Ben Redelings hat wahrscheinlich den besten Job der Welt: Er redet über Fußball – und das äußerst amüsant und scharfzüngig.

interview
Lästereien auf hohem Humorniveau: Der Bochumer Ben Redelings gastiert am Donnerstag im Zakk.

Lästereien auf hohem Humorniveau: Der Bochumer Ben Redelings gastiert am Donnerstag im Zakk.

Tim Kramer

Lästereien auf hohem Humorniveau: Der Bochumer Ben Redelings gastiert am Donnerstag im Zakk.

Düsseldorf. Ben Redelings bezeichnet sich selbst als „wandelndes Lexikon der Fußball-Anekdoten“. Seit Jahren schreibt der Bochumer Bücher über die amüsanten Aspekte des Fußballs und tourt mit seinem Bühnenprogramm durch Deutschland. Donnerstag kommt er mit „Als die Axt den Toaster warf – Die schönsten Geschichten internationaler Fußballstars“ ins Zakk.

Herr Redelings, Fußball und Spaß passen in Düsseldorf gerade eher weniger zusammen. Die Fortuna hat in den vergangenen acht Spielen genau ein Tor geschossen. Wissen Sie, worauf Sie sich einlassen?

Ben Redelings: Oh, dass es so schlecht läuft, war mir gar nicht bewusst. Aber das dürfte kein Problem sein. Ich war während der Tour auch in Hamburg, als der HSV und St. Pauli überhaupt keine Spiele gewonnen haben. Auch da hatten die Leute einen schönen Abend. Außerdem kann ich allen Fortuna-Fans große Hoffnungen machen. Der VfL Bochum (Fortunas Gegner am Freitag, Anm. d. Red.) hat ein Samaritersyndrom. Jeder, bei dem es nicht läuft, kann sich freuen, wenn er auf Bochum trifft. Bei uns in den Zeitungen wird gerade mit dem Slogan „unschlagbar“ geworben. Das hat mich an die Zeiten erinnert, als sich der VfL als „unabsteigbar“ bezeichnet hat. Kurz danach sind wir abgestiegen, „unschlagbar“ ist also kein gutes Omen für Bochum.

Sind Sie morgen im Stadion oder haben Sie gleich den nächsten Auftritt?

Redelings: Klar, die Tour wird immer an den Spielplan angepasst. Ich habe immer noch eine Stehplatz-Dauerkarte für die Ostkurve. Hin und wieder gehe ich aber auch woanders hin, wenn ich meine beiden Jungs mitnehme. Die führe ich gerade an den Verein heran.

„Als die Axt den Toaster warf – Die schönsten Geschichten internationaler Fußballstars“. Termin  Donnerstag ab 20 Uhr im Zakk, Fichtenstraße, Tickets an der Abendkasse für 15 Euro.

Halten Sie es für eine gute Idee, den Jungs das Leben von Anfang an schwerzumachen?

Redelings: Absolut, der Fußball bereitet einen ja aufs Leben vor, dann sind sie auf jeden Fall schon mal auf spätere Momente des Leidens vorbereitet. Und manchmal gibt es ja auch Erfolgserlebnisse. Vereine wie der VfL oder die Fortuna spiegeln das normale Leben eines Alltagsbürgers wieder.

In Ihrem Bühnenprogramm konzentrieren Sie sich auf die heiteren Seiten des Geschäfts. Wie unterscheidet sich das aktuelle von Ihren früheren Programmen?

Redelings: Ich bin jahrelang mit Geschichten von deutschen Protagonisten umhergezogen. Mit Geschichten über den 32-Minuten-Schiri Wolf-Dieter Ahlenfelder, mit Peter Neururer, „Ente“ Lippens, Lothar Matthäus und natürlich Thorsten Legat, mit dem ich jahrelang unterwegs war. Irgendwann dachte ich mir: Es muss diese Jungs doch auch im internationalen Fußball geben. Und dann habe ich das Zitat von Mark Draper entdeckt: „Ich würde gerne für einen italienischen Verein spielen, Barcelona oder so.“

Also die englische Variante von Andy Möllers „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“. . .

Redelings: Ja, original wie Andy Möller bei uns. Mit dem Spruch fange ich immer an. Wenn die Gäste dann „Möller“ rufen, weiß ich gleich, dass ich Fachpublikum im Saal habe. Ich habe mich dann auf die Suche nach weiteren Sprüchen und Anekdoten von internationalen Typen gemacht. Die Messlatte war, ein Unikat wie Thorsten Legat zu finden. Mal sehen, ob ich das geschafft habe.

Was immer wieder auffällt: Wer über legendäre Typen im Fußball spricht, bemüht meistens die Historie. Auch bei Ihnen geht es jetzt um Maradona, Beckham oder Cantona. Stimmt das Klischee, dass die aktuelle Spielergeneration solche Leute nicht mehr kennt?

Redelings: Der heutige Fußball ist schon sehr clean, aber es gibt noch richtige Typen. Mario Ballotelli zum Beispiel oder Zlatan Ibrahimovic – einer meiner absoluten Favoriten. Und wenn man ehrlich ist: So viele waren es früher auch nicht. Ausnahmetalente wie Ahlenfelder oder der „weiße Brasilianer“ Ansgar Brinkmann gab es auch nicht überall. Aber es stimmt schon, dass die Spieler heute abgeklärter sind.

Der Fußball steckt ja generell in einer Sinnkrise. Können Sie überhaupt noch unbeschwert ins Stadion gehen, wenn Sie an die Korruptionsskandale in Fifa, Uefa und DFB, Wettmanipulation, Doping und das viele Geld denken?

Redelings: Ich kann mich nicht davon freisprechen, dass die immer weiter fortschreitende Kommerzialisierung einen abstumpfen lässt. Am Ende bleibt aber trotzdem die Liebe zum Spiel und zu den Protagonisten.

Das heißt, wenn der Ball rollt, ist alles drumherum vergessen?

Redelings: Man kann das trennen. Wenn man Bochum- oder Fortuna-Fan ist, geht man ja nicht nur wegen des Spiels ins Stadion, sondern auch um Freunde zu treffen. Auch zu meinen Bühnenabenden kommen Leute, die das Ding als Ganzes lieben, dieser Erinnerungsmoment, dieses Nostalgische. Aber es kommen auch Leute, die gar nicht so nah am Fußball dran sind und sich einfach auf einen Abend mit schönen Geschichten freuen.

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