Am Donnerstag startet das Festival, bei dem wieder viele Kunstformen aufeinandertreffen. Ein Überblick nach Genres.

Am Donnerstag startet das Festival, bei dem wieder viele Kunstformen aufeinandertreffen. Ein Überblick nach Genres.
Wurden mit ihren Protesten weltberühmt: die russischen Aktivistinnen von Pussy Riot. Jetzt kommen sie nach Düsseldorf

Wurden mit ihren Protesten weltberühmt: die russischen Aktivistinnen von Pussy Riot. Jetzt kommen sie nach Düsseldorf

Denis Sinyakov

Wurden mit ihren Protesten weltberühmt: die russischen Aktivistinnen von Pussy Riot. Jetzt kommen sie nach Düsseldorf

Düsseldorf. Am Donnerstag startet das Asphalt-Festival. Unter dem Motto „Crossing Borders“ (Grenzen überschreiten) präsentiert es Kunst mitten im Stadtraum: auf der Straße, im Hafen, in Hotels, Gärten oder alten Fabrikhallen. In elf Tagen finden an diesen Orten über 50 Veranstaltungen statt. Sie gehen quer durch die Künste und fordern das Publikum häufig zum Mitmachen auf. Wir liefern eine Auswahl für Theater- und Tanzfreunde, Musik- und Performance-Fans sowie Kunst- und Literaturliebhaber.

Theater

Die unkonventionellste Aufführung liefert die Theatergruppe LIGNA. In „Die Stadt der Affen“ können Sie zum Akteur werden. Sie werden als Affen verkleidet durch den Medienhafen schreiten, via Kopfhörer einem Hörspiel lauschen und zwischendurch immer wieder zu Handlungen angeleitet, die Sie in Ihrem Alltag höchstwahrscheinlich nicht durchführen. Ein Audiowalk, der sich um Masken, das Fremde und das Eigene dreht. Am 20.7., 21.7. jeweils um 18 Uhr, am 22.7. um 15 Uhr, Treffpunkt: Pebble’s Terrasse, Hyatt Regency Hotel im Medienhafen.

Wie gut Romane auch als Ein-Personen-Stücke funktionieren, beweist der österreischische Schauspieler Philipp Hochmair seit Jahren. Nun widmet er sich den beiden unvollendeten Kafka-Werken „Amerika“ (21.7., 20.30 Uhr) und „Der Prozess“ (22.7., 19.30 Uhr). Beide Solo-Abende im Weltkunstzimmer.

Eine theatrale One-Man-Show bietet auch Schauspieler Peter Trabner. Sein Spielpartner ist ein Baum, mit dem er Hölderlins Drama „Der Tod des Empedokles“ übt. Das Stück über die letzten Lebenstage des antiken Philosophen mischt Trabner mit aktuellen Themen wie Umweltverschmutzung und Klimawandel. Am 14.7. um 14 Uhr in den Alten Farbwerken.

Wer sich selbst als Künstler ausprobieren möchte, dem öffnet Moderator Gerd Buurmann in „Kunst gegen Bares“ die Bühne. Ihre Darbietung honoriert das Publikum mit Geld, das Sie behalten dürfen. Am 17.7. um 20.30 Uhr im Weltkunstzimmer.

Musik

Wer Kunst als Live-Wettbewerb erleben möchte, sollte sich „48 hours to react“ nicht entgehen lassen. Sechs Tanz- und Musikensembles haben 48 Stunden Zeit, auf ein aktuelles Thema künstlerisch zu reagieren. Sind die Kunstwerke fertig, darf das Publikum sich dazu äußern. Start am 17.7. um 19 Uhr und Ende am 19.7. um 20.30 Uhr in den Alten Farbwerken.

Wie klingt Malerei? Eine Antwort gibt Festivalleiter und Komponist Bojan Vuleti in „beautiful in the subversion of beauty“. Er verwandelt die Kritzelbilder des US-amerikanischen Avantgarde-Künstlers Cy Twombly. Das New Yorker Mivos Quartet wird das Stück mit Streichern, Saxophon, Vibraphon und Trompete uraufführen. Am 19.7. um 19 Uhr im Weltkunstzimmer.

Wer mit wildem musikalischen Stilmix und schrillen Kostümshows sympathisiert, ist bei Barbarella’s Bang Bang richtig. Die multinationale fünfköpfige Band verwandelt die Bühne in einen Zirkus und kombiniert Gypsy, Folk und Punk mit Pop. Am 13.7. um 21 Uhr im Weltkunstzimmer.

Wer selbst musizieren will, kann sich bis zum 23.7. rund um die Uhr an die drei Stadtklaviere setzen, die während des Festivals in den U-Bahnhöfen Heinrich-Heine-Allee, Kirchplatz und Oberbilker Markt stehen.

Performance

Wer das Finale der Fußball-WM nicht von Sportreportern, sondern von Künstlern kommentiert haben will, gehe zu „Finalgötterfunken“. Peter Trabner und ein 3-Mann-Orchester reagieren mit Beethoven, Wagner oder Rammstein auf das Spielgeschehen. Am 15.7. um 17 Uhr im Weltkunstzimmer.

Kritiker der Fußball-WM in Russland sind bei der feministischen Punkrock-Band Pussy Riot gut aufgehoben. In „Riot Days“ vermischen sie Konzert, Videodokumentation, Theaterperformance und Lesung. Sie erzählen vom Protest gegen Putin und die orthodoxe Kirche sowie den Folgen, etwa das sibirische Strafgefangenenlager. Am 14.7. um 21 Uhr im Weltkunstzimmer.

Skurril geht es in Rochus Austs Kunst-Musik-Performance „Mobiler Grenzwertkontrolle“ zu. Auf den Straßen spielt er Mini-Konzerte mit einer Detektor-Trompete, mit der er zugleich den Schadstoffausstoß von Autos misst. Die Performances finden unangekündigt statt.

Kunst

Der mexikanische Künstler Moris fängt in seinen Werken das ein, was sein Heimatland stark prägt: Armut, Kriminalität, Gewalt und Tod. In „Aún muerto se puede morir“ („Selbst wer tot ist, kann noch sterben“) verwendet er Fundstücke von der Straße (Messer, Schuhe, Brote oder Zeitungsausschnitte von brutalen Morden) und kreiert daraus Skulpturen und Installationen. Vorsicht, die brutalen Bilder können verstörend wirken. Ganz unmartialisch erscheinen dagegen die Werke des chilenischen Künstlers Gianfranco Foschino. Seine Filme von urbanen oder ländlichen Szenen in Südamerika wirken zunächst wie Fotografien, erst bei genauem Hinsehen erkennt man, dass sich die Bilder bewegen. Beide Ausstellungen können während des Festivals täglich ab 18 Uhr besichtigt werden.

Die Illustratoren Moritz Blumentritt, Jennifer Daniel und Brian Storm fahren mit einem Projektionsfahrrad durch die abendliche Stadt und zeichnen mit Licht auf die Gebäude. Auch für Familien und Kinder geeignet. 19. und 20.7. um jeweils 22 Uhr. Treffpunkt folgt.

Tanz

Die schrägste Choreografie inszeniert der österreichische Tänzer Simon Mayer. In „Sons of Sissy“ bürstet er die alpenländische Volkskultur gegen den Strich. Die Performer fiedeln, spielen Knöpferlharmonika, jodeln, tanzen Schuhplattler oder tauschen traditionelle Trachten gegen nackte Haut. Am 16.7. um 20.30 Uhr im Weltkunstzimmer.

Weniger schrill, aber nicht minder experimentell arbeitet die Compagnie Alias. In „Contre-Mondes“ (Gegenwelten) setzt sie sich mit dem Unsichtbaren im Tanz auseinander. In einem schwarzen Raum erhalten die Besucher Nachtsichtgeräte, mit denen sie nur die Körperteile der Tänzer erspähen können. Am 20., 21.7. jeweils um 19 Uhr in den Alten Farbwerken.

Literatur

Bei „Dead or Alive“ treten Poetry-Slammer gegen tote Dichter an. Deren Werke werden von Akteuren des Düsseldorfer Schauspielhauses vorgetragen. Die Zuschauer entscheiden, wer besser dichtet: die Lebenden oder die Toten? Am 18.7. um 20.30 Uhr im Weltkunstzimmer.

 

Das Asphalt-Festival läuft vom 12.-22. Juli. Die Veranstaltungen „Henry Purcell: The Fairy Queen“, „Himmel über Düsseldorf - Engel II“, „Garten minus Zäune“ sind bereits ausverkauft.

© WhatsBroadcast

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