Die Ev. Familienbildung bietet einen Kurs für die ersten sprachlichen Schritte in der Fremde an.

gerresheim
Kafel, Pala, Margarette und Zine (v.l.) lernen bei Lehrerin Iwona Juras, wie sie sich in Deutschlang verständigen können.

Kafel, Pala, Margarette und Zine (v.l.) lernen bei Lehrerin Iwona Juras, wie sie sich in Deutschlang verständigen können.

Sergej Lepke

Kafel, Pala, Margarette und Zine (v.l.) lernen bei Lehrerin Iwona Juras, wie sie sich in Deutschlang verständigen können.

Düsseldorf. Sie sitzen zu viert am Tisch, vor ihnen liegen Blöcke, Textmarker und Kugelschreiber. Geschrieben wird heute aber wenig, aufs Sprechen kommt es an. „Wie heißen Sie? Woher kommen Sie“, fragt Iwona Juras den jungen Mann, der ihr gegenüber sitzt. „Ich heiße Kafel, ich komme aus Eritrea“, antwortet er, stockend zwar, aber deutlich und fehlerfrei. „Sehr gut“, lobt Juras.

Der erste Schritt ist getan. Der erste Schritt in der fremden Sprache eines fremden Landes, das Panel und seine drei Mitschüler seit kurzem ihr Zuhause nennen. Der Sprachkurs der Evangelischen Familienbildung im Familienzentrum an der Vereinsstraße soll ihnen helfen, sich darin zurechtzufinden.

Die Schüler sprechen Französisch, Arabisch, Russisch oder Türkisch

Juras lehrt sie, sich vorzustellen oder nach dem Namen ihres Gegenübers zu fragen. Ein Brot beim Bäcker zu kaufen oder den Besuch bei Ämtern zu meistern. „Unser Ziel ist, dass sie sich sicher fühlen“, erklärt die Kursleiterin. Das ist gar nicht so einfach, denn die meisten ihrer Schüler beherrschen zu Beginn nicht ein einziges Wort Deutsch. Sie sprechen Türkisch, Arabisch, Französisch oder Russisch. Wie die Kommunikation trotzdem funktioniert? „Mit Händen und Füßen“, meint Juras. „Wenn man will, versteht man einander.“

Zehn Wochen dauert der Sprachkurs, einen Vormittag pro Woche treffen im Familienzentrum aktuell neun Menschen unterschiedlichster Nationen aufeinander, um zu lernen. Parallel kümmert sich Helga Germeshausen um die Kinder der Teilnehmer. Der Kurs kostet zehn Euro, zum Teil wird er von den 20 000 Euro finanziert, die der Evangelische Kirchenkreis für Flüchtlings-Sprachkurse zur Verfügung gestellt hat.

Cornelia Oßwald: Jeder kann jederzeit einsteigen

Denn der Bedarf ist gestiegen. Seit 2010 bieten die evangelische und katholische Gemeinde in Gerresheim die Caritas-Diakonie-Sprechstunde an, in deren Rahmen Hilfsbedürftige materielle und seelische Unterstützung erhalten sollen. „Immer mehr Menschen aus dem Flüchtlingsheim an der Heyestraße kamen in die Sprechstunde“, erzählt Cornelia Oßwald von der Evangelischen Kirchengemeinde Gerresheim. Angesichts der Verständigungsprobleme verwirklichte die Gemeinde im Oktober 2013 gemeinsam mit dem Familienzentrum und der Evangelischen Familienbildung die Idee, einen Sprachkurs anzubieten.

Etwa 70 Prozent derjenigen, die im Evangelischen Familienzentrum Hilfe suchen, sind Flüchtlinge. Die meisten wohnen im Heim an der Heyestraße, wo aktuell 140 Menschen untergebracht sind.

Das Gerresheimer Modell soll bald auch in anderen Stadtteilen umgesetzt werden, unter anderem im Norden von Düsseldorf. Konkrete Pläne dazu gibt es aber von den Verantwortlichen noch nicht.

Denn von offizieller Seite wird Flüchtlingen erst dann ein Deutschkurs finanziert, wenn ihr Status geklärt ist. „Darüber vergehen Monate“, sagt Oßwald. Für die Flüchtlinge Monate des Stillstands, wenn sie sich in ihrer Umgebung nicht verständigen können. Damit möglichst viele Menschen das Angebot wahrnehmen und die Zeit nutzen, sei der Sprachkurs besonders niederschwellig ausgerichtet. Und in zwei Stufen eingeteilt, je nach Sprachniveaus des Teilnehmers. „Jeder kann jederzeit einsteigen“, betont Oßwald. Egal, ob sie sich schon vorstellen können wie Kafel aus Eritrea oder auch das erst noch lernen müssen.

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