Viele Menschen, Alkohol, nervige Warterei – daraus entstehen am Hauptbahnhof nachts immer öfter Schlägereien.

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Am S-Bahn-Kreuz im Hauptbahnhof hat die Bundespolizei nachts viel zu tun.

Am S-Bahn-Kreuz im Hauptbahnhof hat die Bundespolizei nachts viel zu tun.

Bernd Nanninga

Am S-Bahn-Kreuz im Hauptbahnhof hat die Bundespolizei nachts viel zu tun.

Düsseldorf. Ein Fall unglaublicher Aggressivität hat sich am Freitag in einer S-Bahn nach Eller abgespielt: Ein 55-Jähriger beschwerte sich über die laute Handymusik einer Gruppe junger Männer - da schlugen sie sofort auf ihn ein. Einer der 20 bis 26 Jahre alten Männer nahm schließlich eine Schnapsflasche und schlug sie dem Opfer von hinten über den Kopf. Mit einer stark blutenden Platzwunde konnte der 55-Jährige flüchten.

Immer wieder berichtet die Bundespolizei in der jüngeren Vergangenheit von krassen Gewalttaten. Der aktuelle Fall ist da eher eine Ausnahme: Er ereignete sich am helllichten Tag in einem Zug. Die meisten der Rohheitsdelikte spielen sich in den Wochenendnächten direkt im Hauptbahnhof statt.

Immer jünger, immer stärker alkoholisiert - so entsteht Streit

Dort sind die drei Doppelstreifen, die maximal im Einsatz sind, zum Teil alle gleichzeitig mit diversen Schlägereien beschäftigt. In einer typischen Nacht, so Bundespolizei-Sprecher Stefan Beckmann, sind die Einsatzzahlen allein im Bahnhof deutlich zweistellig.

Der Hauptbahnhof ist ein Brennpunkt. Dort treffen sich nachts Menschen, die aus der Altstadt und sämtlichen Diskos kommen und mitunter eine Stunde auf ihren Zug warten müssen. Sie laufen am S-Bahn-Kreuz sowie einem McDonalds zusammen, der zu den zehn meistbesuchten in Deutschland zählt und 24Stunden offen ist. Und viele von ihnen sind stark alkoholisiert. Spitzenwert am Bahnhof waren 4,48 Promille.

"Getrunken wurde immer", sagt Wolfgang Heimann von der Bundespolizei. "Aber die Altersgruppen verschieben sich." Und wenn Jugendliche mit bis zu zwei Promille um 4 Uhr nachts am Bahnsteig säßen, komme es oft zu Konflikten.

Diese gefährliche Vermischung am Hauptbahnhof wurde wohl auch einem 23-Jährigen zum Verhängnis. Es war die schwerste Gewalttat am Bahnhof in den vergangenen Monaten. Der junge Mann hatte sich an einem Abend im Oktober mit einem 19-Jährigen vor einer Kö-Disko gestritten, war dort bereits mit Tritten gegen den Kopf malträtiert worden.

Am Hauptbahnhof trafen sich die Streithähne später in der Nacht wieder - der Konflikt flammte neu auf, im Verlauf der Schlägerei fiel der 23-Jährige auf den Kopf und wurde lebensgefährlich verletzt. Lange lag er im Koma. Inzwischen hat nach WZ-Informationen eine Reha hinter sich, ob er dauerhafte Schäden davonträgt ist aber noch nicht auszuschließen. Gegen den 19-Jährigen wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Auch am Hauptbahnhof kämpft Polizei mit Respektlosigkeit

Die Bundespolizei kämpft bei ihrer Arbeit am Hauptbahnhof neben dem Personalmangel auch mit einem Phänomen, das bereits die Polizisten in der Altstadt beklagt haben: Zunehmend werden sie, wenn sie einen Konflikt schlichten wollen, plötzlich von den Streitenden angegangen - oder auch von unbeteiligten Dritten. "Man muss damit rechnen, dass die Aufforderungen der Polizisten schlicht nicht befolgt werden", sagt Stefan Beckmann.

Es komme sogar vor, dass sich Konfliktparteien spontan zusammentun und gegen die eingreifenden Polizisten verbrüdern. "Diese Respektlosigkeit ist eine Entwicklung, die sich stetig gesteigert hat", sagt Wolfgang Heimann. Und viele, die nicht mitmachen, schauen weg: Zur Schnapsflaschen-Attacke am Freitag hat sich bis jetzt kein einziger Zeuge gemeldet - und die Tat geschah um 13.19 Uhr in einer vollbesetzten S-Bahn.

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