Der Streit mit der CDU eskaliert – mitten im Wahlkampf. Jetzt sind die Diplomaten dran.

Düsseldorf. Ein bisschen skurril ist er schon, der Streit zwischen den Kleingärtnern auf der einen sowie CDU und Oberbürgermeister Dirk Elbers auf der anderen Seite. Denn eigentlich war die Kuh längst vom Eis. Rückblende: Es geht um 4.200 Rückbauforderungen, mit denen das städtische Gartenamt die hiesigen Kleingärtner überzogen hatte.

Wie berichtet, bekamen die Laubenpieper in einem Musterprozess Recht - woraufhin Elbers höchstselbst zusagte, die Stadt werde sich bei den anderen Streitfällen kulant zeigen. Bumms aus, Thema erledigt. Eigentlich.

Doch ein Beitrag von Peter Vossen, Chef des Stadtverbandes der Düsseldorfer Kleingärtner, im Kleingärtner-Magazin "Das Blatt" sorgte für Rauschen auch im restlichen Blätterwald. Indirekt rief er seine Mitstreiter dazu auf, bei der Kommunalwahl nicht die CDU zu wählen: "Auf keinen Fall sollte man aus Unkenntnis sich den eigenen ,Henker’ wählen. Es ist schon befremdend, dass die zurzeit regierende Partei sich jeglicher Stellungnahme enthält."

Chef der Kleingärtner wirft Elbers vor, die Unwahrheit gesagt zu haben

Das wiederum brachte Elbers in Rage. Im Express wetterte er: "Das Leben ist keine Einbahnstraße. Wenn man mich erpressen will, gehen bei mir die Schotten dicht." Wahr sei vielmehr, dass er stets das Gespräch mit den Kleingärtnern gesucht habe.

Vossen schoss umgehend zurück: "Unwahr und falsch" sei das. Nur mit Elbers’ persönlichem Referenten habe es ein kurzes Gespräch gegeben. Daraufhin keilte CDU-Ratsfrau Annelies Böcker zurück. Sie kritisiert, die Kleingärtner würden "Stimmung gegen eine Partei" machen.

Maximaler Schaden also - mitten im Wahlkampf. 97 Kleingartenvereine mit 8.000 Parzellen gibt es in der Stadt. Insgesamt würden 24.000 Düsseldorfer "diskriminierend ins Abseits" gestellt, ätzt Peter Vossen.

Die SPD gießt derweil genüsslich Öl ins Feuer: "Ich habe die Verwaltung frühzeitig angesprochen und gesagt: Lasst den Streit nicht eskalieren. Leider ist nichts passiert", sagt Fraktionschef Günter Wurm, selbst Kleingärtner. Die Gunst der Stunde ließ er sich nicht entgehen - und drehte am Freitagnachmittag im eigenen Gärtchen ein Wahlkampf-Video fürs Internet. Seine Botschaft: "Die Verwaltung war ziemlich pingelig - kleingeistig statt kleingärtnerisch."

CDU-Fraktionschef Friedrich Conzen übt sich indes in Diplomatie. Am Freitagabend folgte er einer Einladung des Gerresheimer Vereins "Hambach’sche Wiese" zum gemütlichen Beisammensein. "Wenn so ein Thema in der Luft liegt, muss man Farbe bekennen und hingehen." Unverkennbar: Die Union ist um Schadensbegrenzung bemüht. "Klar ist, dass die Verwaltung mit Augenmaß handeln muss", sagt Conzen. Das habe Elbers auch dem Gartenamt gesagt. Der OB sei "auf 180 gewesen" ob des unnötig eskalierten Streits.

Grün-Dezernentin Helga Stulgies hat die noch offenen Streitfälle derweil zur Chefsache erklärt. Rund 200 Verfahren gebe es noch, "um die werde ich mich persönlich kümmern, damit ich sicher bin, dass es keine kleinkarierten Lösungen gibt." Einen ersten Erfolg kann sie schon vermelden: Der Streit um den Lohauser Mammut-Baum ist entschärft, er darf stehen bleiben). Wer weiß: Eines Tages wächst vielleicht doch noch Gras über die Sache...

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer