Nur rund 77 000 Gäste kamen am Wochenende. Eine Krise? Davon wollen viele Händler allerdings nichts wissen.

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Roland Blaschek verkauft Windsurfer-Zubehör: „Die Preise sind immer noch so wie in der 80er Jahren. Surfen ist kein Volkssport mehr.“

Roland Blaschek verkauft Windsurfer-Zubehör: „Die Preise sind immer noch so wie in der 80er Jahren. Surfen ist kein Volkssport mehr.“

Albert Drettmann hat für die 7,4 Millionen Euro teuro „Bandido“ (links) einen Käufer gefunden: „Ich denke, die boot wird ein Erfolg für uns.“

Im Zentrum der boot stehen die Boote: Große Yachten wie hier in Halle 17 ziehen immer Neugierige an – die aber nicht immer kaufen.

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Roland Blaschek verkauft Windsurfer-Zubehör: „Die Preise sind immer noch so wie in der 80er Jahren. Surfen ist kein Volkssport mehr.“

Düsseldorf. Weniger Aussteller, weniger Besucher (2008 waren es 85.000 am ersten Wochenende): Die Wirtschaftskrise hat auch die boot erreicht. Bei den Neubooten erwartet der Präsident des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft, Robert Marx, einen zweistelligen Auftragseinbruch.

Die WZ machte sich auf die Suche nach der Krise bei der weltweit größten Wassersport-Messe - und entdeckte neben skeptischen vor allem optimistische Händler.

Surfen "Klar, auf der Messe ist immer viel los, aber ansonsten geht das Geschäft schlecht", sagt Roland Blaschek vom Surfstadl Ammersee: "Surfen ist kein Volks- oder Trendsport mehr wie in der 80er Jahren.

Die Preise sind seit 20 Jahren gleich geblieben, das ist absurd." Teuer bleibt das zeitintensive Hobby dennoch: Rechnet man Board (799 Euro), Segel (299) und Neopren-Anzug (139) zusammen, trösten einen die 80er-Jahre-Preise auch nicht.

Lisbeth Prade vom Verband deutscher Windsurfing-Schulen (VdWS) lacht: "Wir haben keine Krise." Allein die VdWS-Lehrer hätten im vergangenen Jahr 40.000 Surfer ausgebildet, 10 Prozent mehr als 2007. "Früher hatte jeder ein eigenes Board, jetzt mieten sich die meisten halt eins am Urlaubsort."

Bestseller-Autor Frank Schätzing ("Der Schwarm") unterstützt die Haischutz-Organisation "sharkproject". Mit Plakaten und Filmen wollen die Haischützer auf das Leiden der Tiere aufmerksam machen.
www.sharkproject.org

Astrid Erdmann ist in Düsseldorf aufgewachsen, aber nur selten hier. Bei der boot stellte sie jetzt ihr erstes Buch "Die Weltumseglerin" vor und gestand: "Ich bin permanent seekrank. Erst an Land geht’s wieder."

Tauchen Wer dem Weißen Hai vor Südafrikas Küsten mal ins Maul schauen möchte, kann so etwas bei Bettina Kohlsdorf von "Wirodive" buchen. Der Preis von 1.845 Euro pro Person und Woche (Flug geht extra) schreckt nicht ab: "Das läuft sehr gut." Ohnehin sei man im letzten Jahr gewachsen. Nur das langfristige Buchen gestalte sich etwas schwieriger: "Die Leute wissen nicht, was 2009 bringt."

Segeln Albert Drettmann, Chef der gleichnamigen Werft, ist zufrieden. Die "Bandido 95", mit 28 Metern längste Motoryacht der boot, hat er für 7,4 Millionen Euro an einen Ex.-Modehausbesitzer verkauft, ein kleineres Exemplar für 4,4 Millionen an Ralf Schumacher, den ehemaligen Formel- 1-Rennfahrer. "Wir bauen fast nur auf Bestellung und haben eine gute Auftragslage." Allerdings lasse die Zahlungsmoral nach.

Funsport Mit dem Jetlev-Flyer von Lars Ramcke kann man in die Luft gehen: Motor, Schlauch fürs Wasseransaugen und eine Art Rucksack katapultieren den "Fahrer" bis in 40 Meter Höhe. Ramcke macht sich keine Sorgen: Einige "reiche Russen" hätten sich eines der 100.000-Euro-Exemplare gesichert.

Hochzeit Tina Blume (42) und Walter Tyrra (46) haben im Tauchturm geheiratet. Statt des "Ja" wurden grüne Karten hochgehalten. Nach der Zeremonie weigerte sich der Mann allerdings standhaft, mit seiner Frau ein Tänzchen zu wagen. Oh ha: Doch eine klitzekleine Krise?

Fazit Massenprodukte haben’s schwer. In der Nische, ob teuer oder außergewöhnlich, liegt die Chance.

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