Der zweite Vorsitzende von „Düsseldorf passt auf“ erklärt, wie die Gruppe mit Rechtsextremen umgeht, wie die Rundgänge in der Altstadt ablaufen – und weshalb er den Begriff Bürgerwehr ablehnt.

Interview
Christian Bonke ist seit dem 6. Januar bei der Facebook-Gruppe dabei und inzwischen ihr Pressesprecher.

Christian Bonke ist seit dem 6. Januar bei der Facebook-Gruppe dabei und inzwischen ihr Pressesprecher.

Zanin

Christian Bonke ist seit dem 6. Januar bei der Facebook-Gruppe dabei und inzwischen ihr Pressesprecher.

Düsseldorf. Die Facebook-Gruppe „Düsseldorf passt auf“ bekam Anfang des Jahres bundesweit Aufmerksamkeit: Nach der Kölner Silvesternacht kündigte der Initiator Tofigh Hamid – ein Düsseldorfer mit iranischen Wurzeln – an, mit Freunden in der Altstadt eine Art Streife laufen zu wollen. Medien nannten das Bürgerwehr, die Gruppe selbst spricht von Rundläufen. In wenigen Tagen wuchs die Gruppe auf mehr als 14 000 Mitglieder – darunter offenbar auch Rechtsextreme. Wir sprachen mit Christian Bonke, dem Pressesprecher der Gruppe.

Herr Bonke, kurz nach der Gründung am 4. Januar wurden in der Gruppe auch rechtsextreme Meinungen gepostet . . .

Bonke: Ja, so etwas gab es. Aber als wir klargemacht haben, dass wir solchen Leuten keine Plattform bieten wollen, sind die Rechten immer mehr verschwunden. Innerhalb von drei oder vier Tagen haben rund 1500 Mitglieder die Gruppe verlassen. Seitdem ist es deutlich besser geworden. Zumal wir jetzt auch direkt eingreifen, wenn jemand extremes Gedankengut postet.

Warum haben Sie das nicht von Anfang an konsequent so gemacht?

Bonke: Inzwischen sind wir sehr konsequent. Wir haben auch Regeln aufgestellt: Wer beleidigt oder lästert, wird erst verwarnt und beim zweiten Mal ausgeschlossen. Am Anfang ist das so nicht passiert, weil Initiator Tofigh Hamid etwas ganz anderes vorhatte. Er wollte keine Gruppe mit 14 000 Mitgliedern gründen, sondern innerhalb seines Bekanntenkreises ein Zeichen setzen. Dass das so einen Hype gegeben hat, hat ihn selber überrascht. Da musste man schauen, wie man das in die richtige Richtung dreht.

Christian Bonke Der Düsseldorfer ist 44 Jahre alt und Angestellter im Vertrieb. Er kommt aus Wersten und ist zur Realschule Siegburger Straße gegangen. Bei der Gruppe „Düsseldorf passt auf“ fungiert er als zweiter Vorsitzender und Pressesprecher.

Wir hatten ursprünglich Tofigh Hamid selbst um ein Interview gebeten, das hat er nicht zugesagt. Gibt er selber keine Interviews mehr?

Bonke: Im Prinzip schon. Aber jetzt hat sich das nicht so ergeben. Grundsätzlich ist es so, dass er alle Anfragen an mich weiterleitet und ich die dann bearbeite.

Hamid ist unterstellt worden, er habe antisemitische Posts veröffentlicht. Stimmt das?

Bonke: Ich habe die kritisierten Posts gesehen. Die waren nicht antisemitisch. Dieser Vorwurf hat ihn persönlich sehr getroffen, weil er eigentlich Menschen zusammenbringen will.

Inwiefern?

Bonke: Am Anfang gab es den Gedanken, dass Menschen mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung zusammen dieses Projekt tragen: Rechte und Linke, Hand in Hand für mehr Sicherheit in der Stadt. Vielleicht könnte man auch Flüchtlinge einbinden, ins Gespräch kommen, den Konsens fördern. Aber es hat sich gezeigt, dass das so nicht funktioniert. Deswegen grenzen wir uns jetzt ganz stark von politischen Meinungen ab, egal aus welcher Richtung.

Ist nicht das eine so weltfremd wie das andere? Fragen der öffentlichen Sicherheit sind immer politisch . . .

Bonke: Das sehe ich nicht so. Bei uns sind ganz unterschiedliche Typen dabei, die als Bürger gemeinsam an einem Strang ziehen – um es für die Frauen in Düsseldorf etwas sicherer zu machen. Wobei es uns nicht nur um Frauen geht, sondern generell um Opferschutz.

Wie unsicher ist es denn Ihrer Meinung nach für Frauen in Düsseldorf?

Bonke: Sehr unsicher. Weil die Polizei auf den Straßen nicht mehr so präsent ist wie früher.

Das ist eine rein subjektive Empfindung – oder haben Sie Zahlen, die das belegen?

Bonke: Es ist einfach so, dass viele Bürger seit Jahren das Gefühl haben, dass man hier nicht mehr richtig geschützt ist. Wenn ich hin und wieder in der Altstadt bin, habe ich den Eindruck, dass es dort aggressiver und respektloser zugeht als etwa vor 20 Jahren.

Die Gruppe wurde auch als Reaktion auf die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht gegründet. Haben Sie den Eindruck, dass das subjektive Sicherheitsgefühl auch etwas mit dem Flüchtlingsthema zu tun hat?

Bonke: Nein, für mich ist das kein Flüchtlings-, sondern ein gesellschaftliches Problem. Die Respektlosigkeit und das hohe Gewaltpotenzial gibt es schon seit Jahren, vielleicht seit Jahrzehnten. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die beides vermischen und extreme Meinungen vertreten. Um uns davon abzugrenzen, haben wir ja den Verein gegründet.

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

Bonke: Wir haben 150 Aufnahmeanträge rausgeschickt, die kommen jetzt nach und nach zurück und werden von uns geprüft. So wollen wir sicherstellen, dass bei unseren Rundgängen keine gewaltbereiten Leute dabei sind. Da dürfen nur Vereinsmitglieder mitgehen.

Den Vorwurf gab es ja, als Sie das erste Mal in der Altstadt unterwegs waren. Da wären Leute zweifelhafter Gesinnung dabei gewesen . .

Bonke: Klar, da waren welche, die hätten nicht dabei sein sollen. Aber es waren nur wenige.

Wie viele Rundgänge hat es seitdem gegeben?

Bonke: In den vergangenen vier Wochen immer freitags und samstags. Wir sind 40 bis 50 Leute und teilen uns dann in etwa zehn Gruppen auf.

Sind Sie dann erkennbar?

Bonke: Nein, sind wir nicht. Wir wollen kein Angriffsziel für andere Gruppen sein.

Woher soll dann der Sicherheitseffekt kommen?

Bonke: Dadurch, dass die Menschen wissen, dass wir unterwegs sind. Wir organisieren uns auch über Whatsapp-Gruppen. Also für unsere Leute sind wir schon präsent.

Aber im Fall des Falles können Sie nichts tun: Sie haben keine Polizeirechte. Auch der Hund, den man auf manchen Fotos sieht, darf nicht zum Einsatz kommen . . .

Bonke: Der Hund soll auch nicht zum Einsatz kommen. Der soll nur deeskalierend wirken.

Haben Sie nicht das Gefühl, dass Sie das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellen?

Bonke: Nein, im Gegenteil. Wir agieren rein passiv. Wenn wir eine Straftat beobachten würden, würden wir nicht eingreifen, sondern die Polizei rufen und so lange dort bleiben, bis die Polizei da ist. Mit Gewalt haben wir nichts zu tun.

Wie oft kam es bisher zu Fällen, bei denen Sie helfen konnten?

Bonke: Bisher war es sehr ruhig. Aber das liegt natürlich auch an der Jahreszeit.

Den Begriff Bürgerwehr lehnen Sie ab. Warum?

Bonke: Das hat was mit Wehren zu tun, das hat etwas mit Gewalt zu tun. Das lehnen wir ab.

Haben Sie eigentlich nichts Besseres zu tun? Sie können sich doch bestimmt auch etwas Schöneres vorstellen als Rundgänge in der Altstadt?

Bonke: Ich bekomme viel positive Rückmeldungen von Düsseldorfern, die sich jetzt in der Altstadt sicherer fühlen. Da stelle ich meine persönlichen Interessen zurück.

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