Die Analyse der Zahlen reißt aber auch die SPD aus ihrer Jubelstimmung. Die FDP profitiert von den CDU-Verlusten, die Grünen stagnieren.

Auch die Grünen jubelten – allerdings mehr über den rot-grünen Sieg im Land als über die 1,3 Prozentpunkte Verlust in Düsseldorf.
Auch die Grünen jubelten – allerdings mehr über den rot-grünen Sieg im Land als über die 1,3 Prozentpunkte Verlust in Düsseldorf.

Auch die Grünen jubelten – allerdings mehr über den rot-grünen Sieg im Land als über die 1,3 Prozentpunkte Verlust in Düsseldorf.

Bombenstimmung herrschte am Sonntagabend bei der FDP, Robert Orth (re.) verteilte Fortuna-Feuerzeuge.

Michaelis, Bild 1 von 3

Auch die Grünen jubelten – allerdings mehr über den rot-grünen Sieg im Land als über die 1,3 Prozentpunkte Verlust in Düsseldorf.

Düsseldorf. Dass Wahlsieger sogleich angriffslustig die nächste Wahl ins Visier nehmen, ist fast selbstverständlich. Auffällig war hingegen, dass am Abend der Landtagswahl auch in der vernichtend geschlagenen CDU ungefragt auf die Bundestagswahl 2013 und die Kommunalwahl 2014 verwiesen wurde: meist mit der trotzigen Parole, da werde man die Sache wieder drehen. Das gleiche tat FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus: „Heute darf sich die SPD ausnahmsweise freuen, bei den nächsten Wahlen aber wird wieder Schwarz-Gelb vorne sein.“

Seine Partei hatte zwar fantastisch abgeschnitten, aber wenn man die „gelben“ 12,7 Prozent mit den 25,7 von der CDU addiert, kommt man nicht im entferntesten auf die 48 Prozent, die Rot-Grün abräumte. Schleicht sich bei der seit 1999 im Rathaus regierenden CDU-FDP-Koalition Nervosität ein, beginnt das Pfeifen im Walde?

Auf jeden Fall dürfte die ohnehin sehr einflussreiche FDP im Rathaus noch selbstbewusster agieren. Die Wahlanalyse in der CDU am Mittwoch hingegen wird sicher nicht bei der Schuldzuweisung an Ober-Buhmann Norbert Röttgen verharren. Allein, weil man noch unter dem Landesergebnis landete.

Deshalb warnt Ratsherr Stephan Friedel: „Wir müssen aufpassen, im Moment liegen wir wahrlich nicht im Trend. Es wird nicht reichen, permanent die Schuldenfreiheit hochzuhalten.“ Und auch wenn FDP-Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sofort von der miesen Landes- und der tollen Stadt-CDU sprach, so fragen sich viele Christdemokraten: Unterscheidet so auch der Wähler? Fraktionsgeschäftsführer Christian Zaum glaubt das zwar, sagt aber auch: „Das war ein Warnschuss. Wir müssen klar analysieren, was wir wahlkampftechnisch verbessern können.“

Auf der anderen Seite ist der zunächst brachiale Optimismus bei der SPD mental zwar verständlich, sachlich aber stark übertrieben. Gestern sprach Fraktionsgeschäftsführer Jochen Wirtz denn auch nüchterner von „der geschafften Trendwende“.

Wieder übten in den bürgerlichen, CDU-dominierten Stadtteilen die meisten Wähler ihr Stimmrecht aus: in Kalkum (78,6 %), Himmelgeist (78,4 %) und Angermund (76,1 %). In vier Stadtteilen gingen weniger als die Hälfte an die Urne: in Garath (44,6 %), Flingern-Süd (46,3 %), Lierenfeld (47,7 %) und Hassels (48,9 %). Darunter hat vor allem die Linke gelitten.

In der Tat: Gegenüber der desaströsen Kommunalwahl 2009 (23,3 %) und der letzten Landtagswahl (29,1) hat die SPD zwar markant zugelegt. Gleichwohl bleiben die 34,1 % ein bescheidenes Resultat – selbst 2005 beim Rüttgers-Sieg in NRW kam man in Düsseldorf auf 36 %. Und: Lokal liegt sie wieder fünf Punkte unter dem Landesergebnis.

Piraten profitieren vor allem von den Verlusten der Linkspartei

Profitiert haben die Sozialdemokraten vom Absturz der Linkspartei. Und davon, dass der Höhenflug der erfolgsverwöhnten Grünen zumindest ins Stocken geraten ist. Die liegen zwar wie immer über dem Landesergebnis, verloren gegenüber 2010 aber in 47 von 49 Stadtteilen.

Bei der Frage nach Wählerwanderungen gibt die Analyse des Amtes für Statistik und Wahlen zwei gesicherte Antworten: Die FDP hat kräftig Stimmen von CDU-Anhängern bekommen; die Piraten, die insgesamt auf gut 18 000 Wähler in Düsseldorf kommen, haben nicht der FDP und nicht den Grünen, sondern der Linken Stimmen abgeluchst. Das zeigt auch ihre besondere Stärke in Stadtteilen wie Oberbilk, Reisholz oder Lierenfeld.

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