Studenten der Akademie für Mode und Design präsentieren im Tanzhaus futuristische und gewagte Kreationen.

Bunte Turbane und warme Farben erinnern an afrikanische Mode.
Bunte Turbane und warme Farben erinnern an afrikanische Mode.

Bunte Turbane und warme Farben erinnern an afrikanische Mode.

Dezente Farben – dafür sind die Schnitte umso mutiger.

Judith Michaelis, Bild 1 von 2

Bunte Turbane und warme Farben erinnern an afrikanische Mode.

Düsseldorf. Eine Metamorphose aus weißem Stoff schlängelt sich um den Körper einer jungen Frau. Sie wirkt wie eine Braut, ein Schwan, eine Fee aus einer fantastischen Erzählung. Sie läuft die Bühne auf und ab, als ihr ein junger Mann entgegenkommt, der eine Art moderne Ritterrüstung trägt, aus Seide und Gummischläuchen. Was sich da am Freitag auf der Bühne im Tanzhaus abspielte, war die Leistungsschau „Exit 12“ der Studenten der Akademie für Mode und Design (AMD).

„Listen to me“ – hör mir zu – wird immer wieder in großen Lettern an eine Leinwand projiziert. Das Motto der AMD-Modenschau zum Auftakt der Modemesse CPD soll die Aufmerksamkeit auf den Nachwuchs lenken. „Als junger Designer kann man in der Modewelt schnell untergehen“, sagt Akademie-Chefin Christine Kubatta. Doch bald wirkt der Aufruf überflüssig, denn die futuristischen, mutigen Kreationen bekommen auch ohne das Motto den Beifall der rund 300 Zuschauer.

Auf die Tragbarkeit kommt es nicht an

Schon im Auftakt mit den Erst- und Zweitsemestern aus dem Fachbereich „Formfindung“ lassen sich Ambitionen und erste eigene Stile erkennen. Die Entwürfe erinnern an Blasen, Blüten, Muscheln oder Rüstungen. „So untragbar sind die Sachen nicht, jemand wie Pop-Star Lady Gaga würde die Entwürfe der Erstsemester sofort tragen. Doch auf Tragbarkeit kommt es auch nicht an: Es geht um Stil, Ideen, Schnitte, Farben – und die Trends von morgen“, sagt Kubatta lachend.

Der Weg von Formfindung über Kollektionsentwicklung bis zu fertigen Linien der Absolventen ist dennoch klar erkennbar. So präsentiert etwa Sarah Bestek mondäne, bodenlange Umhänge und Mäntel, die so in jedem Designerladen hängen könnten. Aufgefallen ist auch die „Istanbulut“-Kollektion von Esra Altintop mit bunten Röcken und tief ausgeschnittenen Blusen.

Stress pur, trotzdem läuft es irgendwie, sagt Absolventin Tülay

Während die Models auf der Bühne mit scheinbar stoischer Gelassenheit auf und ab laufen, herrscht hinter der Bühne absolute Hektik: anziehen, ausziehen, feststecken, frisieren, nähen, einatmen, ausatmen. „Organisiertes Chaos“, nennt das Absolventin Tülay Kara. „Stress pur, aber trotzdem läuft es irgendwie.“

Die Akademie für Mode und Design bietet unter anderem den siebensemestrigen Bachelor Mode-Design an. Der B.A. ist in drei Studienabschnitte unterteilt, von Form und Linie bis zur eigenen Kollektion. In jedem Studiengang stehen 24 Plätze zur Verfügung.

Den mit 2000 Euro dotierten „Fresenius New Talent“-Preis für die besten Abschluss-Kollektionen erhielten am Freitag Sonja Tiede und Jennifer Moica. „Beide beweisen eine hohe Professionalität und haben mehrere Ideen verarbeitet“, sagt Akademie-Chefin Christine Kubatta.

Ein ganzes Semester hat die 24-Jährige an ihrer Kollektion gearbeitet. Mit metallischen Reflexen lässt sie die Models wie Außerirdische über die Bühne gleiten. „Ich will mit der Mode aus der realen Welt herausbrechen“, sagt sie. Kein Wunder, dass sich die Models nur mühsam in die eng anliegenden, schlauchartigen Kleider zwängen. „Meine Arbeit fängt mit der Recherche zu aktuellen Trends an und endet am Nähtisch“, sagt Kara. Wie viel Arbeit das ist, weiß auch Studienkollegin Yvonne Loureiro: „Für meine Abschlusskollektion habe ich drei Monate durchgearbeitet und drei Tage wirklich ausgeschlafen“, sagt die 23-Jährige, die ihre Models in erdigen Tönen und opulenten Stoff-Raffungen auf den Laufsteg schickte.

„Viele unserer Absolventen arbeiten bereits in großen Modeunternehmen, das spricht auch für uns als Akademie“, sagt Kubatta nach der Show stolz. „Die Studenten arbeiten hochprofessionell.“

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer