Düsseldorfer in den Zwanzigern überlassen den Sauf-Touristen das Feld.

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WZ-Redakteurin Juliane Kinast ist Altstadt-Fan – aber auch besorgt um deren Entwicklung

WZ-Redakteurin Juliane Kinast ist Altstadt-Fan – aber auch besorgt um deren Entwicklung

J. Michaelis

WZ-Redakteurin Juliane Kinast ist Altstadt-Fan – aber auch besorgt um deren Entwicklung

Düsseldorf. Neulich an einem Sonntagmorgen, vielleicht 3.30 Uhr. Vor einer Disko an der Bolkerstraße übergibt sich ein junger Mann. Wer nicht schnell genug weggucken kann und angewidert das Gesicht verzieht, auf den gehen die Freunde des Betrunkenen sofort los: „Was glotzt du denn so?“ – gleich ob Männlein oder Weiblein.

So viel „Froschkotze“ (die neueste Schnapserfindung einer Altstadtkneipe) kann ich gar nicht getrunken haben, um nach einem solchen Erlebnis – und bei einem bleibt es selten – noch an Party zu denken. Ich bin jung, aber meine Idee vom Feiern ist eine andere.

Und diese Idee muss sich in der Altstadt Nischen suchen, die immer rarer werden. Es ist bezeichnend, wenn im dicht gemachten Irish-Pub an der Bolkerstraße der x-te Ballermann-Lookalike-Schuppen eröffnet – während die People Clubbar, als eine der letzten Bühnen lokaler Live-Musik in der Altstadt, Mitte dieses Monats schließt. Weil die Inhaberin keine Lust mehr hat auf die längste Theke der Welt.

Ich bin gebürtige Düsseldorferin und liebe die Altstadt. Ich habe lange ignoriert, dass ich als Mitzwanzigerin, die noch in die Altstadt geht, von anderen Einheimischen schief angeguckt wurde. Dass das junge Leben sich zunehmend in die Viertel zurückzog – in die Flingeraner Trinkhalle, den Unterbilker Seifen Horst, das Oberkasseler Chateau Rikx, jetzt den Koyote-Club in Derendorf.

Dass meine Kohorte den Heiratswilligen aus dem Umland und den Bierbike-radelnden Vereinsausflüglern zunehmend das Feld überließen. Betrunkene und Pöbler gehörten vielleicht schon immer zur Altstadt – aber jetzt gehört die Altstadt vielfach ihnen.

Liebe lange Theke, ich werde dich immer wieder gern besuchen. Auch wenn ich dann mein Lasso schwingen und Schnaps mit fragwürdigen Namen trinken muss. Aber erwarte keine uneingeschränkte Treue mehr – wir brauchen auch mal Abstand voneinander . . .

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