Das Heine-Institut erinnert an die politischen Erhebungen von 1848, 1918, 1968.

Das Heine-Institut erinnert an die politischen Erhebungen von 1848, 1918, 1968.
Revolutionäre Lieder gibt es unter der „Klangdusche“.

Revolutionäre Lieder gibt es unter der „Klangdusche“.

Stadt/MG

Revolutionäre Lieder gibt es unter der „Klangdusche“.

Deutsche Revolutionen und Protestbewegungen haben unsere moderne Demokratie erst möglich gemacht. Daran möchte das Heine-Institut mit der Ausstellung „Revolution! – 1848, 1918, 1968“ erinnern. Zu jeder Revolution allein hätte man eine riesige Ausstellungshalle füllen können. Die Kuratoren Jan Christoph Hauschild, Jan von Holtum, Christian Liedtke und Enno Stahl beweisen: Es genügen zwei Räume, um die Geschichte aller drei Revolutionen originell, pointiert und anschaulich zu präsentieren.

Im Raum wurde eine Barrikade errichtet, an Wänden und in Vitrinen finden sich Säbel, Pistolen, Handschriften, Bücher, Fotos, Filme, Maueranschläge, Flugblätter oder Karikaturen. Hinzu gesellen sich Medienstationen: unter einer „Klangdusche“ ertönen revolutionäre Lieder. An einem „Revoluzz-o-maten“ können Besucher testen, wie stark ihr Revoluzzer-Geist ausgeprägt ist. Gut auch die Idee, die Exponate nicht chronologisch anzuordnen, sondern zu vermischen. Gebündelt zu sechs thematischen Sektionen, lassen sich so die roten Fäden der drei gesellschaftlichen Umwälzungen erkennen. Orientierung bietet ein Farbcode, mit dem jedes Exponat versehen ist: schwarz für 1948, Rot für 1918, Gold für 1968.

Eine Gemeinsamkeit aller Revolutionen – die Satire. Als Meister der spitzen Zunge erweist sich einmal mehr Heinrich Heine. In seinem Gedicht „Kobes I.“ verspottet er den Kölner Politiker und Publizisten Jakob Venedey. Wie Heine engagierte sich Venedey für die Demokratie, doch für den Dichter gerierte er sich zu nationalistisch.

Wie Bilder und Worte zu Waffen werden

Der Künstler George Grosz hingegen klagt mit grellen Karikaturen die Brutalität der erzreaktionären Freikorps in der Weimarer Republik an, die unter Reichswehrminister Gustav Noske die Arbeiter- und Soldatenräte blutig niederschlugen. Ein Freikorpssoldat reckt seinen Säbel mit aufgespießtem Feind samt Sektglas hoch, stolz auf sein grausames Werk: eine mit Toten gepflasterte Straße.

Wie Bilder und Worte zu Waffen werden, demonstrieren die ersten deutschen Pop-Poeten Rolf-Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla. Ihre Bücher formen sie zu schrillen Collagen aus Comics, pornografischen Fotos, Denglisch und Kraftausdrücken. Eine Anthologie mit US-amerikanischen Underground-Gedichten nennt sich „FUCK (!)“. Sprache als Rebellion: gegen das muffige Alltagsdeutsch der Adenauer-Ära, gegen die autoritäre Gesellschaft der Nachkriegszeit. Zusammen mit Feministinnen oder Umweltaktivisten etablierten die Untergrund-Literaten eine Gegenkultur. Sie stellten die Weichen für Dinge, die heute selbstverständlich sind, etwa Frauenrechte oder Umweltschutz. Doch die Schau verhehlt nicht, dass Revolutionen immer auch mit Gewalt einhergehen. Zu sehen auf dem Foto, das zu einer traurigen Ikone der Bundesrepublik avancierte: Friederike Hausmann (heute Übersetzerin) beugt sich am 2. Juni 1967 über den erschossenen Studenten Benno Ohnesorg. Die Ausstellung ist bis zum 20. Mai im Heine-Institut zu sehen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer