit uns diese Anlaufpunkte gebaut hat. Aber es bedarf einer weiteren Differenzierung.“

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