Professorin Christel Marian über die Knappheit von Frauen in ihrem Beruf.

Christel Marian in ihrem Büro in der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Christel Marian in ihrem Büro in der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Christel Marian in ihrem Büro in der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Melanie Zanin

Christel Marian in ihrem Büro in der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Düsseldorf. Christel Marian ist Dekanin der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und gleichzeitig Mutter – eine eher seltene Kombination. Sie weiß, warum Professorinnen an Universitäten so rar gesät sind.

Frau Marian, wie sieht der Frauenanteil in den Naturwissenschaften aus?

Christel Marian: In der Pharmazie, in der es 80 Prozent Studentinnen gibt, sind dennoch nur 20 Prozent der Professoren weiblich. Die Frauen brechen an der Universität häufig nach der Promotion weg. Sie sind dann in einem Alter, in dem sie sich Gedanken über ihre Familienplanung machen. Auch heute sind sie meist diejenigen, die sich um die Vereinbarung von Beruf und Kindern kümmern.

Inwiefern sind die Bedingungen für Mütter an Lehrstühlen schlecht?

Marian: Viele Frauen trauen sich eine akademische Karriere nicht zu, sie wollen sich, besonders wenn sie Kinder haben, nicht von einem Arbeitsvertrag in den nächsten hangeln. Sie fühlen sich in der Industrie deshalb besser aufgehoben als an der Uni. Bei günstigeren Bedingungen würden es mit Sicherheit mehr Frauen wagen.

Christel Marian leitet das Institut für Theoretische Chemie und Computerchemie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit 2011 ist sie Dekanin der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.

Die Düsseldorfer Wissenschaftsjournalistin Ute Rasch porträtiert in ihrem Buch „Professorinnen der HHU – Forschung mit Leidenschaft“ Professorinnen an der Heinrich-Heine-Universität.

Warum ist es so schwierig, den Beruf Professorin und Kinder zu vereinbaren?

Marian: Es werden zum Beispiel für eine Karriere als Professor oder Professorin zwei Jahre Auslandsaufenthalt vorausgesetzt. Frauen, die keine Kinder haben, bremst so etwas nicht. Doch sobald Kinder ins Spiel kommen, wird es schwieriger, so etwas umzusetzen.

Was halten Sie von der Frauenquote?

Marian: Obwohl ich eigentlich gegen eine Frauenquote bin, halte ich sie mittlerweile für unausweichlich. Ich ging immer davon aus, dass sich die Situation selbst reguliert, weil nach meiner Meinung Frauen so etwas gar nicht nötig haben. Es gibt genauso gute Frauen, wie es gute Männer gibt. Jedoch hat sich nicht so viel an der Situation getan, wie ich früher gehofft hatte.

Wie haben Sie selbst es geschafft, Kinder und Karriere zu vereinbaren?

Marian: Ich selbst war zwei Jahre als alleinerziehende Mutter in Stockholm. Meine Töchter waren zu dem Zeitpunkt fünf und neun Jahre alt. Ich habe viele Jahre auf mein Privatleben verzichtet und meine Freizeit zur Arbeitszeit gemacht. Wenn man so etwas macht, muss der Beruf allerdings auch Passion sein. Die Phase zwischen Promotion und Habilitation hat bei mir dadurch länger gedauert. Meine Professur bekam ich erst, als meine Kinder schon erwachsen waren. Bei einem Mann wäre das wahrscheinlich nicht so abgelaufen.

Worauf sind Sie stolz, wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken?

Marian: Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe, als alleinerziehende Mutter einen Lehrstuhl an einer Universität zu bekommen. Ich selbst stamme nicht aus einer akademischen Familie. Ich mache den Job als Dekanin sehr gerne, auch wenn ich dafür auf meine Lieblingsarbeit, die Forschung, verzichte und mich dem Management widme.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Marian: Es wäre ein Kindergarten für Mitarbeiter wichtig, der von den Zeiten an den Tagesablauf angepasst ist. Die Idee existiert bereits, die Umsetzung zieht sich aber seit Jahren hin.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer