Er wollte die Tasche tragen und schlug dann zu – vermutlich mehr als 100 Mal.

Düsseldorf. Mit einer hinterhältigen Diebstahlsmasche hat sich der arbeitslose Michael G. (55) wohl über Jahre den Lebensunterhalt verdient. Der gepflegte, charmante Mann bot sich älteren Frauen - am liebsten geh- oder sehbehindert - beim Einkaufen zum Tragen der Tasche an. Dabei stahl er ihnen die Geldbörse, allein in diesem Jahr soll er über 30 Taten in der ganzen Stadt begangen und so über 5.000 Euro erbeutet haben. Insgesamt könnte er seit 2007 über 100 Damen so um ihre Rente gebracht haben.

Nicht sofort erkannte die Polizei, dass es sich bei den zahlreichen Diebstählen um die Vorgehensweise eines Einzeltäters handelte. Ermittler Holger Fuchs klemmte sich dann vor einem Jahr hinter die Recherche. Und nach Vernehmungen der Opfer - die älteste der Frauen ist 89 Jahre alt - wollte er den Räuber unbedingt fassen: "Manche von ihnen können nicht mehr schlafen, sie sehen überall auf der Straße diesen Mann."

Gerade weil der Mann sich stets charmant verhielt und das Vertrauen seiner Opfer zu gewinnen versuchte, traumatisierte die Tat viele der Seniorinnen schwer. Und in der letzten Zeit ging der Täter immer brutaler vor: Wenn die ab 70-jährigen Frauen sich nicht gleich von ihm helfen lassen wollten, entriss er ihnen die Taschen mit Gewalt.

Gelöst hat den Fall letztlich der berühmte Kommissar Zufall. Ein Kollege von Fuchs erinnerte sich an eine ähnliche Diebstahlsserie 2004. Der Täter damals war verurteilt, aber schon 2006 aus der Haft entlassen worden. Seither war er untergetaucht. Keines der Opfer konnte den Mann auf Fotos als Täter identifizieren. "Ich hatte keinen Sachbeweis", sagt Fuchs. "Nur mein Gefühl. Wann immer ich in Düsseldorf unterwegs war, habe ich nach ihm Ausschau gehalten."

Am Dienstagmittag war es dann so weit, direkt vor Fuchs’ Dienststelle in der Karl-Rudolf-Straße lief ihm der Gesuchte über den Weg. Einfach so. Widerstandslos ließ er sich festnehmen und gestand schnell alle Diebstähle und Raubstraftaten. Seit 2007 bestritt der Arbeitslose so seinen Lebensunterhalt, zahlte sein kleines Zimmer in Unterrath. Hartz IV bekam er nicht. "Er sagt, er bereut, was er den Opfer angetan hat", sagt Fuchs. Das allerdings half dem Wiederholungstäter nicht mehr viel: Er sitzt jetzt wieder in Untersuchungshaft.

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