Die gelben Straßenbahnen haben jahrzehntelang das Bild auf den Düsseldorfer Straßen geprägt. Bald sind sie verschwunden.

wza_1500x1040_770448.jpeg
Der erste Gelenktriebwagen mit der Nummer 2501 im März 1956 in der Schleife Reeser Platz. Vier Jahre später folgten die Achtachser. (Fotos (2): Rheinbahn)

Der erste Gelenktriebwagen mit der Nummer 2501 im März 1956 in der Schleife Reeser Platz. Vier Jahre später folgten die Achtachser. (Fotos (2): Rheinbahn)

Der erste Gelenktriebwagen mit der Nummer 2501 im März 1956 in der Schleife Reeser Platz. Vier Jahre später folgten die Achtachser. (Fotos (2): Rheinbahn)

Düsseldorf. "Die Gelben" werden die alten Straßenbahnen liebevoll von Rheinbahn-Fahrern genannt. Dabei sind sie gar nicht gelb, sondern - offiziell zumindest - grün-beige. Offiziell ist auch, dass die robusten "GT8" (steht für: achtachsiger Gelenktriebwagen) bald aus dem Stadtbild verschwinden werden, da sie nach Posen (Polen) verkauft werden. "Wir haben nur noch 13Stück davon", erklärt Rheinbahnmitarbeiter und Straßenbahnexperte Oliver Schmidt (siehe Kasten).

"Damit fährt man noch wirklich selbst, dafür muss man ein Gefühl haben."

Oliver Schmidt, Fahrer und Experte

Die massiven Straßenbahnen weichen den flotter und eleganter daherkommenden Niederflurfahrzeugen. "Silberpfeile" statt "Rumpelbahnen" ist die Devise. Doch damit endet nicht nur eine optische Ära in der Stadt, sondern auch eine technische: Mit der Auslieferung des letzten Gelenktriebwagens (dazu gehören übrigens auch noch sieben rot-weißen Stadtbahnwagen, die ebenfalls bis zum Herbst verkauft werden) stirbt auch die Bedienung einer Straßenbahn per "Kurbel". So nennt der Volksmund den Fahrschalter.

Der Fahrer dosiert hierbei mit der linken Hand selbst die direkte Stromzufuhr für den Motor in mehreren Stufen. "Damit fährt man noch wirklich selbst", erklärt Oliver Schmidt. "Da muss man Gefühl für haben." In den Silberpfeilen ist das anders. Per "Joy-Stick" (Schmidt), der in der Fachsprache Befehlsgeber heißt, nimmt die Bahn über eine Computersteuerung Fahrt auf. Das digitale Zeitalter der Straßenbahnen erfährt 2011 seine Vollendung. "In einem Jahr um diese Zeit ist das völlig weg. Das wird mir sehr fehlen. Dann fahren hier nur noch Niederflurbahnen."

1956 nahm der erste gelbe Gelenktriebwagen der Firma Duewag in Düsseldorf Fahrt auf und löste den ursprünglichen grünen Triebwagen T4 ab. Bis in die 70er Jahre stieg der Bestand an sechs- und achtachsigen Triebwagen auf 161 Exemplare an. Für andere deutsche und europäische Verkehrsbetriebe baute die Duewag über 1400 solcher Wagen in ihrem Düsseldorfer Werk. Sie waren beispielsweise in Kopenhagen unterwegs.

Ein altes Modell steht dort noch als historisches Ausstellungsstück im staatlich finanzierten Straßenbahnmuseum. In Posen werden die Düsseldorfer Bahnen dagegen demnächst als "neue" Beförderungsmittel unterwegs sein. "Aber zurzeit stockt die Auslieferung etwas", erklärt Schmitz. Schon bald werde aber wieder etwa alle zwei Wochen eine Bahn die Landeshauptstadt Richtung Polen verlassen.

Silberpfeil II löst die "Gelben" in den kommenden Wochen endgültig ab

Die GT8-Wagen erzielen eine Geschwindigkeit von 68 Stundenkilometer, die Silberpfeile werden bei 65 bis 70 Stundenkilometern elektronisch "abgeregelt". Die "Gelben" sind jetzt noch auf den Linien 704 und 707 unterwegs. Auf der "Stammlinie 712" zwischen Volmerswerth und Ratingen sollen sie nicht mehr fahren. Mit dem Ausbau dieser Strecke zwischen Düsseldorf und Ratingen für die Wehrhahn-Linie werden nach Rheinbahn-Angabe demnächst nur noch Silberpfeile II eingesetzt. Die neueste Generation hat die Abkürzung: NF8U - Niederflur-U-Bahn, achtachsig.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer