26-Jähriger soll Transaktionen von einem Café in der City gesteuert haben. Polizei sieht Sicherheitslücken bei Telefon-Firmen.

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dpa

Düsseldorf. Stellen Sie sich vor, Sie gehen zur Bank und bemerken, dass 100 000 Euro oder mehr spurlos verschwunden sind. So ging es mehreren Kunden der Postbank, die dem Online-Banking vertrauen. Nach Ermittlungen der Polizei hat sich eine Bande aus dem Umfeld der Hells Angels darauf spezialisiert, Konten mit einem raffinierten Trick abzuräumen. Seit gestern muss sich Dimitrijs K. dafür vor dem Landgericht verantworten. Von einem Café an der Graf-Adolf-Straße aus soll der 26-Jährige die Transaktionen mit einem Laptop und einem Notebook gesteuert haben.

Mit enormer krimineller Energie gingen die Cyber-Räuber dabei vor. Zunächst wurden Kundendaten der mutmaßlichen Opfer von Computer-Hackern gestohlen, einschließlich der Handy-Nummern.

Dann nutzten die Täter eine Sicherheitslücke bei Telefongesellschaften aus. Ein Anruf genügte, um sich unter falschem Namen eine zweite Sim-Karte schicken zu lassen. „Das wird von den Firmen sehr lax gehandhabt“, konstatierte der ermittelnde Kripo-Beamte. In einem Fall ließ sich die Bande die Sim-Karte zu einem Hochhaus in Lichtenbroich schicken. Genau für einen Tag klebte da der Name des späteren Opfers auf dem Briefkasten. Nachdem der Umschlag da war, verschwand auch der Name sofort wieder.

In fünf Postbank-Filialen 83 000 Euro abgeräumt

Mit den Sim-Karten gelang es der Bande, SMS-Nachrichten umzuleiten. Darunter auch die mit so genannten „Tan-Nummern“. Das sind die Zugangscodes, mit denen man online auf Konten zugreifen kann. Damit war der Weg für den Betrug frei.

So wurden am 20. August 110 000 Euro von einem Festgeld-Konto der Postbank abgebucht. Die wurden auf das Konto eines Handlangers aus dem Düsseldorfer Süden überwiesen, der ebenfalls aus dem Umfeld der berüchtigten Rockergang kommen soll. Der junge Mann holte noch am gleichen Tag in fünf verschiedenen Düsseldorfer Postbank-Filialen unter dem Stichwort „Renovierung“ insgesamt 83 000 Euro ab. Erst dann fiel dem Geldinstitut auf, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zuging.

In dem Verfahren gegen Dimitrijs K. geht es um vier Fälle, die alle Kunden der Postbank betreffen.

Dabei entstanden über 400 000 Euro Schaden. In einem Fall konnte die Auszahlung gestoppt werden.

Zwei Banden-Mitglieder wurden schon zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Das Geld lieferte der Garather in dem Café bei Dimitrijs K. und zwei weiteren Komplizen ab. Er bekam dafür später einen Umschlag mit 4000 Euro – und Besuch von der Kripo. Der Handlanger gab den Beamten auch den Tipp, wo sie den 26-Jährigen finden können, der wenig später im Café festgenommen wurde.

„Ich bin nur ein kleines Licht“, hatte er in seiner Vernehmung gesagt, inzwischen aber ein Teilgeständnis abgelegt. Die Polizei vermutet die Hintermänner der Bande mit engen Kontakten zu den „Höllenengeln“ im russisch-sprachigen Raum.

Der Prozess wird am 19. März fortgesetzt.

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