Zum Totensonntag gab es am Sonntag eine besondere Führung im Schifffahrtsmuseum in Düsseldorf. Die Besucher lauschten andächtig.

Zum Totensonntag gab es gestern eine besondere Führung im Schifffahrtsmuseum. Die Besucher lauschten andächtig.
Johannes Hofer erzählte am Sonntag im Schifffahrtsmuseum vom Rhein als „nasses Grab“.

Johannes Hofer erzählte am Sonntag im Schifffahrtsmuseum vom Rhein als „nasses Grab“.

Segej Lepke

Johannes Hofer erzählte am Sonntag im Schifffahrtsmuseum vom Rhein als „nasses Grab“.

Düsseldorf. Fast träge fließt der Rhein bei Düsseldorf dahin. Er ist Europas wichtigste Wasserstraße mit bis zu 500 Schiffen, die allein an Düsseldorf täglich vorbeifahren. Die Spaziergänger am Ufer, die Radfahrer auf den Brücken, die Studenten auf den Treppen der Tonhalle und die Touristen am Burgplatz lieben ihn. Dennoch ist er gefährlich. Schiffe havarieren, Schwimmer ertrinken und Hochwasserfluten reißen Fußgänger mit. Das Schifffahrtsmuseum im Schlossturm nahm dies zum Anlass, am Totensonntag eine besondere Führung anzubieten. Es ging um das „nasse Grab, den Tod auf dem Rhein“.

Ein gruseliges Thema eigentlich. Wassersportler hören es nicht gern. Umso wichtiger ist so eine Führung, die nicht nur Modelle zeigt, sondern auch Fakten übermittelt. Es informierte daher nicht nur der Student Johannes Hofer vom Besucherservice, sondern auch die stellvertretende Museumschefin Ulrike Stursberg.

Vor einem Floßmodell im untersten Gewölbekeller erklärte Johannes Hofer den Transport von Holz aus dem Schwarzwald in die Niederlande: „Baumstämme wurden in mehreren Lagen zu einer langen Rechteckform verbunden und durch Gelenke elastisch und steuerungsfähig gemacht. Die Fracht war zugleich das Schiff, musste also nicht umständlich verladen werden. Im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit gab es Riesenflöße von über 500 Metern Länge und mit 500 Ruderknechten.“ Aber so ein Floß war ungelenk, die Flößer mussten mit einer Peilstange die Rheinsohle nach Sandbänken, Felsen und Untiefen absuchen. Häufig konnten sie jedoch nicht schwimmen und ertranken, selbst wenn sie das Auseinanderbrechen des Floßes überlebten.

Mucksmäuschenstill waren die Besucher. Sie fühlten sich wie in einem Krimi. Sie erfuhren von der Fließgeschwindigkeit, die ahnungslose Schwimmer mitreißt, und von schrecklichen Unfällen durch Sturmböen. So verließ etwa am 12. April 1841 bei ruhigem Wetter das Segelschiff „Carolina“ die Stadt Bingen, geriet bei Bacharach in einen heftigen Nordostwind, zerschellte an den Klippen und blieb mit Schlagseite liegen. Nur mit Hilfe eines Dampfschiffes konnte es vom Felsen loskommen. Berüchtigt war das „Binger Loch“ mit seinen Stromschnellen an den Felsspitzen. Erst im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Stelle ausgebaut, die steil aufragenden Felsen aber blieben bestehen.

40 Millionen Fische verendeten bei der Sandoz-Katastrophe

Selbst die besten Maschinen der Gegenwart können die Unfälle nicht beseitigen. So ging an der Loreley 2003 ein Fahrgastschiff der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt auf Grund, 41 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Bei Emmerich versagte auf der „Tina Scarlett“ plötzlich das Ruder. Das Fährschiff scherte aus, kollidierte mit einem Tanker, der in Brand geriet. Brennend trieben beide Schiffe ineinander verkeilt zu Tal, auf Kollisionskurs mit dem zu Berg kommenden Schiff „Vaarwell 2“, das gleichfalls Feuer fing und ausbrannte. Die Katastrophe kostete zwei Menschenleben.

Hinzu kommen die Chemieunfälle. Bei der Sandoz-Katastrophe von 1986 gelangten tonnenweise giftige Pestizide bei einem Brand ins Wasser und verseuchten den Rhein auf einer Länge von 450 Kilometer. Die versehentliche Einleitung des Pestizids Thiodan verursachte 1969 ein Massensterben, über 40 Millionen Fische verendeten und trieben auf der Wasseroberfläche.

Gefährlich ist der Rhein vor allem bei Hochwasser. Dann beträgt die Strömung das Achtfache des Normalwertes. Aber selbst bei normalem Wassergang ist das Schwimmen lebensgefährlich. Besonders tückisch sind die vielen Strudel 2016 ertranken 210 Menschen in deutschen Flüssen. Der Rhein, so das Fazit, ist noch immer ein nasses Grab.

© WhatsBroadcast

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