29-Jähriger soll noch mehr Frauen zur Prostitution gezwungen haben. Ermittler finden 122.000 Euro Bargeld in Wohnung.

Düsseldorf. Der Fall gehörte für die Düsseldorfer Ermittler zu den schockierendsten im vergangenen Jahr: Ein 29-Jähriger soll sich für zwei junge Frauen als „Heiliger“ überhöht und sie so zur Prostitution gedrängt haben. Zum Teil mehr als 18 Stunden am Tag, so glauben die Ermittler, ließen die Frauen fast alles mit sich machen, um 1000 Euro täglich an ihren „Gesandten“ übergeben zu können – gelang das nicht, geißelten sie sich selbst. Der Mann und sein Komplize (26) sitzen weiterhin in U-Haft, bald sollen sie angeklagt werden. Und das wohl auch wegen weiterer Taten.

Der mutmaßliche Haupttäter wollte inzwischen eigentlich wieder auf freiem Fuß sein. Doch jetzt wurde seine Haftprüfung abgelehnt. „Er darf nicht raus“, sagt Staatsanwalt Stefan Willkomm (Foto: Juliane Kinast). Auch der 26-Jährige, der dem Mann wohl ebenfalls hörig war und sich auf dessen Geheiß sogar einen Finger abgeschnitten haben soll, sitzt noch hinter Gittern. Inzwischen weiß Willkomm: Die beiden Frauen, die von der Düsseldorfer Polizei aus den Fängen des Duos befreit wurden, waren offensichtlich nicht die einzigen Opfer. „Es gibt weitere Geschädigte“, sagt der Staatsanwalt.

Mit der so genannten Loverboy-Masche sollen sie Mädchen abhängig gemacht und ebenfalls zur Prostitution gedrängt haben. Zudem brachten sie die Opfer wohl dazu, Kredite aufzunehmen – strichen selbst aber das Geld ein. Daran verdiente der Beschuldigte ganz offenkundig nicht schlecht: Neben den 90 000 Euro, welche die Ermittler schon bei der Durchsuchung nach der Festnahme gefunden hatten, tauchten jetzt weitere 122 000 Euro auf.

Einige dieser zusätzlichen Taten seien bereits angeklagt worden, erklärt Willkomm. Erstehe aber in Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Köln, um möglicherweise Verfahren noch zu bündeln und gemeinsam zu verhandeln.

Viel Zeit nahm die Arbeit mit den beiden Opfern (25 und 29) in Anspruch, für die im Oktober plötzlich eine Welt zusammenbrach, als sie ihren „Heiligen“ verloren. „Die Vernehmungen sind aber fast abgeschlossen“, sagt Willkomm. Der psychische Zustand der Frauen sei nach wie vor wackelig: „Ich kann nicht sagen, dass es ihnen gut geht.“ Zumal der Haupttäter eine von ihnen möglicherweise auch noch vergewaltigt hat. Einer von vielen möglichen neuen Vorwürfen. „Die Ermittlungen gehen dem Ende entgegen“, sagt der Staatsanwalt dennoch. In den kommenden Wochen will er Anklage erheben.

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