Der allseits respektierte, aber auch beliebte Dezernent für Ordnung, Verkehr und Sport, ist völlig überraschend mit 63 Jahren gestorben.

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Werner Leonhardt ist am Freitag ganz unerwartet gestorben. (Archiv

Werner Leonhardt ist am Freitag ganz unerwartet gestorben. (Archiv

Nanninga

Werner Leonhardt ist am Freitag ganz unerwartet gestorben. (Archiv

Düsseldorf. Am Donnerstag hat Werner Leonhardt noch, wie so oft, lange abends in seinem Büro in der Zollstraße gearbeitet. Das Verkehrskonzept für den Kö-Bogen, der U-Bahnbau, die großen Projekte beschäftigten den Dezernenten in seinen letzten Arbeitsstunden. Am Freitagmorgen wollte sein Fahrer den Beigeordneten daheim in Rösrath abholen. Doch da war der 63-Jährige Werner Leonhardt gerade völlig unerwartet gestorben.

Die Nachricht vom plötzlichen Tod des Beigeordneten trifft neben seiner Frau und den drei Kindern auch das gesamte Rathaus schwer. "Ich bin zutiefst erschüttert", sagt Oberbürgermeister Dirk Elbers: "Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, die er über alles liebte." Eine ganz ausgezeichnete Arbeit habe Leonhardt in den vergangenen 14 Jahren für die Stadt geleistet, "das gilt gleichermaßen für den Bereich Ordnung, den Sport und die Verkehrsplanung", erklärt Elbers.

Der Prototyp des pflichtbewussten Beamten, ohne ein Bürokrat zu sein

Ganz besonders getroffen sind natürlich Leonhardts engste Mitarbeiter: "Wir sind so traurig und fassungslos," sagt Monika Funk, seit 14 Jahren seine Sekretärin. "Es war ein schönes Arbeiten mit ihm, er war sehr gradlinig, das haben wir geschätzt", sagt sie. Auch Bernd Thomas kann die Nachricht vom Tod seines Chefs noch gar nicht begreifen. Seit zehn Jahren ist er Referent für das große Verkehrsdezernat. Noch am Vorabend hatte Thomas mit Leonhardt eine Besprechung. "Er wollte die großen Themen noch steuern und nächstes Jahr Weihnachten in den Ruhestand gehen", sagt Thomas. Es tue ihm so leid, dass Leonhardt, der so hart gearbeitet hat, dies nun nicht mehr erleben kann: "Er hat sich so auf diese Zeit nach dem Job gefreut."

Werner Leonhardt war nach Stadtdirektor Helmut Rattenhuber das dienstälteste Mitglied der Dezernenten-Riege. Vor allem aber war der Jurist ein eindrucksvoller Vertreter einer allmählich aussterbenden Gattung: der einer redlichen, kompetenten, zugleich aber vollkommen uneitlen Führungskraft. Er war der Prototyp des pflichtbewussten Beamten, ohne freilich an Engstirnigkeit zu leiden oder ein Bürokrat zu sein. Schon sein Spitzname "Leo" beweist, wie sympathisch er vielen Menschen im Rathaus war.

Seine bisweilen penibel klingenden Stellungnahmen im Stadtrat, bei der er auch altmodische Begriffe wie "verwaltungsseitig" nicht scheute, wirkten manchmal trocken. Offenbarten dann aber auch einen trockenen Humor. Und hoben sich wohltuend von jeder Art jungdynamischer Wichtigtuerei ab.

Werner Leonhardt wurde am 10. März 1946 in Stukenbrock/Westfalen geboren. Er studierte Jura in Göttingen und Köln, war dann Staatsanwalt beim Landgericht Bonn. Er hinterlässt Ehefrau und drei Kinder.

Von 1978 bis 1985 war er Rechtsrat, dann Verwaltungsdirektor bei der Stadt Köln, 1985 bis 1994 Umwelt- und Rechtsdezernent in Bergisch-Gladbach, 1994/95 Beigeordneter in Troisdorf. 1995 erfolgte die Wahl zum Beigeordneten in Düsseldorf, 2003 wählte ihn der Stadtrat für weitere acht Jahre. Sein Dezernat umfasste das Amt für Verkehrsmanagement, Rechts-, Ordnungs- und Sportamt, Amt für Einwohnerwesen, Amt für Statistik/Wahlen.

Für seine Verdienste bekam er 2003 das Verdienstkreuz am Bande und 2007 den Ehrenring des Rates der Stadt Düsseldorf.

Fachlich lag ihm, dem ehemaligen Turner, der Sport besonders am Herzen. Doch die meiste Aufmerksamkeit erhielt Leonhardt - auch bundesweit - in seinem Kerngebiet Recht und Ordnung. Unter seiner Ägide wurde der Ordnungs- und Servicedienst (OSD) ausgebaut und die Straßenordnung verschärft. Das hat dem CDU-Mann Lob und Kritik - je nach politischer Coleur - eingebracht. Als Liberalen wird man Werner Leonhardt kaum bezeichnen können, ein harter Law-and-Order-Man indes war er erst recht nicht. Denn er verlor soziale und gesellschaftliche Ursachen von Kriminalität nie aus dem Blick, Vorbeugung war ihm ein zentrales Anliegen, wie seine Leitung des Kriminalpräventiven Rates und seine Förderung von Zivilcourage beweisen.

Auch gegenüber uns Journalisten war Leonhardt übrigens stets korrekt. Wenn man etwas nicht ganz richtig wiedergegeben hatte oder er sich gar verletzt fühlte, meldete er sich in der Redaktion, telefonisch oder per Brief - aber persönlich beim Verfasser des Artikels und nicht beim Vorgesetzten. Höflich stellte er dann die Sache aus seiner Sicht richtig. Gedroht hat er nie.

Ab Montag, 14 Uhr, liegt im Rathaus ein Kondolenzbuch aus.

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