Innerhalb weniger Stunden wurde bei laufendem Betrieb Feuer in drei Kneipen gelegt – die Polizei verstärkt ihre Kräfte.

Düsseldorf. Fassungslos steht Willi Andree auf dem Carlsplatz vor den Trümmern seines Obst- und Gemüsestands. Von seinen beiden Wagen ist so gut wie nichts mehr übrig, seine Existenz ist zu einem Häuflein aus Metall- und Gummiresten zusammengeschmolzen, der Schaden beträgt rund 100 000 Euro. "Ich habe den Stand erst vor eineinhalb Jahren von meinen Eltern übernommen", sagt er.

Schon wieder hat es in der Innenstadt gebrannt. Sechs Mal haben Unbekannte in der Nacht von Samstag auf Sonntag zugeschlagen. Nachdem erst Donnerstagnacht ein Haus an der Schneider-Wibbel-Gasse angezündet worden war, hatte es am Wochenende jemand erneut auf die Altstadt abgesehen.

Brandstifter stopft Papiertücher in Lüftungsschacht und zündelt

In den Gaststätten "Knoten" und "Carina" (Kurze Straße) sowie in "Ludwigs Bier &Brot" (Mertensgasse) hatten die Täter jeweils auf der Herrentoilette Papierhandtücher in den Lüftungsschacht der Decke gestopft und angezündet. In allen Fällen waren noch Gäste im Haus. Verletzt wurde jedoch niemand, da die Feuer rechtzeitig entdeckt wurden. "Über die Lüftungen können sich Flammen und Qualm rasch verteilen", sagt Feuerwehrsprecher Marc Vogel. "Bei den beengten Begebenheiten in der Altstadt ist das unglaublich gefährlich."

Jamai Jasin sitzt am Sonntag gegen 17 Uhr vor seiner Cocktailbar "Carina". Im ersten Stock wohnt eine 80 Jahre alte Frau. "Wenn ihr etwas passiert wäre, nicht auszudenken", sagt Jasin.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schwerer Brandstiftung

Etwa 20 Menschen waren noch in seinem Lokal, als gegen 23.45Uhr ein Gast von der Toilette kam und Alarm schlug. "Ich habe sofort einen Eimer Wasser darüber gekippt", sagt Jasin. Der Gast informierte die Polizei. "Normalerweise habe ich bis 5 Uhr geöffnet, gestern musste ich um halb zwei schließen. An einem Samstag! Das ist ein herber Verlust." Jasin hat sogar schon einen Verdacht: Zwei Männer seien ihm komisch vorgekommen. Konkretisieren mag er seine Vermutung jedoch nicht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schwerer Brandstiftung, die Polizei kündigte an, ihre Präsenz in der Altstadt zu verstärken. "Wir werden in Uniform und Zivil vermehrt vor Ort sein", sagt Polizeisprecher Wolfgang Rodax.

Ob es Parallelen zu den Fällen der Vergangenheit gibt, könne er nicht sagen. Aber einen Zusammenhang sieht er bei den aktuellen Vorkommnissen schon. "Wenn es in drei nahe beieinander liegenden Kneipen innerhalb kürzester Zeit brennt, kann das nicht die pure Zufälligkeit sein."

Alle Feuer wurden in der Zeit zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens gelegt. Nach Altstadt und Carlsplatz ging die Brandserie am frühen Sonntagmorgen am Graf-Adolf-Platz weiter. Dort wurden um 3.40 Uhr ein Peugeot und eine Mülltonne vollständig zerstört. Nach ersten Schätzungen liegt der Gesamtschaden bei 122 000 Euro.

Was ihn die Ausfälle kosten, weiß Carlsplatzhändler Willi Andree noch nicht. Ratlos ist auch seine Nachbarin vom Käsestand. Ihr Stand grenzt an den von Andrees und wurde beschädigt. Ihre Ware wird sie vernichten müssen. Die Frau ist den Tränen nah. "Ich weiß nicht, wie und wann es jetzt weitergeht."

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