Die Kultureinrichtung will in der Stadt präsenter sein und braucht eine größere Halle.

Zakk-Chef Jochen Molck hofft, dass die Stadt sich dafür einsetzt, dass die Lagerhallen (im Hintergrund) gleich gegenüber seines Hauses an der Fichtenstraße kreativ genutzt werden.
Zakk-Chef Jochen Molck hofft, dass die Stadt sich dafür einsetzt, dass die Lagerhallen (im Hintergrund) gleich gegenüber seines Hauses an der Fichtenstraße kreativ genutzt werden.

Zakk-Chef Jochen Molck hofft, dass die Stadt sich dafür einsetzt, dass die Lagerhallen (im Hintergrund) gleich gegenüber seines Hauses an der Fichtenstraße kreativ genutzt werden.

Bernd Schaller

Zakk-Chef Jochen Molck hofft, dass die Stadt sich dafür einsetzt, dass die Lagerhallen (im Hintergrund) gleich gegenüber seines Hauses an der Fichtenstraße kreativ genutzt werden.

Düsseldorf. Der erste Auftrag, den Jochen Molck für das Zakk erledigte, führte ihn nach Südafrika. Damals scheute man weder Kosten noch Mühen, um dem Anspruch von politischer Korrektheit zu genügen. 20Jahre liegt das Projekt zurück. Jochen Molck ist mittlerweile Geschäftsführer des "Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation" (Zakk), und er reist für sein Haus schon lange nicht mehr um die halbe Welt. Genau genommen konzentriert sich sein Blick derzeit auf Düsseldorf, denn der neue Anspruch des Zakk lautet: Erweiterung.

In Derendorf könnte ein zweites Zakk entstehen

"Wir suchen eine Dependance", bestätigt Jochen Molck auf WZ-Anfrage. Bereits seit einem halben Jahr laufen dazu Verhandlungen mit der Fachhochschule, die auf dem alten Schlachthofgelände in Derendorf einen neuen Campus baut. Unter anderem entsteht dort eine neue Jugendfreizeiteinrichtung sowie eine Mehrzweckhalle. Beides, meint Molck, sind ideale Locations für ein zweites Zakk. "Derendorf könnte der Nord-, die Fichtenstraße der Süd-Standort werden."

In der vergangenen Woche jedoch verschaffte ein Gespräch mit der Präsidentin der Fachhochschule Ernüchterung. "Die FH braucht die Räume, das wird also schwierig", meint Molck.

160.000 Besucher und 600 Veranstaltungen zählte das Zakk im vergangenen Jahr. "Wir lassen mittlerweile Termine parallel stattfinden, weil die Nachfrage da ist", sagt Molck. Ein echtes Pfund sind die Konzerte. Doch da hakt es: Der Raum ist knapp, die technischen Ansprüche der Musiker sind hoch.

"Eine Band wie Element of Crime kommt nicht mehr zu uns, weil sie nur noch 2000er-Hallen bedient", sagt Molck. "Wir haben nur Platz für 900." Neuerdings muss er sich gegenüber Musikbands vertraglich verpflichten, sie in eine größere Halle zu entlassen, wenn einen Monat vor dem ursprünglich im Zakk geplanten Konzert mehr als 800Karten verkauft sind. Die Anmietung anderer Hallen in der Stadt kommt für Molck nicht in Frage. "Das ist für uns zu teuer, wir zielen ja nicht auf Gewinn ab."

"Es müsste bei der Stadt jemanden geben, der sich ausschließlich um die Zwischennutzung außergewöhnlicher Standorte kümmert."

Jochen Molck, Zakk-Chef, über die Raumnot der bunten Szene

Das Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation wurde 1977 gegründet. Der jährliche Etat liegt bei 2,5Millionen Euro. 703000Euro schießt die Stadt zu. Den Rest erwirtschaftet das Zakk über Eintritt und Gastronomie.

Jochen Molck wurde vor 50Jahren in Flingern in der Flurklinik geboren. Er hat Geschichte und Geographie studiert und arbeitete anschließend als Journalist. Im Zakk war er zunächst für Programm und Presse zuständig, heute ist er dort Geschäftsführer.

Zum Kapazitätsproblem kommt die Veränderung der Umgebung. "Früher gab es hier Werkstätten, Lagerhallen und ein paar Schrauber", sagt der Zakk-Chef. "Heute sind es Gerichte, und gleich um die Ecke wird ein Einkaufscenter gebaut. Unsere Straßenbahnhaltestelle an der Fichtenstraße sind wir bald los, weil sie zugunsten einer Haltestelle weiter unten an der Werdener Straße vor den Gerichten aufgegeben wird, und die Buslinie 736 fährt nur tagsüber durch die Fichtenstraße. Dadurch sind wir nur schwer zu erreichen."

Das Areal gegenüber des Zakk, das zeitweise auch von Künstlern genutzt wurde, hat die britische Immobiliengesellschaft Segro gekauft. Um die kreativen Szene dort zu erhalten, hat die Stadt mit dem Investor darüber verhandelt, die historischen Lagerhallen in Ateliers umzuwandeln. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe ist jedoch skeptisch. "Ein Umbau wird schwierig." Außerdem habe man von dem Investor schon länger nichts mehr gehört. "Das wäre eine Chance gewesen", meint Molck. Seitdem Stahlwerk und Tor3 ihr Partyprogramm kräftig zurückgefahren haben, ist es um das ehemalige Bermuda-Dreieick still geworden. "Früher dachten wir, so viel Konkurrenz könnte uns schaden. Aber in Wirklichkeit hat sie die Ecke belebt", sagt Molck heute.

2009 hat das Zakk 25Veranstaltungen auswärts stattfinden lassen - so viele wie noch nie. Etwa im Schauspielhaus, im Hofgarten oder in Schloss Benrath. Da kann man leicht vergessen, wer der Ideengeber war. Diese Gefahr sieht auch Molck. "Deswegen wollen wir unsere Präsenz in der Stadt an einem festen Standort verstärken."

Bezahlbar sei das. "Wenn wir eine vorhandene Infrastruktur nutzen und auch ein Café einrichten können, kommen wir klar." Müsse etwas Neues geschaffen werden, könnten etwa Landesmittel beantragt werden. "Das ist eine einmalige Investition, die Kosten für den laufenden Betrieb übernehmen wir."

Für größere Konzerte jedoch nähme er auch Übergangslösungen in Kauf. "Es müsste bei der Stadt jemanden geben, der ausschließlich für die Zwischennutzung außergewöhnlicher Orte zuständig ist. Das suchen doch viele in der bunteren Szene."

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