Am Samstag fand das traditionelle Neujahrsschwimmen der DLRG zum 44. Mal statt.

Düsseldorf. Als Noah erfährt, was es mit den Männern in den engen schwarzen Anzügen auf sich hat, staunt er nicht schlecht. "Die wollen wirklich im Fluss schwimmen", erkundigt sich der Neunjährige, der es sich auf seinem Schlitten bequem gemacht hat, ungläubig bei seinem Vater. Und tatsächlich fällt es beim Blick auf das schneebedeckte Rheinufer, das am Samstagnachmittag bei herrlichem Sonnenschein unzählige Spaziergänger und Rodler anlockt, schwer an eine Veranstaltung zu denken, bei der es ums Schwimmen geht. Dabei sind Schnee und eisige Temperaturen für alte Hasen beim Neujahrsschwimmen der DLRG gar nicht so ungewöhnlich: "Wir starten heute zum 44. Mal und hatten schon oft solche Witterungsbedingungen. Einmal gab es sogar minus zehn Grad, da mussten wir schauen, dass wir die Schwimmer schnell ins Wasser bekommen", erinnert sich Ali Lange. Denn anders als die Luft habe der Fluss meist noch Plusgrade. Der 68-Jährige gehört zu den Männern der ersten Stunde und frieren ist bei ihm auch jetzt nicht angesagt. "Ich habe unter dem Nasstaucheranzug nur eine Badehose an. Das reicht vollkommen. Mir ist eher etwas warm", sagt der ausgebildete Rettungstaucher, der mit zwei Kollegen die Vorhut für die Schwimmer bildet.

Von denen ist allerdings zum Start des Neujahrsschwimmens um 14 Uhr noch nichts zu sehen. "Die Busse, die die Teilnehmer vom Löricker Hafen hierher bringen sollten sind nicht gekommen. Wir versuchen jetzt den Transport anders zu organisieren", sagt Lange. Die Busse sind an diesem Wintertag nicht das einzige Problem für die Organisatoren. So ist das Hafenbecken, das als Ziel des etwa 45-minütigen Badeausflugs angesteuert wird, zugefroren. "Wir haben am Freitagabend und Samstagmorgen noch versucht, es wieder eisfrei zu bekommen. Jetzt müssen die Schwimmer etwas früher aus dem Wasser als normal", erklärt Lange. Während er routiniert auf den Start wartet, ist es manchem Neuling doch etwas unheimlich beim Gedanken, gleich in den Rhein zu steigen: "Es ist schon ein komisches Gefühl, bei dem Wetter zu schwimmen. Aber meine Vereinskameraden sind ja dabei, da wird schon nichts schief gehen", macht sich Cornelia Diete von Düsseldorfer Tauchklub Scuba Libre Mut und blickt auf die aufblasbare Palme, die ihr Team mitgebracht hat. "So bekommt das Ganze doch noch etwas karibisches Flair", sagt Diete lachend, während nun gegen 14.30 Uhr immer mehr Schwimmer zum Rheinufer an der Knie-Brücke kommen. Zum ersten Mal dabei sind auch die Schüler Lucas Buchmann und Marcel Geschwendt aus Solingen. "Ein bisschen Angst habe ich schon ins Wasser zu gehen. Es ist ein komisches Gefühl an den warmeingepackten Leuten mit ihren Schlitten vorbeizugehen. Aber wir sind ja gut vorbereitet", erklärt Marcel. Mit 15 Jahren ist er einer der jüngsten Teilnehmern des Neujahrsschwimmen.

Zu den festen Traditionen gehören auch die Verkleidungen der Schwimmer. Als Weihnachtsmänner kommen zum Beispiel die Mitglieder des Tauchvereins Happy Diving. "In den Kostümen haben wir schon unser Nikolaustauchen gemeistert. Wir hoffen, dass sie auch diesen Einsatz überstehen", sagt Franz Quix. Ein Blickfang sind neben den Indianern und Teufeln auch die Monheim Manatees, die als Wikinger an den Start gehen. "Ich bin mir allerdings noch nicht sicher, ob diese Helme beim Schwimmen wirklich von Vorteil sind", sagt Jürgen Schumacher. Im wird es, nachdem er mehr als eine Stunde im Trockentauchanzug ausharren musste, allmählich richtig warm. "Ich hoffe, dass der Rhein gleich ein wenig Abkühlung bringt", sagt der Wikinger als es gegen 15 Uhr endlich losgeht. Unter dem Jubel der Zuschauer steigen die Schwimmer in den Rhein und sind schon wenige Minuten später in Richtung Lörick verschwunden. "Denen ist wohl doch kalt. Deshalb schwimmen die schnell nach Hause , ist sich Noah sicher, der sich jetzt wieder voll und ganz dem Rodeln widmen kann.

220 Teilnehmer aus 36 Vereinen waren angemeldet. Rund 80 Schwimmer haben wegen der Witterung ihre Anmeldung zurückgezogen. Die jüngsten Schwimmer sind 15, der älteste ist mit 74 Alfred Linnemann aus Düsseldorf. Am weitesten angereist ist Harald Jürgler aus Stuttgart.

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