Wieder öffnet eine neue Ausgabe für Lebensmittel – jetzt in Flingern. Angeblich sind die vorhandenen Stellen inzwischen überlastet.

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Lebensmittelverteilung bei der Diakonie in Flingern: Maria Ramo und Damiar freuten sich.

Lebensmittelverteilung bei der Diakonie in Flingern: Maria Ramo und Damiar freuten sich.

Stefan Arend

Lebensmittelverteilung bei der Diakonie in Flingern: Maria Ramo und Damiar freuten sich.

Düsseldorf. Im Souterrain des Diakoniehauses herrscht heftiges Gedränge: "Die Familien mit Kindern zuerst", ruft ein ehrenamtlicher Helfer, ein älterer Herr im Rollstuhl blockiert aber den Durchgang. Sharif Kade (24) wartet mit ihrem Sohn (10 Monate) schon seit zwei Stunden und hält nun ihre Wartenummer hoch.

Seit Mittwoch gibt es in Flingern eine neue Essensausgabe, wo bedürftige Menschen sich mit kostenfreien Lebensmitteln eindecken können. Die Vorsitzende der Düsseldorfer Tafel, Heike Vongehr, spricht von einem schnell wachsenden Bedarf: "Wir können die Erwartungen nicht mehr erfüllen, das ist ein Infarkt."

Viele Menschen aus Flingern waren bislang in die Altstadt gegangen

Das Netz der Lebensmittelausgaben ist noch recht jung, in der Bergerkirche startete sie vor rund vier Jahren. Mit der Stelle in Flingern gibt es nun sechs Ausgaben, die an verschiedenen Tagen öffnen. Laut Diakonie-Sachgebietsleiterin Antonia Frey wird damit eine Lücke gefüllt: "In Flingern Süd liegt die Arbeitslosigkeit bei 17 Prozent."

Viele Menschen aus dem Stadtteil hätten vorher das inzwischen überlastete Angebot in der Bergerkirche genutzt. 50 Menschen kamen am Mittwoch, langfristig rechnet die Diakonie mit der doppelten Zahl.

Allein die Düsseldorfer Tafel versorgt nach eigenen Angaben wöchentlich rund 5000 Menschen in der Stadt mit Lebensmitteln. Dazu gibt es sechs Armenküchen für Obdachlose und sechs Gaststätten wie das Café Grenzenlos, die günstige Mahlzeiten anbieten. Wie berichtet wird auch in Gerresheim daran gearbeitet, in der Glashütte bald einen preiswerten Mittagstisch anzubieten.

Den Grund für die steigende Nachfrage sieht Diakoniepfarrer Torsten Nolting weniger in der aktuellen Rezession als generell in den Hartz-IV-Sätzen: "Die Menschen können davon nicht leben, deswegen fordern wir eine Anhebung." Der Leiter des städtischen Sozialamtes, Roland Buschhausen, hält dagegen die Sätze für ausreichend und sieht deshalb auch keinen Bedarf für weitere Lebensmittelangebote: "Wir haben ein gutes Netz von Angeboten für Bedürftige, wie Vergünstigungen durch den Düsselpass."

Deutlich über 30 000 Euro steckt die Diakonie jährlich in die Lebensmittelausgabe, dazu kommt das Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer. Weitere Freiwillige werden gebraucht.

Wer zur Ausgabe kommt, erhält außerdem ein Angebot für Sozialberatung. Beraterin Barbara Dully hat einen immensen Bedarf festgestellt: "Viele Menschen haben Schulden, Probleme mit der Arge, wissen nicht, wohin sie sich wenden können." Mit den bestehenden Hilfsangeboten freier Träger und der Stadt würden nicht alle Menschen erreicht.

© WhatsBroadcast

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