Die Männer aus Mörsenbroich wurden am Freitag bei Diebstahl im Baumarkt erwischt.

Kriminalität
Bei dem Anschlag auf den Fahrkartenautomaten im S-Bahnhof Rath am 5. Dezember wurde der Apparat völlig zerstört. Archiv

Bei dem Anschlag auf den Fahrkartenautomaten im S-Bahnhof Rath am 5. Dezember wurde der Apparat völlig zerstört. Archiv

Links: Funkgeräte und der Druckminderer aus dem Diebstahl. Rechts: Zwei Gasflaschen, die am Tatort zurückgelassen wurden und zuvor bei einer Firma in Reisholz gestohlen worden waren.

Schüller, Bild 1 von 2

Bei dem Anschlag auf den Fahrkartenautomaten im S-Bahnhof Rath am 5. Dezember wurde der Apparat völlig zerstört. Archiv

Düsseldorf. Zwei Brüder aus Mörsenbroich sind für die vier verheerenden Sprengungen der Geld- und Fahrkartenautomaten in Rath in den vergangenen Monaten verantwortlich (siehe Kasten). Das glaubt die Polizei, die bei einer Durchsuchung der elterlichen Wohnung nach eigenen Angaben „umfangreiches Beweismaterial“ sichergestellt hat. Seit vergangenen Freitag sitzen die mutmaßlichen Täter Nikolai T. (28) und Alexander T. (33) in Untersuchungshaft.

Auf die Spur kam das Einsatzkommando West unter Leitung von Dieter Töpfer den in Russland geborenen Brüdern im vergangenen Monat. Eine Spur, die von den Ermittlern bereits im September bei der Sprengung des Geldautomaten am Vogelsanger Weg gefunden worden war, konnte mit den Dateien einschlägig bekannter Straftäter abgeglichen werden – und ergab einen Treffer. Möglicherweise hat es sich dabei um einen Fingerabdruck von Nikolai T. gehandelt. Bestätigen will dies die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Trotz der heißen Spur wurde weiterhin verdeckt ermittelt

Töpfer und seine Kollegen entschieden sich trotz des Treffers, verdeckt gegen die Männer vorzugehen – wäre nicht am vergangenen Freitag ein nur auf den ersten Blick gewöhnlicher Ladendiebstahl in einem Gerresheimer Baumarkt dazugekommen, bei dem Nikolai und Alexander T. ins Netz gingen. Ihnen wird vorgeworfen, zwei Funkgeräte und einen Druckminderer (um den Austritt von Gas aus einer Flasche zu dosieren) gestohlen zu haben. Der 28-Jährige habe sich bei der Konfrontation mit den Vorwürfen durch einen Ladendetektiv heftig gewehrt, der 33-Jährige, ein gelernter Schweißer, sei nach kurzer Flucht von der Polizei festgenommen worden. Die beiden wären an dem Tag nicht erwischt worden – hätten sie mit dem Geld bezahlt, dass sie in der Tasche hatten: mehrere hundert Euro. Doch die Spur gab es bereits.

Allerdings war Töpfer sicher: „Allein für diesen Ladendiebstahl hätte es keinen Haftbefehl gegeben. Aber wir mussten davon ausgehen, dass ein weiterer Anschlag bevorstand.“ Und nur „einem Stück Glück“ sei es zu verdanken gewesen, dass bei den Anschlägen keine Menschen zu Schaden kamen. „Also haben wir uns entschieden, in die offensive Phase zu treten.“

Doch die Männer schweigen zu den Vorwürfen und lassen sich von Anwälten vertreten. Dass sie spielsüchtig seien, hätten sie eingeräumt. Bei der Polizei sind sie aber keine Unbekannten und seien „mehrfach vorbestraft“ wegen Betäubungsmittelvergehen. Der Jüngere befinde sich erst seit einem Jahr wieder auf freiem Fuß. Beide Männer seien in einem Methadon-Programm. Und Drogen seien neben Gasflaschen auch bei der Durchsuchung gefunden worden.

Am 13. Juni wurde nachts der Geldautomat an einem Spielcasino am Vogelsanger Weg gesprengt. Am 12. September war er erneut Ziel der Täter. Am 5. Dezember flog der Fahrkatenautomat am S-Bahnhof Rath in die Luft. Am 1. Januar geschah das erneut.

Ein große Menge Gas (eigentlich zum Schweißen) wurde in die Automaten gefüllt und mit einem Batteriepack ferngezündet.

Beute aus den Automaten: ein hoher fünfstelliger Eurobetrag. Der Sachschaden liegt deutlich höher. Laut Töpfer beträgt das Strafmaß für die Sprengungen mindestens ein Jahr.

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