Angeklagter wollte wieder einziehen. Sanierung für eine Million Euro.

Ein halbes Jahr nach dem Brand: Hausverwalter Angelo Molderings begutachtet die Schäden im Haus Aachener Straße.
Ein halbes Jahr nach dem Brand: Hausverwalter Angelo Molderings begutachtet die Schäden im Haus Aachener Straße.

Ein halbes Jahr nach dem Brand: Hausverwalter Angelo Molderings begutachtet die Schäden im Haus Aachener Straße.

Stefan Arend

Ein halbes Jahr nach dem Brand: Hausverwalter Angelo Molderings begutachtet die Schäden im Haus Aachener Straße.

Düsseldorf. Als das Haus an der Aachener Straße am 11.Juli 2009 lichterloh in Flammen steht, liegt die älteste Mieterin zum Glück gerade im Krankenhaus. Routine-Operation. Erst spät am Abend erfährt die 89-Jährige von ihren Enkeln, was passiert ist. "Ich habe mich sehr erschrocken", berichtet die schüchterne Rentnerin. 30 Jahre hat sie für den früheren Hausbesitzer in dessen Obstladen gearbeitet, 30 Jahre in dem Haus gelebt. "Eine herrliche Wohnung. So eine finde ich sicher nie wieder."

Nach vier Monaten im Gästezimmer ihrer Enkel hat die Seniorin jetzt wenigstens wieder eine eigene Bleibe: Sie ist im Nachbarhaus eingezogen, das zur Straße Im Dahlacker hin liegt. Es brannte ebenfalls, wurde aber weniger stark beschädigt. Den Großbrand hatte wohl ein Mieter des Hauses Aachener Straße gelegt, als er in der Nacht im Treppenhaus zündelte. Wie in einem Kamin zog das Feuer rasch durch bis zum Dachstuhl, der in kürzester Zeit in Flammen stand. 17 Menschen musste die Feuerwehr über Drehleitern retten, darunter den mutmaßlichen Brandstifter Arno S.

Auch jetzt noch, mehr als ein halbes Jahr nach dem verheerenden Feuer, ist an ein Leben in dem Brandhaus nicht zu denken. Im Erdgeschoss sind nur die blauen Fliesen geblieben, ansonsten liegen überall an den Wänden die Ziegelsteine offen. Kabel hängen hier und da heraus. Ein dicker Rußfleck am Treppenabsatz zeugt noch von der Stelle, wo das Feuer ausbrach. "Das Gebäude ist entkernt", sagt Hausverwalter Angelo Molderings. "Allerdings brauchen wir für die Sanierung jetzt eine komplett neue Baugenehmigung."

Schon jetzt haben die Arbeiten 300.000 Euro verschlungen, letztlich wird es wohl eine knappe Million kosten, das Haus wieder bewohnbar zu machen.

Das Ausmaß der Schäden wird erst unter dem Dach deutlich, das in jener Nacht wie eine Fackel über Bilk stand. Mieter der obersten Wohnungen flüchteten aus ihren Fenstern auf Gauben zur Straßenseite, warteten dort auf die Einsatzkräfte, während die Decke über ihren Zimmern zusammenkrachte. Von diesem Dach zeugen nur noch die angekokelten Balken, die von Gerüsten gestützt werden; zugedeckt von einer Plane. Der Geruch von brennendem Holz liegt noch immer in der Luft. "Das Dach ist das teuerste", sagt Molderings. " Trotzdem: Wenn wir die Genehmigung erst haben, geht alles relativ zügig."

Anklageerhebung wegen fahrlässiger Brandstiftung

Kurz nach 4.30 Uhr am 11. Juli wird die Feuerwehr zu den Häusern an der Ecke Aachener Straße/Im Dahlacker gerufen. Der mutmaßliche Brandstifter selbst hatte Alarm geschlagen. Als die Wehrleute eintreffen, stehen Treppenhaus und Dachstuhl in Flammen.

Die Feuerwehr erkennt die akute Gefahr für die 17 Mieter, die sich in dem Haus aufhalten. Zeit, um die Oberleitung der Rheinbahn stromlos zu schalten, bleibt nicht. Die Feuerwehrleute fahren mit ihrer Drehleiter so oft gegen den Draht, bis es einen Kurzschluss gibt. Das Fahrzeug für rund 600.000 Euro ist zerstört. Aber die Bewohner werden gerettet, nur ein 29-Jähriger erleidet eine Rauchvergiftung.

Den gesamten Tag über ist die Straße um die Häuser abgeriegelt. 50 Feuerwehrleute und Kräfte des Technischen Hilfswerks stabilisieren das Dach. Erst am Montag können die Mieter in ihre Wohnungen, um ihre Habe zu retten.

Drei Tage nach dem Brand wird Arno S. (35) festgenommen. Er sagt aus, er habe mit einem Feuerzeug etwas im Hausflur gesucht. Das glauben ihm die Ermittler nicht. Unwahrscheinlich ist aber auch, dass S. das Ausmaß des Brandes beabsichtigte. Er begab sich wieder in seine Wohnung im dritten Stock und musste von der Feuerwehr gerettet werden.

Mitte des Jahres, so hofft der Verwalter, kann wieder Leben in das Haus einziehen. Allerdings: "Die Mieter haben fast alle fristlos gekündigt. Das kann ich auch gut verstehen", sagt Molderings. "Nur einer wollte zurückkommen: der Brandstifter. Das war der Einzige, dem ich gekündigt hatte." Einen Tag später sei ein Widerspruch von dessen Anwalt hereingeschneit, wegen eines Formfehlers. "Gehört habe ich seither aber nichts mehr", sagt Molderings, der über solche Dreistigkeit nur den Kopf schütteln kann.

Arno S. hat derzeit wohl auch andere Sorgen: Staatsanwalt Andreas Stüwe hat Anklage erhoben. Wegen fahrlässiger, nicht wegen vorsätzlicher Brandlegung allerdings. "Wir können ihm wohl nachweisen, dass er gezündelt hat", sagt Stüwe. "Aber er wollte damit offenbar nicht das ganze Haus in Brand stecken." S. drohen im Fall der Höchststrafe vier Jahre Haft. Der Prozess beim Amtsgericht wird voraussichtlich im Frühjahr beginnen.

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