Die Bügerstiftung gibt 28 000 Euro für Theater- und Aufklärungsprojekte an Schulen, wo sich Beleidigungen und Belästigungen häufen.

Kampagne
Die Schüler Jessica Berger und Tobias Corsten besuchen die Theodor-Litt-Realschule. Beide haben in ihren Klassen bereits intensive Erfahrungen mit Cyber-Mobbing gemacht.

Die Schüler Jessica Berger und Tobias Corsten besuchen die Theodor-Litt-Realschule. Beide haben in ihren Klassen bereits intensive Erfahrungen mit Cyber-Mobbing gemacht.

Sergej Lepke

Die Schüler Jessica Berger und Tobias Corsten besuchen die Theodor-Litt-Realschule. Beide haben in ihren Klassen bereits intensive Erfahrungen mit Cyber-Mobbing gemacht.

Düsseldorf. Es geht um Beleidigungen, Belästigungen, Aggressionen, sexuelle Handlungen und Darstellungen von Gewalt. Opfer sind häufig Schüler, die in sozialen Netzwerken wie Facebook unterwegs sind. Viele von ihnen haben mit Cyber Mobbing bereits Erfahrungen gemacht, entweder sie wurden selbst Opfer einer Attacke oder sie erlebten Diffamierungen in der Klasse.

Auch Jessica Berger gehört dazu. Sie besucht die 10. Klasse der Theodor-Litt-Realschule. „Bei uns ist das häufig aufgetreten“, sagt die 15-Jährige. „Angefangen hat das in der 6. Klasse. Anfangs ging es nur um Beleidigungen einer Mitschülerin.“

Als hässlich sei sie in der Facebook-Gruppe der Schüler bezeichnet worden – und als schlampig. Und dann wurden auch Nacktbilder von der Klassenkameradin ins Internet gestellt. Auslöser war offenbar eine beendete Jugendliebe. Als die Welt noch in Ordnung war, soll sie ihrem Freund ein Nacktfoto von sich geschickt haben. Später sei dies aus Rache wegen der gescheiterten Beziehung in Umlauf gebracht worden. Jeder habe das Bild gesehen.

Dem unsichtbaren Phänomen soll ein Gesicht gegeben werden

Das Phänomen ist längst kein Einzelfall mehr und verbreitet an allen Schulen, sagt Hans-Gerd Pröpper, Leiter der Theodor-Litt-Realschule. „Das ist wie beim Rauschgiftproblem. Wenn mir ein Schulleiter erzählt, an seiner Schule gebe es das nicht, werde ich skeptisch.“ Laut Pröpper sei es wichtig, dem Phänomen, das unsichtbar ist, ein Gesicht zu geben – mit Bildern. „Damit jeder weiß, wovon gesprochen wird.“

Genau das soll jetzt geschehen. An 16 Düsseldorfer Schulen. Die Bürgerstiftung Düsseldorf nimmt dafür 28 000 Euro in die Hand. „Die jungen Leute nutzen das Internet alle. Spätestens ab der fünften Klasse haben alle Schüler ein internetfähiges Handy“, beschreibt Suzanne Oetker von Franquet, Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung, die Zielgruppe für die Kampagne, in der es um nachhaltige Prävention gehe.

Zwei Aufführungen gibt es. Das Stück „ra@usgemobbt.de“ (ein Musical) richtet sich an Neun- bis Zwölfjährige und bietet bereits Lösungsschritte an. Das Stück „R@usgemobbt 2.0“ (für 13- bis 16-Jährige) hat dagegen kein gutes Ende und mündet in eine Diskussion. Bei beiden Aufführungen geht es um die missbräuchliche Nutzung von Smartphones oder Computern. Es gibt moderierte Nachgespräche und Begleitmaterial.

www.comic-on.de

16 Schulen haben signalisiert, dass sie mitmachen. Es handelt sich um Gesamt-, Real-, Haupt- und Förderschulen, an denen eine finanzielle Unterstützung durch Fördervereine nicht geschultert werden kann.

Dafür wurde die Kölner Theatergruppe „Comic on!“ gewonnen. Mit Aufführungen zu dem Thema (siehe Kasten) sollen die Schüler sensibilisiert werden. „Wir können die Probleme der Schüler nicht lösen, auch nicht die Probleme der Jugendlichen, aber wir können Impulse setzen“, glaubt Theaterleiter Franz Zöhren. Dafür sollen ausgebildete Schauspieler sorgen.

Welche Dimension „Cyber Mobbing“ hat, zeigt sich bereits bei der Bewertung, wann Schüler sich gemobbt fühlen. Nur „eine Beleidigung“ sei nicht so schlimm, meint Jessica. „Aber wenn es ständig so geht, mehr als eine Woche.“ Und oft gehe es dabei darum, dass Schüler gemobbt werden, weil sie keine Markenklamotten tragen.

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