Etwa 1000 Halsbandsittiche leben in Düsseldorf unter freiem Himmel. Eis und Schnee bedrohen sie nicht – aber Sperber und Habicht.

Düsseldorf. Der Tod lauert in der diffusen Winter-Dämmerung. Sperber und Habicht lassen sich unerkannt im Schlafbaum der Halsbandsittiche nieder - und greifen das exotische Mahl beim abendlichen Spazierflug völlig ohne Risiko ab. Die bunten Papageien können ihre kräftigen Schnäbel gar nicht erst zur Abwehr einsetzen. Das graue Licht des Sonnenuntergangs hierzulande macht sie fast blind, um ihre Feinde zu erkennen.

Die hübschen Edelschnäbel indischer Herkunft sind zwar schon bald 30Jahre in Düsseldorf heimisch. Doch an die Dämmerung, die in den Tropen schlagartig in Dunkelheit übergeht und damit sofort zu erhöhter Vorsicht mahnt, haben sie sich noch nicht gewöhnt. Im Gegensatz zu Minustgraden über Wochen, Schnee und Eis. "Die Temperaturen sind für die tropischen Tiere natürlich nicht lustig", sagt Tobias Krause vom Gartenamt der Unteren Landschaftsbehörde. "Aber die Population ist stabil." Der Diplom-Geograph und Halsbandsittich-Experte spricht von einer "ganz normalen Mortalität".

Sittiche fielen wie die Eiszapfen plötzlich vom Schlafbaum

Damit die Sittiche hier ihrer neuen Heimat beraubt werden könnten, müssten die Winter noch härter und vor allen Dingen regelmäßiger sein. Das Wetter hier sei maritim, atlantisch beeinflusst - im Gegensatz beispielsweise zu Berlin mit kontinentalem Klima. Dort könnten die Vögel nicht überleben.

Die Tiere scheinen sogar dann äußerst robust zu sein, wenn sie doch mal vom Klima eiskalt erwischt werden.

In Belgien sei mal eine Kolonie auf einem Baum von einem Eisregen heimgesucht worden. "Die Tiere sollen alle wie Zapfen vom Schlafbaum heruntergefallen sein." Kurze Zeit später hätten sie sich aber schon wieder von dem Kälteschock erholt und seien zurück auf den Baum geflattert. Krause: "Ich weiß allerdings nicht, ob das auch wirklich so stimmt."

Ohne Spuren bleibe der lange Winter für die Vögel, die einst aus dem Kölner Zoo ausgebüxt sein sollen, tatsächlich nicht. Häufig würden den Exoten auf den vereisten Bäumen die "Zehen" einfrieren. Nicht selten fehlten einigen Stücke vom Greiffuß. Auch überlebten manche schwache Papageien einen harten und langen Winter unter freiem Himmel nicht. Doch handelt es sich hierbei laut Krause nur um Einzelfälle - nicht anders, als bei anderen, heimischen Vögeln auch.

Die "Zugewanderten" erweisen sich als sehr robust

Äußerst robust zeigten sich auch andere "Zugewanderte" in der Tierwelt. Die Rotwangenschildkröten im Hofgarten seien als ausgesetzte, heimische Tiere sowieso an das Klima gewöhnt. Sie würden sich zudem frühzeitig im Schlamm des Ufers einbuddeln und im Schlaf die ersten wärmenden Sonnenstrahlen abwarten.

Nilgänse und Trauerschwäne, die eigentlich im Winter auch nicht hier zu Hause sind, behielten sogar ihren ursprünglichen biologischen Rhythmus bei und legten mitten in den Winter hinein ihre Eier. "Die können sogar im Winter brüten", erklärt Tobias Krause. Selbst sechs junge Gänse, die im Oktober im Hofgarten geschlüpft sind, hätten den Winter überlebt. Nur ein Tier fehle. Selbst bei heimischen Wasservögeln sei der Bestand da deutlich schneller reduziert.

Ein Ergebnis steht für Tobias Krause jedoch noch aus: Wie es um die Feuerlibelle steht, die eigentlich nur am Mittelmeer ihre Runden in der warmen Luft dreht und mittlerweile ebenfalls keine Unberkannte mehr in Düsseldorf ist. Dass sie auch im Sommer wieder bei uns auftaucht, ist für den Experten der Unteren Landschaftsbehörde eigentlich schon klar. Fraglich sei aber jetzt, ob auch die Larvenhülle den Winter überlebt habe und die Tiere hier schlüpfen könnten. Das will der Exoten-Experte in den kommenden Monaten genau unter die Lupe nehmen.

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