Beim Bürgerdinner von WZ und Schauspielhaus diskutierten Experten, Künstler und viele Besucher über den Stellenwert von Geld.

Beim Bürgerdinner von WZ und Schauspielhaus diskutierten Experten, Künstler und viele Besucher über den Stellenwert von Geld.
Beim Bürgerdinner antwortet Christof Seeger-Zurmühlen (stehend), Leiter der Bürgerbühne, auf Fragen aus dem Publikum.

Beim Bürgerdinner antwortet Christof Seeger-Zurmühlen (stehend), Leiter der Bürgerbühne, auf Fragen aus dem Publikum.

Judith Michaelis

Beim Bürgerdinner antwortet Christof Seeger-Zurmühlen (stehend), Leiter der Bürgerbühne, auf Fragen aus dem Publikum.

Düsseldorf. Macht Geld allein glücklich? „Nein“, sagt Thomas Druyen. Er muss es wissen. Der Düsseldorfer Soziologe hat in den vergangenen Jahren mit den Reichsten der Reichen gesprochen und gewährt den Gästen des Bürgerdinners am Montagabend einen kleinen Einblick in das Seelenleben der Superreichen: „Die haben völlig andere Probleme, die meist psychischer Natur sind.“

Geld taugt also nicht als Patentlösung für ein glückliches Leben. Trotzdem bewegt und beeinflusst es unsere Gesellschaft wie kaum ein anderes Thema. Das wird während des Drei-Gänge-Menüs, bei dem im Jungen Schauspielhaus Experten, Künstler, Geflüchtete und Düsseldorfer Bürger zusammenkommen, deutlich: Zwei Stunden lang wird angeregt diskutiert, gestritten und nachgedacht über die Frage „Was ist Geld?“.

Eine „Reichensteuer“ schafft die Armut noch nicht ab

Ein Thema, das in diesem Zusammenhang vor allem im Wahlkampf gerne aus dem Hut gezaubert wird, ist die Einführung einer Reichensteuer. Soziologe Thomas Druyen hält diese Forderung für absurd. „Nur die Steuern zu erhöhen rettet nicht die Welt. Und verhindert erst recht keine Armut.“ Vielmehr erzeuge eine solche Diskussion nur schlechte Gefühle und Neid in der Gesellschaft. Zudem erklärt der Wissenschaftler, dass es einen großen Unterschied zwischen Reichtum und Vermögen gibt. „Reichtum ist nur quantitativer Natur. Aber vermögend kann auch derjenige sein, der nicht so viel Geld hat.“ Meint auch Besucherin Sonja Rupp. „Für mich ist es ein Vermögen, wenn ich anderen Menschen helfen kann.“

Eine ehemalige Investmentbankerin erzählt von ihrem Ausstieg bei der Deutschen Bank im vergangenen Jahr und sagt: „Ich bin stolz auf diesen Schritt.“ Heute engagiert sie sich in der Flüchtlingshilfe und findet das „tausendmal befriedigender“. Die Angst vor dem finanziellen Abstieg hindert viele Menschen daran, einen solch mutigen Schritt zu gehen.

Winfried Gather von der Katholischen Arbeiter-Bewegung in Düsseldorf plädiert daher für ein bedingungsloses Grundeinkommen. „Erwachsene kriegen 850 Euro monatlich, Kinder 500 Euro. Das Wohngeld noch nicht mit eingerechnet.“ Dadurch sei jeder bestrebt, etwas hinzuverdienen zu wollen. „Das Geld reicht ja nur dafür, seine Existenz zu sichern. Große Sprünge sind nicht drin.“ Aber es werde verhindert, dass Menschen sozial ausgegrenzt werden.

Die meisten an der Dinner-Tafel finden die Idee mit dem Grundeinkommen interessant – doch diejenigen, die Zweifel haben, ob das wirklich umsetzbar ist, gibt es auch. Wie mächtig und einflussreich Geld machen kann, verdeutlicht Heidi Bank von Lobby Control.

Sie spürt mit ihrer Initiative auf, wie Interessenvertreter Politiker und Geldströme lenken. „Wer Geld in Stiftungen steckt, kann zum Beispiel beeinflussen, welche Krankheiten erforscht werden und welche nicht.“ In der Politik brauche es strengere Regeln. „Wir fordern zum Beispiel, dass Parteispenden über 50 000 Euro verboten werden.“ Außerdem sollen Nebeneinkünfte offengelegt und ein Lobbyregister eingeführt werden. Die Kölnerin sagt aber auch: „Geld schafft Einfluss, ist aber nicht alles.“ Eine hohe Glaubwürdigkeit sei ebenso wertvoll. „Das zeigt sich gut am Beispiel Greenpeace. Die haben gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten überdurchschnittlich viel Einfluss.“

1984 scheint das noch ein bisschen anders gewesen zu sein. „Wenn ich einen Verlag für schmutzige Literatur aufmachen will, kriege ich einen Kredit hinterhergeworfen. Wenn ich die Welt verbessern will, nicht“, kritisierte Joseph Beuys damals bei einer Podiumsdiskussion. Schauspieler Moritz Führmann schlüpft während des Dinners in die Rolle des Düsseldorfer Künstlers und lässt Experten und Gäste daran teilhaben, welche philosophisch wie streitbaren Gedanken sich Beuys damals zu der Thematik machte.

Die Mischung aus Diskussion, Kurzvorträgen und künstlerischen Impulsen ist einmal mehr aufgegangen. Nach zwei Stunden lebhafter Diskussion bei Wein, Linsensuppe, Eintopf und Schokopudding bilanziert Gastgeber Stefan Fischer-Fels, Leiter des Jungen Schauspiels: „Geld ist ein unendlich komplexes Thema. Wir konnten heute nur über die Spitze des Eisbergs sprechen.“

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