Der Düsseldorfer Oliver Sanne ist der Bachelor (Junggeselle) bei RTL. Nun hat er seine Liebste.

dpa
Der Bachelor aus Düsseldorf: Oliver Sanne.

Der Bachelor aus Düsseldorf: Oliver Sanne.

Bernd Wüstneck

Der Bachelor aus Düsseldorf: Oliver Sanne.

Düsseldorf. Oliver Sanne ist ein feiner Kerl. Nicht doof. Oliver hat studiert. Er trägt den etwas krummen Titel „Bachelor of Arts Fitnessökonom“. Das verwirrt, denn der akademische Grad Bachelor kollidiert ein wenig mit der Rolle, die der 28-Jährige seit ein paar Wochen spielt. In der ist er nämlich bei RTL „Der Bachelor“, der professionelle Junggeselle auf Brautschau. Als solcher hat er gänzlich unakademisch junge Frauen begutachtet, begrabbelt und abgeschleckt, um nach ausgiebigen Geschmackstests in dieser Woche schließlich die angebliche Dame seines Herzens zu küren.

Doch nicht nur die Kollision der Titel könnte den Zuschauer durcheinander bringen, auch der Name Oliver fiel in den Sendungen selten. Da nannten ihn alle nur Oli. Außer seine Mutter. Die nannte ihren körperlich tiptop gestählten Filius zwar Oliver, aber nur wenn sie streng wirken wollte. Wenn sie sich für eine eher zärtliche Rangehensweise entschied, nannte sie ihr brillantes Söhnchen Männeken und Liebchen. Spätestens da wusste auch der letzte Zuschauer in Hintertupfingen: Dä Oli kütt us Düsseldorf.

Ja, er kommt aus Düsseldorf. In einer Zweizimmerwohnung residiert er. So viel verrät RTL über ihn. Ansonsten hat der Kommerzkanal alles getan, um seine Herkunft galant zu verschleiern. Schließlich galt es, ihn bundesweit attraktiv zu halten, sozusagen jeder hormonell wallenden Dame als Junge von nebenan zu verkaufen. Dazu passte, dass RTL den Düssel-Oli als Träger des Titels „Mr. Germany 2014“ vorstellte.

Immerhin 3,65 Millionen Zuschauer sahen sich das Finale an

Für den Sender ist die Kalkulation mit Oli aufgegangen. Zwar hat das Format „Der Bachelor“ im Vergleich zu den Vorjahren Marktanteile verloren, aber 3,65 Millionen Zuschauer zum Finale, davon 1,94 Millionen in der Zielgruppe der Unterfünfzigjährigen, werden in Köln durchaus als Erfolg bejubelt.

Am Ende durfte die als lebensfrohe Krankenschwester vorgestellte Liz die letzte Gabe des Rosenkavaliers Oli in Empfang nehmen. Sie darf als Auserwählte gelten, die nun Olis Junggesellendasein beendet. Eine Weile zumindest. Irgendwann in ein paar Tagen oder Wochen wird dann die Meldung die Runde machen, dass sich, schade, schade, Oli und Liz getrennt haben. Zu viele Termine, zu wenig Privatleben. Man kennt das aus den bisherigen Staffeln.

Bei der Gewinnerin hatte Oli übrigens vor ein paar Wochen einen ganz besonderen Trick angewendet. Als er Liz und ihren Eltern in Eberswalde einen Besuch abstattete, trug er ein Fläschchen vom Rhein im Gepäck. „Ich bringe dir einen echten Düsseldorfer Liebestrunk mit“ säftelte der lederbejackte Beau schon an der Tür und hielt der Blondine eine mit Luftschlangen verzierte Killepitsch-Flasche hin. „Ich bring mal ne ganze Pulle mit und versuch’s dann damit auch nochmal“, ergänzte er direkt danach im später eingespielten Kommentar. „Das ist dein Liebstrunk so, ja?“, fragte die Beschenkte nach dem ersten Schluck ungläubig und formulierte dann ihr Urteil über den Kräuterlikör: „Der brennt aber.“

Das bestärkte Oli in seinem Tun. „Ich wollte, dass es so richtig knistert“, schmalzte er. Eine Weile musste er dann aber schon noch warten, bis er Liz seine Zunge in den Hals stecken und große Gefühle simulieren durfte. So ganz stante pede scheint Killepitsch dann wohl doch nicht zu wirken.

Da hatte er es bei den anderen Kandidatinnen oft leichter. Die meisten ließen sich ziemlich rasch mit Küssen beglücken, und der Bachelor schnäbelte, was das rheinische Schnütchen hergab. In späteren Folgen verschwand Oli dann auch noch mit diversen Damen des Nachts im Separee. Was dort geschah, darüber schweigt der sonst so zeigefreudige Sender. Er tat das natürlich, um die Spekulationen anzuheizen. Haben sie oder haben sie nicht? So sollten die Zuschauer denken.

Angesichts der Inszenierung tut man sich schwer, den Vorwurf zu entkräften, RTL habe da nur eine besonders perfide Form medialer Edelprostitution inszeniert. Dass die Errungenschaften der Frauenbewegung auf dem Altar der zu erzählenden Liebesdramen geopfert wurden, war eh klar. Frauen sind in diesem Format durchweg Mädels. Männer sind die Bestimmer, und wer als Frau was werden will, hat sich dem Wollen der Herren zu fügen.

Insofern stellt sich die Frage, ob der Bachelor nun Werbung für Düsseldorf war oder nicht. Was denkt die Fernsehrepublik nun über die Männer dieser Stadt? Die klugen Zuschauer werden wissen, dass nicht alle maskulinen Vertreter hierzustadt als Personal Trainer arbeiten. Oli arbeitet als Personal Trainer. Das ist ein sportlicher Beruf, der indes in dem Ruf steht, das männliche Gegenstück zur Schmuckdesignerin zu sein.

Oder zur Webdesignerassistentin. Was man halt so angibt, wenn man eigentlich nichts zu tun hat außer schön sein zu müssen. Im Interesse der heimischen Wirtschaft kann es indes nicht schaden, wenn das Tun des Bachelors als Handlungsanleitung benutzt wird. Dann stehen demnächst ganz viele junge Männer vor den Türen ihrer Liebsten. Mit einer Flasche Killepitsch, dem Liebestrunk aus dem Bachelor. Es soll ja knistern oder knattern.

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