Befürworter misstrauen der Politik und trommeln erneut für die Einführung. Den angepeilten Preis von 22,50 Euro finden sie aber zu hoch.

Bei einer Aktion protestierten verurteilte Schwarzfahrer gegen hohe Preise im Nahverkehr.
Bei einer Aktion protestierten verurteilte Schwarzfahrer gegen hohe Preise im Nahverkehr.

Bei einer Aktion protestierten verurteilte Schwarzfahrer gegen hohe Preise im Nahverkehr.

Bernd Schaller

Bei einer Aktion protestierten verurteilte Schwarzfahrer gegen hohe Preise im Nahverkehr.

Düsseldorf. Der Kampf um ein Sozialticket dauert schon über zehn Jahre, nun sieht es so aus, als seien seine Befürworter endlich am Ziel: Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat für sein Gebiet die Einführung beschlossen, am 1. Juni soll das Ticket kommen. Doch nun wachsen die Zweifel, ob dies auch wirklich umgesetzt wird.

Laut dem SPD-Verkehrsexperten Martin Volkenrath gibt es zurzeit noch Finanzierungslücken. Für das VRR-Gebiet ist mit jährlichen Kosten von 38 Millionen Euro zu rechnen, 30 Millionen sollen vom Land kommen. Dessen Haushalt wird aber zurzeit noch geprüft, zudem stehen viele beteiligte Ruhrgebietsstädte finanziell sehr schlecht da.

Ein Aufruf geht an Zeitkartennutzer, Bedürftige „mitzunehmen“

Vor diesem Hintergrund hat gestern ein Verbund von Initiativen eingeladen, um seine Forderung nach dem Sozialticket zu bekräftigen: „Wir befürchten, dass die Politik das immer weiter verschleppt“, sagte etwa Winfried Gather von der Katholischen Arbeiterbewegung.

Diakonie-Pfarrer Torsten Nolting betonte noch einmal die Notwendigkeit des Tickets. Die Armutsquote liege in Düsseldorf mit 13 Prozent hoch. Darunter seien auch viele ältere Menschen, die zunehmend vereinsamten, wenn sie es sich nicht leisten könnten, Bus und Bahn zu nutzen. Immer wieder werden zudem Menschen aus der Stadt zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie wiederholt ohne Fahrschein in Kontrollen geraten.

Zurzeit sind als Preis für das Sozialticket 22,50 Euro im Monat angesetzt. Holger Kirchhöfer von der Altstadt-Armenküche hält das für zu viel: „Im Hartz-IV-Regelsatz sind 12 Euro für Nahverkehr vorgesehen.“ Im Vorjahr sei noch von einem Preis von 16 Euro die Rede gewesen.

Einige Städte haben das Sozialticket bereits eingeführt. In Köln kostet es 28 Euro monatlich. Dortmund startete mit 15 Euro, hat den Preis jetzt aber auf über 30 Euro erhöht.

Aus der Politik ist schon zu hören, man müsse über Alternativen nachdenken, wenn die geplante Einführung nicht zu finanzieren sei. Ein Weg könnte sein, statt Monatskarten ein Kontingent an verbilligten Einzelfahrscheinen anzubieten.

Die Initiative rief gestern noch einmal alle Inhaber von Monatskarten auf, sich an der Aktion Freifahrt zu beteiligen. Wer mit seinem Ticket berechtigt ist, nach 19 Uhr und an Wochenenden eine Person mitzunehmen, solle das durch einen runden roten Anstecker zu erkennen geben. Diese gibt es etwa in der Altstadt-Armenküche am Burgplatz, bei Fifty-Fifty in der Jägerstraße 15, bei Bibabuze, Aachener Straße 1 und in vielen Kneipen.

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