Viele Fernseh-Teams und beunruhigte Reisende erinnerten am Freitag noch an den Amoklauf tags zuvor.

Viele Fernseh-Teams und beunruhigte Reisende erinnerten gestern noch an den Amoklauf tags zuvor.
Noch in der Nacht entfernten Polizeibeamte Absperrbänder im Bahnhof.

Noch in der Nacht entfernten Polizeibeamte Absperrbänder im Bahnhof.

Vier Fernseh-Teams schalteten immer wieder live zum Hauptbahnhof.

Ulrike Filippin hatte ein „ungutes Gefühl“. Fotos (2): Judith Michaelis

Drei Polizisten am Tag nach dem Amoklauf auf Streife im Hauptbahnhof.

Bild 1 von 4

Noch in der Nacht entfernten Polizeibeamte Absperrbänder im Bahnhof.

Düsseldorf. Es war ein bisschen gespenstisch am Hauptbahnhof. Bis zum frühen Morgen waren alle Spuren des blutigen Amoklaufs vom Vorabend vollständig beseitigt. Nur noch die vier Fernseh-Teams, die auf dem Vorplatz immer wieder Live-Schaltungen sendeten, erinnerten daran, dass hier wenige Stunden zuvor Menschen um ihr Leben rannten, aus Angst vor einem vermutlich Geisteskranken, der mit einer Axt wahllos auf Passanten eingeschlagen hatte. Offenbar waren die Reinigungskräfte deutlich schneller als die Entwicklung der Nachrichten-Lage. Kann man denn so einfach wieder zurück in den Alltags-Modus schalten?

„Ich hatte schon ein ungutes Gefühl“, gibt Ulrike Filippin zu, die am Freitag zusammen mit Freunden von Düsseldorf nach Borkum reiste, „aber heute Morgen im Zug waren zwei Mitarbeiter der Regio-Bahn und auf dem Bahnsteig stand ein Polizist.“ Da habe sie sich schon sicher gefühlt. „Wenn es einen trifft, kann man sowieso nichts ändern“, plädiert sie ganz klar gegen jede Panik-Mache.

Einen sehr entspannten Eindruck machten auch die vier Eisenbahner Lukas, Thomas, Eckhard und Andreas. In einem war sich das Quartett absolut einig: „Die Wahrscheinlichkeit, auf dem Weg zum Hauptbahnhof unter eine Straßenbahn zu kommen, ist wesentlich größer als Opfer eines solchen Angriffs zu werden.“ Insgesamt macht ihnen aber eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft große Sorgen: „Auch wenn es sich in diesem Fall nicht um einen terroristischen Anschlag handelt. Möglicherweise lassen sich aber Trittbrettfahrer zu solchen Angriffen anstacheln.“

„Viele Menschen haben Angst“, sagt Taxifahrer Özgün Üstündag. Das höre er immer wieder von seinen Fahrgästen. Nachdem der Hauptbahnhof bis spät in die Nacht gesperrt war, kamen viele Menschen nur mit dem Taxi nach Hause: „Aber das ist ein Geschäft, auf das wir sehr gern verzichtet hätten.“

Oberbürgermeister Geisel lobt die Einsatzkräfte

Riesig war das Medien-Interesse bei der Pressekonferenz im Präsidium, an der auch Polizeipräsident Norbert Wesseler teilnahm. Nicht alle Fragen konnten beantwortet werden. Teilweise ist noch unklar, wo genau im Bahnhof die neun Personen im Alter zwischen 13 und 50 Jahren vom Täter verletzt wurden. Nur etwa zwei Minuten dauerte der gesamte Amoklauf auf dem Bahnsteig und Tunnel des Hauptgebäudes. Danach war der 36-Jährige von der Brücke an der Ellerstraße gesprungen. Die Axt hatte der Jugoslawe vorher auf den Boden gelegt.

Oberbürgermeister Thomas Geisel machte sich am Hauptbahnhof selbst ein Bild vor Ort und lobte die umsichtige und professionelle Arbeit der Einsatzkräfte: „Die unfassbare Gewalttat eines offensichtlich psychisch gestörten Täters, der am Donnerstagabend neun Personen zum Teil schwer verletzt hat, macht uns sprachlos und betroffen. Auch hier danke ich den Einsatzkräften der Polizei von Bund und Land, der Feuerwehr und den Mitarbeitern der Deutschen Bahn, die sehr schnell zur Stelle waren und möglicherweise noch Schlimmeres verhütet haben.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer