Gerade mal eine Handvoll Events finden im Castello statt. Meist steigt in der 30 Millionen Euro teuren Halle Schulsport. Ein Konzept gibt es nicht.

Wie in einer Turnhalle: Bei der Fitness Convention wurde 2012 schweißtreibend Sport getrieben.
Wie in einer Turnhalle: Bei der Fitness Convention wurde 2012 schweißtreibend Sport getrieben.

Wie in einer Turnhalle: Bei der Fitness Convention wurde 2012 schweißtreibend Sport getrieben.

Bernd Schaller

Wie in einer Turnhalle: Bei der Fitness Convention wurde 2012 schweißtreibend Sport getrieben.

Düsseldorf. Es werden nicht viele Menschen sein, die sich auf die Homepage des Castello verirren. Jener Multifunktionshalle in Reisholz, die einst für die Hand- und Basketball-Bundesligen gebaut wurde. Und die die Stadt nach der Insolvenz der Betreibergesellschaft kaufen musste (siehe Kasten).

Wer die Homepage besucht und auf den Button „Events“ klickt, der könnte denken, sein Internet-Browser zicke herum. Doch auch nach mehrmaligem Aktualisieren steht dort – genau: nichts. Keine einzige öffentliche Veranstaltung ist derzeit im Castello geplant.

Wer danach bei der Düsseldorf Congress Sport & Event GmbH (DCSE) – jene Stadttochter, die Arena, Dome, die Halle an der Siegburger Straße und das Castello vermarktet – nachfragt, der lernt, dass es schlimmer aussieht, als es wirklich ist. Dass es am 9. Januar eine türkische Kulturveranstaltung gegeben habe. Dass für 2016 mehrere Firmenveranstaltungen und ein Abi-Ball gebucht worden seien. Dass es Verhandlungen über den „Webvideopreis sowie für verschiedene Firmenveranstaltungen und ein Jugend-Event“ geben würde.

Und dass die Halle „täglich durch Schul- und Vereinssport“ belegt sei. Nun wäre das kein großes Thema, wenn es sich dabei um eine normale Turnhalle, aber nicht um eine Multifunktionsarena mit allen technischen Feinheiten, knapp 3500 Plätzen und VIP-Bereichen handeln würde. Wenn die Stadt nicht bereits um die 30 Millionen Euro in das Gebäude gesteckt hätte. Und wenn es wenigstens ein Konzept gäbe, was mit dem Castello geschehen soll.

Alleine ist das Castello nicht zu vermarkten

Das gibt es aber nicht. „Unsere Fokussierung auf das Castello geschieht im Rahmen des Gesamtportfolios“, sagt Hilmar Guckert, Sprecher der DCSE-Geschäftsführung, in feinstem Business-Deutsch. Was er eigentlich sagen will: Alleine ist das Castello nicht zu vermarkten, im Paket mit den drei anderen ist es eine Ergänzung des städtischen Hallen-Angebots. Allerdings eine, über die „wir wegen des Schulsports nicht in jeder Zeit frei verfügen können“. So leistet sich die Stadt die vielleicht teuerste Schulturnhalle Deutschlands.

Noch unter OB Joachim Erwin wurde der Bau einer neuen Halle, die Hand- und Basketball auf Profiniveau ermöglicht, konzipiert.

Für die Finanzierung holte die Stadt die Freie Christliche Schule ins Boot, die einen Sportverein gründete, der sich um das Castello kümmern sollte. Nach nur fünf Jahren war der Verein insolvent, die Stadt musste – wie zuvor vertraglich geregelt – einspringen und die Halle übernehmen. Der „Heimfall“ kostete sie knapp 25 Millionen Euro.

2010 bezifferte der damalige Kämmerer Helmut Rattenhuber die jährlichen Kosten auf etwa 1,87 Millionen Euro. Laut Guckert waren es 2015 „nur“ noch 700 000, dieses Jahr sollen es 520 000 werden, nächstes 360 000. Geschafft hat die DCSE das kaum über die Einnahmen, sondern über die Ausgaben. Mittlerweile hat das Castello keine eigene Hallenleitung mehr, auch an den Technikern wurde gespart. Das machen jetzt die Angestellten von der Halle an der Siegburger Straße. „Betriebsführungsgemeinschaft“ nennt Guckert das.

Bei der Stadt ist das Thema ebenfalls nicht hoch im Kurs. Das Sportamt will keine Fragen zum Castello beantworten. „Wenden Sie sich bitte an Düsseldorf Congress“, heißt aus dem Rathaus. Vor knapp sechs Monaten hielt das Sportdezernent Burkhard Hintzsche aber nicht davon ab, bei der Pressekonferenz zur finanziellen Unterstützung der viertklassigen Giants-Basketballer durch die DCSE von der „Perspektive Bundesliga“ zu schwärmen. Dass es vor allem darum ging, dem Castello wieder einen Dauermieter zu verschaffen, bestritt nicht mal DCSE-Geschäftsführer Martin Ammermann. Auch als im September 2014 ein ähnlicher Vertrag mit den ebenfalls viertklassigen ART-Handballern verkündet worden war, lächelten Ammermann und Hitzsche gemeinsam in die Kamera.

Experte sieht die Zukunft der Halle nicht besonders rosig

2011 stieg der Namenssponsor aus. Und selbst, wenn die Hand- oder Basketballer wirklich aufsteigen und zurückkehren, garantiert das laut Stefan Walzel noch lange keine schwarzen Zahlen: „Ich glaube eher nicht, dass sich dauerhaft refinanzieren lässt“, sagt der Experte für die Finanzierung von Sportstätten von der Sporthochschule Köln.

Auch in Köln, Oberhausen und Mönchengladbach wüssten sie nicht, wie sie ihre Veranstaltungsorte dauerhaft füllen könnten. „Zudem drückt das Überangebot die Preise“, sagt Walzel. „Wenn man eine vernünftige Idee hat, kann es funktionieren. Ohne wird das eine ganz enge Sache.“ Und mit Ideen ist es beim Castello gerade so eine Sache . . .

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer