Eine Initiative strebt ein Werkstattverfahren an, bei dem alle Bürger beteiligt werden sollen.

Unterbach.
Das ist die Wiese hinter dem Unterbacher Denkmal, die bebaut werden soll.

Das ist die Wiese hinter dem Unterbacher Denkmal, die bebaut werden soll.

Auf dem Podium in Unterbach saßen (von links) Ruth Orzessek-Kruppa, Peter Rohland, Moderatorin Rita Hirlehei und Michael Stojan.

Judith Michaelis, Bild 1 von 2

Das ist die Wiese hinter dem Unterbacher Denkmal, die bebaut werden soll.

Bislang herrscht in Unterbach der Status quo. Aber nicht mehr lange. Denn nicht nur das alte Rewe-Gelände wird zur Wohnsiedlung, sondern auch die grüne Wiese im Herzen von Unterbach steht zur Debatte. Dort geht es um mindestens 133 Wohnungen, einen Supermarkt und eine Kita. Bei der Anhörung im Dezember lieferten 400 Bürger lebhafte bis empörte Wortbeiträge. 60 Eingaben gingen bei der Stadtverwaltung ein. Das Planungsamt ist noch immer damit beschäftigt, die Kritikpunkte abzuarbeiten. Das dauert den Bürgern zu lange. Sie gründeten die Initiative „Zukunft Unterbach“ und luden zum Info-Abend in den überfüllten Feldmann’s Saal im Restaurant Am Zault.

Kritik: Stadt denkt an Investoren

Es geht um die Restfläche der nicht mehr bewirtschafteten Hofanlage an der Gerresheimer Landstraße. Kritik entzündet sich an der fehlenden Infrastruktur. Wortführer der Unterbacher ist der Jurist Peter Rohland, Ex-Vorstand des Bundesverbandes für Wohnen und Stadtentwicklung in Berlin. Er wirft der Stadt vor, sie berücksichtige nur die Interessen der Investoren, nicht aber die ökologischen und sozialen Fragen der Bürger. Er betont, seine Initiative wolle nicht die Bebauung verhindern. Aber Unterbach habe in seinem Ortskern den „dörflichen Charakter“ bewahrt. Das müsse berücksichtigt werden.

Kritik: Verdichtung und Verkehr

Unterbach.
Das ist die Wiese hinter dem Unterbacher Denkmal, die bebaut werden soll.

Das ist die Wiese hinter dem Unterbacher Denkmal, die bebaut werden soll.

Auf dem Podium in Unterbach saßen (von links) Ruth Orzessek-Kruppa, Peter Rohland, Moderatorin Rita Hirlehei und Michael Stojan.

Sergej Lepke, Bild 1 von 2

Auf dem Podium in Unterbach saßen (von links) Ruth Orzessek-Kruppa, Peter Rohland, Moderatorin Rita Hirlehei und Michael Stojan.

Konkret geht es um zwei Dinge: die Verdichtung des Viertels und den Verkehr. Die geplante dreigeschossige Bebauung plus Staffelgeschoss sei faktisch eine viergeschossige Bebauung und passe „überhaupt nicht zur vorhandenen Bebauung’“. Diese Neu-Bebauung wirke wie ein „Keil oder Riegel“ im Bestand und sei mithin ein Fremdkörper. Das gelte es zu verhindern. Und die Straßen seien zu eng für den Verkehr.

Kritik: Parkplätze

Das Parkplatzproblem reicht bis in die 1960er Jahre zurück. Bei der Planung von Unterbach wurde das Zentrum nahezu ohne Stellplätze errichtet. Heute fehlen schon jetzt 150 Parkplätze. Es müssen also, so Rohland, Verkehrsuntersuchungen durchgeführt werden, um die Grenzen der Belastbarkeit zu prüfen.

Stadt: Alte Pläne sind gültig

Bevor Rohland ein Werkstattverfahren in Eigenregie bekanntgab, wagte sich Planungsamtsleiterin Ruth Orzessek-Kruppa in die Höhle des Löwen. Sie machte den Zuhörern klar, dass es für die Wiese am Breidenplatz zwei geltende Bebauungspläne aus der Zeit gab, als Unterbach noch zu Erkrath gehörte. Eigentümer könnten ihr Planungsrecht bis zum Bundesverwaltungsgericht erkämpfen.

Orzessek-Kruppa betonte zugleich, der Einzelhandel müsse gestärkt werden, sonst veröde der Stadtteil. Im übrigen mahnte sie Geduld an: „Wir sind noch in der Phase der Auswertung. Wenn man Verkehrsströme umleitet, muss man auch die übrigen Straßen berücksichtigen.“ Sie arbeite alle Wünsche ab, auch die Höhe der Baukörper, ja sogar die Dachformen. Das heiße aber nicht, dass sie alle Wünsche erfülle. Und: Die Bürger würden auch weiterhin an den Plänen beteiligt.

Der Wunsch: Werkstattverfahren

Dennoch lädt die Initiative für Samstag zum selbst organisierten Werkstattverfahren ein. Es findet 13 bis 17 Uhr im Hotel Am Zault, Gerresheimer Landstraße 40, statt. Zwei Fachleute machen mit: Peter Köddermann vom Museum für Architektur- und Industriekunst M:AI des Landes NRW und der Städte- und Verkehrsplaner Michael Stojan. In Kleingruppen werden Alternativen zu den Themen Stadtraum, Wohnumfeld, Arbeiten, Einkaufen, Verkehr, Parken, Energie und Gestaltung des Ortskerns mit den Bürgern erarbeitet.

Erstes positives Signal

Am Rande des Info-Abends erklärten die Stadt sowie die Eigentümer und ihr Architekt, sie würden die Ideen aus dem privaten Werkstattverfahren berücksichtigen.

zukunft-unterbach.de

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